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Angelika Kleine erzählt wie sie mit ihrem Bürstenhaus in der Frankfurter Innenstadt durch die Corona-Krise kommt.
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Angelika Kleine erzählt wie sie mit ihrem Bürstenhaus in der Frankfurter Innenstadt durch die Corona-Krise kommt.

Frankfurter Einzelhandel

Frankfurt: Wie eine Ladenbesitzerin mit Stammkundschaft und Instagram der Pandemie trotzt

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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Angelika Kleine erzählt wie sie mit ihrem Bürstenhaus in der Frankfurter Innenstadt durch die Corona-Krise kommt – und warum sie an den 100. Geburtstag des Ladens im April 2026 glaubt.

Angelika Kleine trägt ein Tunikakleid und bürstet sich die Haare, während sie barfuß im Laden steht und erzählt: „Mit einer Wildschweinbürste gehst du eine Symbiose ein, die Bürste nimmt das Haarfett auf, und das Haarfett hält wiederum die Bürste geschmeidig.“

Mit Bürsten kennt sich die 60-jährige Ladeninhaberin aus. In ihrem Bürstenhaus in der Frankfurter Innenstadt gibt es Seifen und Tücher und eben alles, was man sich an Kämmen, Besen und Bürsten nur vorstellen kann: „Von der Toilettenbürste bis zur Bürste, um sich den Rücken in der Badewanne zu schrubben“, sagt Kleine. Das Besondere: Vieles sei nicht nur handgefertigt, sondern „wir verkaufen auch einige Produkte, die exklusiv nur fürs Bürstenhaus hergestellt werden. Wie unseren eigenen Mopbesen mit Staubbindetuch.“ Ältere Kundinnen sagten ihr oft: „Ich kann es mir nicht leisten, billig einzukaufen.“ Unter anderem Qualität und persönliche Beratung seien die Gründe, warum ihr Geschäft so beliebt sei. Und das auch in der Corona-Krise.

Und klar, die zunehmende Verelendung seit der Pandemie in der Innenstadt sei auch ihr aufgefallen. Auch dass Läden schließen mussten. Aber die Töngesgasse, wo ihr Laden zu finden ist, sei so etwas wie eine Oase. Neben anderen Einzelhandelsläden wie dem Gartenfachgeschäft „Samen Andreas“ ist hier auch wenige Meter weiter das Traditions-Café Mozart. „Hier gibt es eben besondere Läden, die fern der großen Ketten auf der Zeil sind. Keiner von uns musste schließen.“ Kleine betont: „Meine Kunden scheinen bislang finanziell nicht von der Pandemie betroffen zu sein.“

Überhaupt habe sie die Pandemie bislang gut überstanden. „Klar hatte ich anfangs total Schiss, es war eine völlig neue Situation im März 2020.“ Aber sie wollte nicht nichts tun. Mit der Hilfe ihrer jüngsten Tochter Emma (21), die hier ihre Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau absolviert, entschließt sie sich, die Sozialen Medien zu erobern und eröffnet bei Instagram einen Account für das Bürstenhaus. In einem ihrer ersten Videos hält sie einen Besen in der Hand und sagt noch etwas schüchtern: „Ich hätte nie gedacht, dass ich jetzt vor Instagram stehe.“

Mittlerweile ist sie vor der Kamera fast so gechillt wie eine Influencerin. Statt Werbe-Anzeigen in der Zeitung zu schalten, habe sie nicht nur durch Instagram neue Leute erreicht, sondern auch Geld gespart. „Ich habe aber auch angefangen, mein eigenes Gehalt zu kürzen, um Rücklagen zu haben.“ Mit ihr und ihrer Tochter arbeitet ein Freund, der Rentner ist, zweimal die Woche im Laden.

Sie sei extrem dankbar, dass ihre Kund:innen ihr treu geblieben seien. „Sie haben zu keinem Zeitpunkt aufgehört, bei uns einzukaufen. Erst in unserem Online-Shop, und sobald wir öffnen durften, standen die Kunden vor der Tür wie vor der Pandemie“, sagt Kleine. Gleich im ersten Lockdown habe sie einen Luftfilter im Laden einbauen lassen.

2003 hatte die gebürtige Frankfurterin aus dem Bürstenhaus eine GmbH gemacht und wurde da auch zur Inhaberin. „Durch einen Zufall kam das Bürstenhaus in mein Leben. Zuvor arbeitete ich bei einer Menschenrechtsorganisation, aber ich wollte mich selbstständig machen.“

Früher war das Bürstenhaus in der Stiftstraße, aber 2011 zog sie in die Töngesgasse, weil durch zwei Großbaustellen – der Abriss des Kaufhauses M. Schneider und des Rundschau-Hauses – sich eben viel veränderte und der Laden damals ums Überleben kämpfte.

Ein großes Problem, das Kleine jetzt nach anderthalb Jahren Pandemie sieht, seien Lieferengpässe. Rohstoffe wie etwa Holz für die Bürstenherstellung seien immer schwerer zu bekommen.

Auch andere Rohstoffe fehlen. „Einer meiner Lieferanten beispielsweise bekommt kein Pferdehaar mehr aus Südamerika, weil dort jetzt vermehrt Sojafelder angebaut werden, weil das mehr Geld einbringt als die bisherigen Weiden. Klar könnte man sagen: ,Es laufen doch genug Pferde auch in Deutschland rum.‘ Und ja, die gibt es, aber es gibt hier nicht wie in Südamerika den Beruf des Ausrüsters: Der Ausrüster bereitet das Pferdehaar so vor, dass der Bürstenmacher überhaupt erst in der Lage ist, daraus eine Bürste zu machen.“

Vor der Pandemie hatte Kleine auch Stammkunden aus Australien, Afrika und Lateinamerika. „Ein Herr aus Südamerika kaufte hier jedes Mal Hornkämme. Ich hoffe, die internationalen Touristen kommen bald wieder nach Frankfurt.“

Angelika Kleine ist aber auf jeden Fall optimistisch, dass sie den 100. Geburtstag ihres Bürstenhauses am 1. April 2026 feiern wird. „Ich sage meinen Kunden dauernd: ‚Überlegt schon mal, was ihr dem Bürstenhaus als Geschenk mitbringt“, sagt Kleine und lacht.

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