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Das Äußere zählt – aber auch, was dahinter lebte. Die Fassade an der Ecke Grüneburgweg und Körnerwiese.
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Das Äußere zählt – aber auch, was dahinter lebte. Die Fassade an der Ecke Grüneburgweg und Körnerwiese.

Tierschutz

Frankfurt-Westend: Drama um eingesperrte Spatzen

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Eine Gerüstbaufirma trennt die Küken mit einem Netz von ihren Eltern. Einige Tiere verenden. Die Untere Naturschutzbehörde schreitet ein.

Frankfurt - Die Nachricht traf am Montagabend (30.08.2021) ein: Im Westend habe sich ein Vogeldrama abgespielt. Viele Spatzen seien ums Leben gekommen, weil eine Baufirma zwecks Fassadensanierung ein Gerüst habe aufstellen lassen, mit einem dichten Netz davor, zum Schutz der Umgebung.

Das Netz wird den Spatzen schließlich zum Verhängnis – allerdings schon im Juli, wie sich im Zuge der Recherchen herausstellt. Aber der Reihe nach.

Frankfurt: Spatzen-Drama im Westend

Samstag, 10. Juli: Im Grüneburgweg ist etwas nicht in Ordnung. Viele der Sperlinge, die die Gegend „in Wolken“ bevölkern, wie eine Leserin schreibt, und die bei den Nachbarn wegen ihrer Lebhaftigkeit beliebt sind, flattern aufgeregt um das Baugerüst am Gebäude mit dem Rewe-Markt, Ecke Körnerwiese. Bald ist klar: Da sind Nester in der Fassade. Darin rufen die Küken, und von draußen rufen die Elternvögel. Das Netz trennt sie.

Noch am Samstag informieren Anwohner:innen die Polizei und den Tierschutz. Küken springen offenbar verzweifelt aus den Nestern, um zu den Eltern zu gelangen. Anwohnerin Tanja D. (sie möchte nicht mit ihrem vollen Namen zitiert werden) beobachtet, wie auch in der Folge mehrere Küken auf der Straße landen. Als eine der ersten ist Doris Winkel vom Vorstand der Mauerseglerklinik vor Ort. Sie rettet ein Spatzenkind und bringt es in die Offenbacher Wildtierhilfe – geborgen in ihrer FFP2- Schutzmaske.

Am Montag schaut sich eine Abordnung der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) beim Umweltamt die Lage an. „Wir haben zu dem Zeitpunkt noch drei tote Vögel gefunden“, sagt Leiter Volker Rothenburger. Der Bauträger wird aufgefordert, das Netz sofort abzuhängen. Ein Gutachter kommt in den Grüneburgweg. Er registriert, wie die Jungvögel flügge werden und die Spatzenfamilien nach und nach das Gebäude verlassen. „Als alle jungen Spatzen ausgeflogen waren, haben wir unsere Zustimmung gegeben, das Netz wieder zu schließen“, sagt Rothenburger. „Das ist das übliche Verfahren. Nach Absprache mit uns können solche Arbeiten im Winter ausgeführt werden.“

Spatzen-Drama im Westend sorgt für Ärger

Seit Montag ist das Gerüst wieder vernetzt. Am Dienstag sind keine Vögel in der Nähe. Werden sie im Frühjahr zurückkehren? „Davon ist auszugehen“, sagt der UNB-Chef. „Sie haben sich angesiedelt, weil das Nahrungsangebot gut ist.“ Auch das Wohnungsangebot wird künftig gut, sogar besser sein: Die Nistplätze, die bei der Sanierung wegfallen, muss der Bauträger ersetzen – in doppelter Zahl. Über weitere Sanktionen, etwa ein Bußgeldverfahren, entscheidet die Behörde, wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind.

Vogelschützer ärgern sich darüber, dass bei Sanierungen immer noch die Gebäudebrüter vergessen werden. „Anzustreben ist eine Regelung, dass vor einer Baumaßnahme ein Gutachter nach Nestern schaut“, sagt Ingolf Grabow, der schon unzählige Nistplätze in Frankfurt und Umgebung eingebaut hat. Es gebe aber auch Dachdecker, die von sich aus auf Nester hinweisen und an einer Lösung mitarbeiten.

Der Geschäftsführer der Gerüstbaufirma, die die Spatzenküken am Grüneburgweg mit dem Netz einsperrte, sagte auf FR-Anfrage, es sei Sache des Auftraggebers, also des Bauträgers, nach gefährdeten Nistplätzen zu sehen: „Wir sind dazu nicht verpflichtet.“ Wenn den Arbeitern ein Nest auffalle, werde das natürlich den Behörden gemeldet. Im Grüneburgweg fiel ihnen offenbar nichts auf. (Thomas Stillbauer)

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