+
Das denkmalgeschützte Alte Polizeipräsidium an der Friedrich-Ebert-Anlage in Frankfurt.

Polizeipräsidium

Frankfurt: Wettbewerb für Polizeipräsidium

  • schließen

Investor lädt zwölf Planungs- und Architekturbüros ein. Nach siebzehn Jahren Stillstand kommt Bewegung in die Polanungen.

Nach 17 Jahren Leerstand gibt es Bewegung beim alten Polizeipräsidium in Frankfurt am Main. Der Besitzer, die Düsseldorfer Gerch Group, schreibt in Abstimmung mit der Stadt einen beschränkten internationalen Wettbewerb aus. Bis zum Jahr 2026 soll ein neues Quartier mit mindestens 400 Wohnungen, Büros und Hotels entstehen. Zwölf renommierte Architektur- und Planungsbüros aus dem In- und Ausland werden aufgefordert, einen städtebaulichen Entwurf für das 4,2 Hektar große Gelände im Gallus zu erarbeiten. Das hat Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD), im Gespräch mit der FR bestätigt.

Der Einigung zwischen Stadt und Gerch Group über die Vorgaben des Wettbewerbs gingen lange Verhandlungen voraus. Die Atmosphäre der Gespräche wird von Teilnehmern als „konstruktiv“ und „ohne große Auseinandersetzungen“ beschrieben. Die Kommune legt Wert darauf, dass wegen des großen Bedarfs der Anteil an Wohnungen gegenüber dem alten städtischen Bebauungsplan deutlich steigt. Das Planungsgebiet wird begrenzt von Hohenstaufenstraße, Ludwigstraße, Mainzer Landstraße und Friedrich-Ebert-Anlage. Nur 30 Prozent des Wohnens werden öffentlich gefördert sein. Es ist wahrscheinlich, dass in dem neuen Quartier ansonsten zahlreiche Luxuswohnungen gebaut werden. Die Wohnungen werden im hinteren Teil des Areals liegen und nicht an der vielbefahrenen Friedrich-Ebert-Anlage.

Die zulässige maximale Geschossfläche beträgt 100 000 Quadratmeter. Die ursprünglich vorgesehenen zwei Hochhäuser mit einer Höhe von 145 Metern und 130 Metern sind wohl vom Tisch. Die Stadt will die Hochhauskonzeption im Zuge der Änderung des Bebauungsplanes weiterentwickeln. Es könnten mehrere kleine Türme entstehen – die Einzelheiten soll jetzt der Wettbewerb klären.

Ein großes Problem ist noch die Frage, was aus dem eigentlichen früheren Polizeipräsidium wird. Es handelt sich um das langgestreckte Gebäude direkt an der Friedrich-Ebert-Anlage. Es war in den Jahren 1911 bis 1914 errichtet worden und wurde von der Polizei 2002 aufgegeben. Sie zog damals in das neue Präsidium am Alleenring um. Seither steht das riesige Gebäude leer und verfällt zusehends. Da Denkmalschutz gilt, sind die Möglichkeiten des Umbaus eingeschränkt. Die angedachte Lösung, ein großes Luxushotel zu schaffen, durchkreuzten die Denkmalschützer, wie es in der Immobilienszene heißt. So wird sich das alte Präsidium, in dem zwischenzeitlich einmal „Tatorte“ gedreht worden sind, wohl zum Bürohaus wandeln.

Das neue Viertel soll den Menschen, die dort leben und arbeiten, auch Infrastruktur bieten. Die Architekten müssen in ihre Entwürfe zwei Kitas integrieren. Außerdem soll die westlich angrenzende Falkschule eine neue Turnhalle bekommen.

Die Stadt wünscht sich in den Erdgeschossen des Quartiers Gastronomie und Läden zur Belebung. Matthias Düsterdick, Vorstandschef der Gerch Group, war auf Anfrage der FR für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Nach dem Plan von Gerch Group und Stadt soll der Sieger des Wettbewerbes im Frühjahr 2020 gekürt werden. Bis zum Baurecht könnten zwei Jahre vergehen, so dass Baubeginn 2022 sein würde.

Bis zur Fertigstellung des Quartiers rechnen Fachleute der Immobilienszene, mit denen die FR sprach, mit weiteren drei bis vier Jahren. Nicht in den Wettbewerb einbezogen wird das Areal der Matthäuskirche, Friedrich-Ebert-Anlage 33. Der evangelische Regionalverband will das Grundstück veräußern, die Gemeinde kämpft für ihre Kirche. „Dieser Konflikt schreckt Investoren ab, die Fläche wird liegenbleiben“, heißt es in der Immobilienszene.

Historie

Im März 2018 hatte das Land Hessen als Grundstücksbesitzer des alten Polizeipräsidiums der Düsseldorfer Gerch Group den Zuschlag gegeben. Diese zahlte 212,5 Millionen Euro für die 4,2 Hektar große Fläche. Frankfurter Politiker wie Planungsdezernent Mike Josef (SPD) kritisierten scharf, dass das Land dem Meistbietenden den Zuschlag gegeben habe, nicht dem besten Konzept.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare