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Die Frage ist, ob sich die Blaumeisen-Population vom Meisensterben erholt hat. Foto: Nabu, Frank Derer, Stunde der Wintervögel
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Die Frage ist, ob sich die Blaumeisen-Population vom Meisensterben erholt hat.

Tiere

Wer fliegt da im Garten oder durch den Park?

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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Der Naturschutzbund Nabu bittet am Wochenende wieder zur Zählung „Stunde der Wintervögel“. Alle können mitmachen und so zur Natur finden.

Familie Broder ist ein bisschen traurig. Die Meisen sind fort. Im Frühling sind sie nicht zurückgekehrt. Im Sommer nicht und auch nicht im Winter. Im Vorjahr hatten sie noch bei Broders genistet. Eines der Jungen ist bei den ersten Flugversuchen aber an die Nachbarskatze geraten. Nun fragt sich die Menschenfamilie: Meiden die Meisen den Garten als zu gefährlich oder sind sie der Epidemie zum Opfer gefallen?

Beim sogenannten Meisensterben im Frühjahr 2020 hat sich in Hessen die Population erheblich verringert. Ein Bakterium hatte die Epidemie ausgelöst, sagt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Hessen. Viele besorgte Vogelfreunde hätten sich daraufhin gemeldet. „Wir hoffen, dass die Meisen die Verluste durch ihre Bruten im Sommer zumindest teilweise ausgleichen konnten.“

Auch die Amseln haben mit einer Virus-Erkranknung zu kämpfen.

So wartet der Nabu dieses Jahr besonders gespannt auf die Ergebnisse der Winterstudie aus den Gärten der Region. Von Freitag, 8., bis Sonntag, 10. Januar, sollen Naturfreunde eine Stunde lang Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zählen und melden. „Stunde der Wintervögel“ nennt der Nabu seine Mitmachaktion.

Meistens belegt die Blaumeise den dritten Platz. Nun stellt sich die Frage, ob der Effekt der Epidemie noch zu spüren ist und wie sich der Blaumeisenbestand über die nächsten Jahre einpendelt. Die Amseln, die 2018 ein Virus hart getroffen hatte, haben sich etwas erholt. Die Population verbleibt auf niedrigem Niveau, scheint sich aber zu berappeln, berichtet Kathrin Kaltwaßer, Referentin für Umweltkommunikation beim Nabu. Platz eins bei der Zählung hat übrigens der Haussperling inne, auf Platz zwei liegt die Kohlmeise.

Stunde der Wintervögel

Zur Teilnahme eine Stunde lang die Vögel am Futterplatz beobachten, von einem ruhigen Ort aus, im Garten, vom Balkon oder Fenster oder im Park zählen und dem Naturschutzbund (Nabu) melden. Von jeder Art die höchste Anzahl notieren, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu beobachten ist.

Die Beobachtungen können unter www.nabu.de/onlinemeldung bis zum 18. Januar gemeldet werden. Zudem ist für telefonische Meldungen am 9. und 10. Januar jeweils von 10 bis 18 Uhr die kostenlose Rufnummer 0800-1157-115 geschaltet.

Auch über die Nabu-App „Vogelwelt“ (www.nabu.de/vogelwelt) kann gemeldet werden.

Familie Broder zählt auf jeden Fall mit. Sie hat ohnehin stets ein Fernglas griffbereit. Gartenrotschwanz, Bachstelze, Kleiber, waren bislang die aufregendsten Gartengäste. „Das ist sehr meditativ“, sagt Nicole Broder. „Wir beobachten die, die beobachten uns.“ Wobei sich die Einsätze etwas verringert haben seitdem sie in ein Neubaugebiet am Rande von Mainz gezogen ist.

Viele Nachbarn hätten bei der Gartenbegrünung auf schnell wachsenden Sichtschutz gesetzt, auf Kirschlorbeer oder Bambus, sagt Nicole Broder. Auch der Buchsbaum ist im Viertel heimisch geworden. Noch dazu grenzt das Gebiet an Felder mit intensiver Landwirtschaft, auch nicht gerade ein Biotop für Singvögel. Die Artenvielfalt bei den heimischen Singvögeln gehe verloren. „Es ist wichtig, das zu dokumentieren“, sagt Broder.

Der Nabu empfiehlt, lieber naturnahe Gärten anzulegen, in denen Insekten zu finden sind, die wiederum Nahrung der Vögel sind. Die brauchen zudem Rückzugsmöglichkeiten und Sichtschutz, englischen Rasen mögen sie nicht.

Familie Broder gibt sich Mühe. Sie hat einen Apfelbaum gesetzt, eine naturnahe Hecke anlegen lassen. Zwergholunder, Wildrose, Felsenbirne, Buche, Schmetterlingsflieder. Broder lacht. Sichtschutz bietet die Hecke kaum, gewachsen ist sie lange Zeit auch nicht. Jetzt, nach drei Jahren, berappeln sich die Sträucher langsam.

Bei der Wintervögel-Zählung im Januar 2020 haben sich in Hessen mehr als 10 600 Menschen beteiligt. Insgesamt gingen Meldungen aus mehr als 7480 Gärten und Parks mit 277 001 gezählten Vögeln ein. Im Mittelpunkt der Aktion stehen vertraute und oft weit verbreitete Vogelarten wie Meisen, Finken, Rotkehlchen und Spatzen. Wer sich unsicher bei der Bestimmung ist, kann vorher die Nabu-App studieren, empfiehlt Kathrin Kaltwaßer.

Einfach von jeder Art die höchste Anzahl notieren, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu beobachten ist.

Alle können mithelfen, wirbt Landesvorsitzender Gerhard Eppler, eine „detaillierte Momentaufnahme der Vogelwelt in unseren Städten und Dörfern zu ermöglichen. Ganz einfach durch eine Stunde Beobachtung von der eigenen Wohnung, dem Garten oder Balkon aus.“

Vögel zu beobachten, macht glücklich, sagt Eppler. Zumindest legt das eine Studie nahe, die das Senckenberg-Institut mit dem Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung und der Universität Kiel erarbeitet hat. Demnach sollen zehn Prozent mehr Vögel im Umfeld eines Menschen die Zufriedenheit genauso steigern, wie ein vergleichbarer Einkommenszuwachs.

So finden immer mehr Menschen über Vögel zurück zur Natur, hat Kathrin Kaltwaßer erfreut beobachtet. Wer füttert, sollte auf die Hygiene achten, empfiehlt sie noch. Geschlossene Futtersäulen verwenden und öfter mal reinigen. Dort, wo viele Vögel zusammenkommen, können sich sonst Krankheiten schnell verbreiten.

www.stundederwintervoegel.de

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