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Auch die Urenkelinnen der ermordeten Elise Hofmann sind aus den USA gekommen.

Westend

Ein Denkmal für Elise Hofmann

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Elise Hofmann war eine Frankfurter Jüdin und wurde von den Nazis in Treblinka ermordet. Nun sind ihre Urenkelinnen aus den USA zur Verlegung eines Stolpersteins angereist. 

An der Hansaallee war der letzte freiwillige Wohnort von Elise Hofmann, erklärt Martin Dill von der Initiative Stolpersteine. Die Jüdin, an die seit Dienstag eine gravierte Messingplatte vor der Senioren-Residenz „Grünhof im Park“ erinnert, hatte nach dem Seniorenheim noch drei weitere Lebensstationen – das Israelitische Krankenhaus in Bornheim, das Konzentrationslager Theresienstadt und das Vernichtungslager Treblinka.

Vor der Senioren-Residenz Grünhof im Park erinnert ein Stolperstein an Elise Hofmann.

„Sie muss eine sehr elegante, vornehme und kultivierte Frau gewesen sein“, erzählt Karen Levi den 20 Zuhörern, die zur Verlegung des Stolpersteins gekommen waren auf Englisch. „Und so hat sie auch ihre Tochter erzogen, unsere geliebte Großmutter.“ Sie und ihre Schwester Connie Levi sind zur Gedenkveranstaltung für ihre Urgroßmutter eigens aus den USA angereist. „Obwohl sie die zweite Frau unseres Großvaters war, hatten wir eine sehr enge Verbindung zu ihr. Sie war die Großmutter, die wir kannten“, sagt sie. Von ihrer Vergangenheit erzählt habe Elise Hofmann nicht viel. Vom Schicksal erfahren hätten Karen und Conny Levi nur von ihrem Vater.

Andreas Lange von dem Service ffmtipptopp setzt in Vertretung des Künstlers Gunter Demnig, der die Initiative Stolpersteine 1992 ins Leben gerufen hat, den Gedenkstein. Währenddessen spielt Bettina Weber auf der Geige ein ungarisches Lagerlied. Dafür, dass Weber gemeinsam mit ihrer Mutter als Patin für die Finanzierung der Gedenktafel aufgekommen ist, bekommt sie von den Levi-Schwestern eine herzliche Umarmung.

Als das Seniorenheim an der Hansaallee 1928 von der Budge-Stiftung errichtet wurde, war die verwitwete Elise Hofmann eine der ersten Bewohnerinnen, weiß Leiterin Heike Wagner. „Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, die Bilder im Foyer und der Treppenaufgang sind identisch mit denen, die Ihre Urgroßmutter kannte“, zeigt sie den Nachfahren. 1939 mussten alle jüdischen Bewohner „ausziehen“.

Als Elise Bloch 1872 im badischen Bühl geboren, lebte sie später zunächst mit ihrem Mann in Worms. 1896 ist ihre einzige Tochter geboren. Aus beruflichen Gründen, so die Vermutung der Urenkelinnen, sei das Ehepaar Hofmann nach Frankfurt gezogen. „Viel wissen wir nicht“, sagen beiden. „Wir wollen weitere Nachforschungen anstellen.“

In Frankfurt hat die Initiative Stolpersteine bisher 1400 Gedenktafeln für Opfer des Nationalsozialismus in Bürgersteige eingelassen, die Menschen im Alltag über Schicksale „stolpern“ lassen sollen. Der erste in diesem Jahr ist Elise Hofmann gewidmet. „Es gibt ja keinen Grabstein“, sagt Karen Levi. „Das ist das erste Denkmal für Elise.“ Ihre Großmutter habe noch rechtzeitig fliehen können, 1939 sei sie nach Shanghai ausgewandert. „Sie hat darunter gelitten, dass sie ihre Mutter nicht rechtzeitig rüberholen konnte. Wir denken, dass dieser Stein auch für sie ein Trost ist.“

Der Stolperstein für Elise Hofmann ist an der Hansaallee 146a zu sehen. Im Juni folgen 99 weitere Steine, einige für verfolgte Homosexuelle. Weitere Infos zum Projekt gibt es unter www.stolpersteine-frankfurt.de.

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