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Frankfurt: Widerstand gegen Fahrradstraßen

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Von: Christoph Manus

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Der Grüneburgweg im Frankfurter Westend ist bereits zur fahrradfreundlichen Nebenstraße umgebaut worden.
Der Grüneburgweg im Frankfurter Westend ist bereits zur fahrradfreundlichen Nebenstraße umgebaut worden. © Monika Müller

Frankfurter Gewerbevereine warnen in einem offenen Brief vor sinkenden Umsätzen, wenn der Autoverkehr in den Einkaufstraßen eingeschränkt wird. Die IHK unterstützt ihr Anliegen.

Sechs Stadtteil-Gewerbevereine und der Frankfurter Dachverband der Gewerbevereine stellen sich gegen Pläne für eine Umgestaltung von Einkaufsstraßen in fahrradfreundliche Nebenstraßen nach dem Vorbild des Oeder Wegs und des Grüneburgwegs. Wenn etwa die Berger Straße, die Schweizer Straße oder die Leipziger Straße nach einem Umbau schlechter für den Autoverkehr erreichbar seien, gefährde das den Einzelhandel in den Stadtteilen und die Existenz von Unternehmen, heißt es in dem offenen Brief, den sie an den Magistrat der Stadt Frankfurt, die Stadtverordneten und die Ortsbeiräte geschickt haben. Die „politisch verfolgte Verdrängung des Autoverkehrs aus den Einkaufsstraßen“ werde etwa „kaufkraftstarke autofahrende Kunden“ aus dem Taunus davon abhalten, weiter dort zu shoppen. So wandere Kaufkraft aus Frankfurt ab.

Die Gewerbevereine Bockenheim Aktiv, Bornheim Mitte, die Aktionsgemeinschaften Schillerstraße-Eschenheimer Turm und Schweizer Straße, der Geschäftsring Dornbusch und die Interessengemeinschaft Untere Berger Straße weisen zudem auf die schwierige Situation des Einzelhandels hin. Wie die Gastronomie sei dieser bereits von der Pandemie besonders stark getroffen worden. Er habe zudem mit dem steigenden Online-Handel und nun auch noch mit einer Konsumzurückhaltung zu kämpfen.

Frankfurter Gewerbevereine können sich stattdessen Tempo 20 auf Einkaufsstraßen vorstellen

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt unterstützt das Anliegen der Gewerbevereine. Natürlich sei Radfahren ein „wichtiger Aspekt moderner Stadtgestaltung“, sagt IHK-Präsident Ulrich Caspar. „Man sollte jedoch nicht ein Verkehrsmittel gegen das andere ausspielen. Benötigt werden auch sinnvolle Lösungen für Lieferverkehr oder Kunden und Mitarbeiter, die mit dem Auto kommen“.

Die Gewerbevereine fordern die Stadtpolitik auf, mit ihr in den Dialog zu treten und sie an der Umgestaltung der Einkaufsstraßen zu beteiligen. In einigen Punkten zeigen sie sich dabei durchaus kompromissbereit. Sie können sich etwa die Einführung von Geschwindigkeitsbegrenzungen auf höchstens 20 Stundenkilometer vorstellen. Wichtig ist ihnen aber insbesondere, dass die Straßen auch für Autos erreichbar bleiben und dass es dort weiterhin genügend Kurzzeitparkplätze gibt.

Stadt Frankfurt will Oeder Weg mit Bänken und Pflanzen attraktiver machen

Die Stadt Frankfurt verfolgt mit der fahrradfreundlichen Umgestaltung von Nebenstraßen das Ziel, dem Rad- aber auch dem Fußverkehr mehr Platz zu geben und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Zugleich fällt ein Teil der Parkplätze weg. Nach diesem Muster baut die Stadt nach dem Oeder Weg und den Grüneburgweg derzeit den Kettenhofweg im Westend um.

Im Oeder Weg will die Stadt ein halbes Jahr nach Ende der eigentlichen Arbeiten nun noch mobile Verweilflächen schaffen und Pflanztröge, Blumenkübel, Bänke und so genannte Drehliegen aufstellen. So soll die Straße nach Mitteilung der Stadt grüner und „aufenthaltsfreundlicher“ werden.

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