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Rassistische Slogans

Frankfurt lässt rechtsextreme Aufkleber im Westend entfernen

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Rund um die Jüdische Gemeinde im Frankfurter Westend finden sich seit Monaten Neonazi-Sticker. Die Stadt will diese entfernen lassen.

Update, 24. Juli, 18:50 Uhr: Die Stadt Frankfurt lässt die Sticker mit rechtsextremen Motiven an Ampeln, Schildern und Laternenpfählen im Westend entfernen. „In unserer weltoffenen und toleranten Stadt ist kein Platz für Hass und Ausgrenzung“, betonte Bürgermeister Uwe Becker (CDU) am Mittwoch. „Rechtsradikales Gedankengut, wie es mit den Aufklebern verbreitet wird, hat im öffentlichen Straßenraum nichts verloren.“

Ursprungsartikel vom 23. Juli:

Frankfurt-Westend - Sie kleben überall im südlichen Westend: In der Savignystraße, in der Mendelssohnstraße, in der Westendstraße, im Kettenhofweg, an der U-Bahnstation Festhalle/Messe, rund um die Jüdische Gemeinde, auch im Bahnhofsviertel: Sticker mit klar rechtsextremen Motiven. 

Manche sind in Teilen entfernt oder mit antifaschistischen Stickern überklebt worden, aber ihre Botschaften sind deutlich: „Refugees not welcome“, „Ku Klux Klan White Power“ oder „Good Night Left Side“ steht dort zu lesen.

Vom Ku Klux Klan bis zu „Golden Shower Black Power“

Entdeckt hat sie Ruben Gerczikow, Vorstand der Jüdischen Studierendenunion Deutschland. Auf Fotos, die er im Online-Kurznachrichtendienst Twitter geteilt hat, sieht man neben Motiven, die sich gegen die politische Linke oder die Aufnahme Geflüchteter richten, auch solche der seit kurzem auch vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Identitären Bewegung, sowie den rassistischen Slogan „Golden Shower Black Power“, dessen menschenverachtende Botschaft sich durch die Silhouette eines Mannes, der auf einen am Boden liegenden Schwarzen uriniert, erschließt.

Schon als er noch in Wien studierte und im Frühling seine Eltern in Frankfurt besuchte, seien ihm die Aufkleber aufgefallen, sagt Gerczikow der FR. Seit er kürzlich wieder zurück in seine Geburtsstadt zog, habe er weitere und neue Sticker entdeckt. „In der Menge finde ich das schon erdrückend“, sagt der 22-Jährige. „Ich bin Mitglied der Jüdischen Gemeinde, und ich finde, es bekommt noch mal eine besondere Note, dass sie ausgerechnet hier so geballt auftauchen. Das ist erschreckend und bedrohlich.“ 

Persönlich würden ihn die Sticker aber nicht direkt ängstigen, sagt Gerczikow. Er habe schon oft Antisemitismus erfahren, sowohl von rechts, als auch von links oder aus dem islamistischen Spektrum, „das ist leider nichts Neues für mich“.

Einschlägige Szene-Shops

Wer sich intensiver mit der extrem rechten Szene beschäftigt, kann schnell erkennen, dass es sich um einschlägiges Material handelt. 

Einer der rechtsextremen Aufkleber im Frankfurter Westend.

Neben den Aufklebern der Identitären Bewegung sind viele Motive darunter, wie sie in Szene-Shops wie denen der Neonazis Patrick Schröder und Tommy Frenck erhältlich sind. Der Oberpfälzer Schröder vertreibt sein Propagandamaterial unter dem Kürzel „FSN“ (frei, sozial, national). Frenck wiederum, der mit seinem Shop „Druck 18“ auf die Initialen Adolf Hitlers anspielt, ist Mitorganisator des erst jüngst wieder abgehaltenen Rechtsrockfestivals im thüringischen Themar und Betreiber eines nahegelegenen Gasthofs und Szenetreffpunkts. 

An eine eher zufällige, einmalige Klebeaktion glaubt Gerczikow daher nicht, zumal sie regelmäßig erneuert würden. „Leute, die sich solches Material besorgen, wissen ganz genau, mit wem sie es zu tun haben. Die benutzen diese Sticker als Zeichen eines territorialen Machtanspruchs, um zu zeigen: das ist unser Viertel, unser Revier“.

Von Marie-Sophie Adeoso

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