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Blick auf die Taunusstraße, Ecke Elbestraße.

Drogenszene im Bahnhofsviertel

Frankfurt wertet neues Vorgehen gegen Drogenszene aus

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Seit August geht die Stadt stärker gegen die Drogenszene im Bahnhofsviertel vor und will nun Bilanz ziehen. In einem Internet-Video kommen Kritiker zu Wort.

Ein halbes Jahr nach dem Beginn einer „konzertierten Aktion“ zur Befriedung der Drogenszene im Frankfurter Bahnhofsviertel will das federführende Gesundheitsdezernat eine erste Auswertung der Maßnahme vorlegen. Wie eine Sprecherin von Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) der Frankfurter Rundschau sagte, sollen Mitte Februar erstmals Zahlen zu dem neuen Vorgehen präsentiert werden.

Eine Auswertung der im August vergangenen Jahres begonnenen Aktion war bereits mehrfach angekündigt, aber immer wieder verschoben worden. Zunächst hatte es vom Gesundheitsdezernat geheißen, man wolle schon wenige Wochen nach Beginn des neuen Vorgehens im Stadtteil eine erste Analyse vorlegen.

Mitte August hatte das Dezernat mit der Polizei, dem Ordnungsamt, der „Stabsstelle Sauberes Frankfurt“ und den Drogeneinrichtungen im Bahnhofsviertel begonnen, einen schärferen Umgang mit Drogenabhängigen im Stadtteil umzusetzen. Die Aktion zielt vor allem darauf, dass Süchtige sich nicht in Gruppen etwa in der Elbestraße, der Niddastraße oder der Taunusstraße aufhalten und ihre Drogen nicht auf der Straße, sondern nur in den dafür vorgesehenen Druckräumen nehmen. Die Sozialarbeiter der Hilfseinrichtungen sollen verstärkt auf die Einhaltung dieser Regeln hinwirken, sonst kommt die Polizei.

Der Film

Das kurze Video vom „Medienkollektiv Frankfurt“ ist kostenlos im Internet zu sehen: www.medienkollektivfrankfurt.net

Gesundheitsdezernent Majer begründet das neue Vorgehen damit, dass es zuletzt immer mehr Beschwerden von Anwohnern und Gewerbetreibenden gegeben habe. Die konzertierte Aktion ziele nicht auf eine Vertreibung von Drogenabhängigen, sondern auf ein verträgliches Miteinander im Stadtteil. Kurz nach Beginn war der Aktion teils deutliche Kritik entgegengeschlagen: Mehrere Sozialarbeiter hatten der FR etwa gesagt, sie hätten Sorge, für ordnungspolitische Ziele eingespannt zu werden.

„Wohin sollen wir denn?“

Das alternative Wohnprojekt „Nika“ hatte Anfang September sogar eine Kundgebung gegen das neue Vorgehen organisiert, auf der es hieß, die Stadt setze auf Vertreibung von Abhängigen und berücksichtige vor allem die Interessen von Immobilieninvestoren.

Unterdessen hat das „Medienkollektiv Frankfurt“ in der vergangenen Woche ein neun Minuten langes Video zur Kritik der konzertierten Aktion veröffentlicht. Der Zusammenschluss von Aktivisten arbeitet ehrenamtlich und dokumentiert sonst vor allem soziale Proteste und Demonstrationen. Im Film der Gruppe, der auch auf Youtube zu sehen ist, kommen Kritikerinnen und Kritiker des städtischen Vorgehens zu Wort. Der Frankfurter Philosoph Daniel Loick sagt etwa, die Aktion solle Gewerbetreibenden und gut situierten Anwohnern signalisieren, dass im Bahnhofsviertel etwas getan werde, während Drogenkranke immer weiter aus dem Stadtbild verdrängt würden.

Außerdem kommen in dem Film zwei Drogenabhängige vor, die berichten, sie fühlten sich von der Polizei durch permanente Kontrollen verstärkt schikaniert und aus dem Viertel vertrieben. „Am besten sollen wir gar nicht hier rauchen, sondern wir sollen verschwinden“, sagt eine Frau, deren Gesicht im Film unkenntlich gemacht ist. „Aber wohin sollen wir denn?“

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