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Gitarrespielen geht ohne Handschuhe und ohne Frostbeulen.

Ende des Winters

Frankfurt: „Das Wetter ist einfach mega“

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Das Wochenende wird frühlingshaft.  Schon am Freitag genießen die Frankfurter die Sonne.

Besonders beliebt ist an diesem Tag folgende Pose: Rücken an die Wand gelehnt, Augen zu, das Gesicht in Richtung Sonne - und einfach genießen. So chillt auch ein Herr unweit von „König Döner Pizza“ am Freitagmittag in Bockenheim. Es ist der Beginn eines frühlinghaften Februar-Wochenendes.

Vor dem Dönerladen auf den Bänken sitzen ein paar Männer, beißen in ihre Döner und sonnen sich. Wenige Meter weiter vor der Unibibliothek genießen Studis ihre Zigarette oder ihren Kaffee in der Sonne. Kristina (27) sagt: „Die Sonne macht mich einfach glücklich. Seit die Sonne wieder da ist, bin ich einfach viel besser gelaunt.“ Gleichzeitig macht sie sich aber auch Sorgen, dass es schon mit zwölf Grad so warm im Februar in Frankfurt ist: „Einerseits ist es wunderschön, im Februar so einen schönen Sonnentag zu genießen, andererseits ist es doch ein krasses Zeichen, dass wir echt anfangen müssen, uns anders zu verhalten. Die Zeichen des Klimawandels kann man doch nun wirklich nicht mehr ignorieren.“

Frankfurt: Jede Sekunde Sonne nutzen

Die meisten verdrängen diese Gedanken lieber, die Sonne macht zu gute Laune. Also den meisten. Ein Herr motzt: „Die Sonne ist mir egal, ich bin erkältet.“ Ein anderer möchte nichts zum Wetter sagen: „Ich muss mich auf mein Wurstbrötchen konzentrieren.“ Alles klar. Aber es gibt sie, die Sonnenfreunde. „Das Wetter ist mega. Ich war gestern schon in meinem Schrebergarten. Ich hatte das Gefühl, dass die Sonnestrahlen richtig in den Körper eingedrungen sind“, sagt eine junge Mutter im Westend. „Das Einzige, was nicht schön ist, ist, dass es morgens noch so ätzend kalt ist. Mein zweijähriger Sohn hat heute morgen gesagt: ‚Mach die Tür zu, es ist bitterkalt.‘ Woher er das Wort bitterkalt kennt. weiß ich nicht.“ Sie lacht. Am Mainufer trifft Joggerin auf Mütter mit Kinderwagen, Schülerinnen und Schüler liegen auf den Bänken mit Kopfhörern im Ohr und schlafen. Andere lesen sogar Bücher.

Viele nutzen die Mittagspause, um Essen mit Sonne zu kombinieren: Auf den Treppenstufen der Alten Oper sitzen Büromenschen, ihren Lunch to go auf dem Schoß: Von Chinabox-Nudeln bis Fastfood-Burger wird alles gespeist. Nicole (35) und Corinna (33) haben sich für Focaccia entschieden. „ Unsere Pause ist kurz, wir müssen jede Sekunde an der Sonne nutzen. Am Wochenende werde ich auf jeden Fall den ganzen Tag in der Sonne bleiben. Ich habe nämlich einen eigenen Garten“, erzählt Hofheimerin Nicole.

Richtig voll ist es an diesem Tag auch auf dem Schillermarkt. Lange Schlangen bei Würstchen- bis Weinstand. Sogar Ostereier werden schon verkauft. „Ich will gar nicht wieder zurück ins Büro“, sagt ein Herr, der gerade mit seiner Kollegin an einem Stand Linsensuppe isst. Nicht so gut fürs Geschäft ist das schöne Wetter für Helga Frank vom Strumpfwollmarkt. „Bei diesem schönem Wetter gehen die Leute lieber erst mal essen und trinken. Ab 16 Uhr kommen aber dann wieder Kunden und kaufen Wollmützen“, sagt Frank.

Apropos Kleidung: Die meisten tragen noch ihre dicken Felljacken. Auf der vollen wie sonnigen Terrasse des Cafés Hauptwache sitzen ein paar Damen, die schon mal ihr Leopardenkleidchen und die Frühlingslederjacke rausgeholt haben. Ein Herr kombiniert Pulli zu Hut mit Disko-Glitzer-Band. Eine junge Amerikanerin läuft verliebt mit ihrem Freund an der Hand Richtung Römer. Passend zu den Frühlingsgefühlen trägt sie einen Frühlingslook: kurzer Rock zu bordeauxfarbenden Kniestrümpfen. „Ich friere nicht so schnell an den Beinen“, sagt sie. Na dann.

Laut dem Modemagazin Harper’s Bazaar treffen in diesem Frühjahr klassische Formen wie der zweireihige Blazer auf kräftige Trendfarben wie Pink, Gelb und Royalblau. In Kombination mit weißen Hemden und passenden Hosen funktionierten diese Blazer sogar im Büro. Sie wissen Bescheid.

Die ersten Sonnenstrahlen bescheren auch Optiker Müller unweit des Goetheplatzes auf jeden Fall „schon auch mehr Kunden“, sagt eine Verkäuferin. Genau, die passende Sonnenbrille muss her. Angesagt seien weiterhin Cat-Eye-Sonnenbrillen, diese eleganten in Katzenaugen-Form, die schon Hollywood-Diven in den 1950er Jahren trugen. Genauso seien aber Sonnenbrillen weiterhin Trend, die einen durchgängigen Steg haben. „Das sehe ich aus wie so ein irrer Professor“, sagt ein älterer Herr vor dem Schaufenster und lacht. Am Goetheplatz erholen sich Fabienne (14) und Isabel (13) etwas. „Wir waren gerade bei Fridays for Future, also sind für den Klimaschutz gelaufen. Zum Demonstrieren war das Wetter perfekt. Aber wir hatten dann Hunger, also haben wir uns abgesetzt, um was zu essen“, sagt Fabienne. Auf ihrem Schoss die Pappschachtel von Pizza Hut.

Frankfurt: Lieber kühles Bier als Eis

Und was ist eigentlich mit Eis essen? Eine japanische Touristin klatscht unweit des Römers freudig in die Hände, als ihr Freund ihr ein Schokoeis kauft. Aber noch gibt es keine langen Schlangen vor dem Eiscafé. Ein Ehepaar aus Bockenheim hat sich wie viele andere auch lieber für ein kühles, großes Bier entschieden. „Wir hatten gerade eine deftige Frikadelle, da passt Bier besser als Eis“, sagt die Frau. Und haben sie die Sonne eigentlich sehr vermisst? Sie sagt: „Geht so. Wir sind nämlich sehr oft auf Ibiza. Aber trotzdem ist das Wetter ein Superstart ins Wochenende.“

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