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Auf dem Weg nach Seckbach macht die Fahrradstaffel mehrfach halt, um Falschparken zu ahnden.
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Auf dem Weg nach Seckbach macht die Fahrradstaffel mehrfach halt, um Falschparken zu ahnden.

Mobilität

Frankfurt: Wer andere behindert, wird abgeschleppt

  • Florian Leclerc
    VonFlorian Leclerc
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Der neue Bußgeldkatalog ist in Kraft. Zeigt er schon Wirkung? Unterwegs mit der Fahrradstaffel der Verkehrspolizei in Frankfurt.

Auf ihrer Kontrollfahrt mit Pedelecs durch Frankfurt haben die Verkehrspolizisten Rainer Deckert und Richard Johannes Jacob am Dienstag in zwei Stunden vier Autos abschleppen lassen, Diskussionen geführt und auch mal ein Danke zu hören bekommen. Aber der Reihe nach.

Rainer Deckert und Richard Johannes Jacob holen die Pedelecs aus dem Keller der städtischen Verkehrspolizei in der Kurt-Schumacher-Straße 45. Die frühe Schicht beginnt eigentlich um 7 Uhr, die späte um 13.30 Uhr. Aber heute ist die Presse da. Los geht es um kurz nach 10 Uhr.

Die Verkehrspolizisten schieben die Pedelecs einige Meter über den Gehweg – sie wollen Vorbild sein. Dann fahren sie flott – die Pedelecs werden bis 25 Stundenkilometer von einem Motor unterstützt – in die Klingerstraße an der Ecke zur Zeil. Dort steht ein Subaru nah an einem Zebrastreifen. Richard Johannes Jacob, der Macher, legt das Maßband an. „1,26 Meter“, sagt er.

Rainer Deckert – er ist der Kommunikative – stellt fest: „Das ist ein klassischer Verstoß. Man muss fünf Meter vom Fußgängerüberweg entfernt parken.“ Um zu illustrieren, warum man fünf Meter entfernt parken muss, geht er in die Knie. Kinder, die etwa so groß seien wie er jetzt, sähen die Straße nicht, wenn ein Auto zu dicht am Fußgängerüberweg parke. Das Fahrzeug dort stehen zu lassen und ein Auge zuzudrücken, gehe nicht, sagt Deckert. „Was ist, wenn an dieser Stelle später ein Kind überfahren wird?“

Richard Johannes Jacob hat mittlerweile ein Smartphone herausgeholt, macht Fotos, tippt Daten ein, den Ort, den Tatbestand, die Zeit. Dann funkt er die Zentrale an und bestellt einen Abschleppdienst. Um 10.29 Uhr ist der Abschleppdienst verständigt. Um 10.49 Uhr ist er da.

Der Mann vom Abschleppdienst befestigt Krallen an den Reifen, lässt die Krantraverse übers Auto schweben, macht Gurte an den Krallen fest. Fünf Minuten später steht das Auto auf der Ladefläche. Die Kosten für Fahrzeughalterin oder -halter: 35 Euro für die Ordnungswidrigkeit, 66 Euro Verwaltungsgebühren und zwischen 200 und 300 Euro für das Abschleppen. Bei Letzterem legen sich weder Verkehrspolizei noch Abschleppdienst fest.

Der Abschleppdienst fährt weiter zur Eissporthalle, wo er das Auto abstellt. Es wird nicht das einzige bleiben. Rainer Deckert und Richard Johannes Jacob fahren über Zoo und Wittelsbacherallee nach Bornheim. Am Zoo parkt etwa ein halbes Dutzend Autos an einer Bushaltestelle. „Da kommt eine andere Streife vorbei, die kümmern sich darum“, sagt Deckert.

An der Dahlmannstraße, die auf die Wittelsbacherallee führt, findet sich die gleiche Situation wie an der Zeil. Ein Opel parkt zu dicht am Zebrastreifen. „61 Zentimeter“, misst Jacob. Es wird etwa 20 Minuten dauern, bis der Abschleppdienst kommt, und in der Zwischenzeit ergeben sich viele Gespräche zwischen den Verkehrspolizisten und Radfahrerinnen und Radfahrern.

Bußgeld: Der neue Katalog

Verstöße im Straßenverkehr werden mit dem neuen Bußgeldkatalog teurer. Wer verbotswidrig auf einem Geh- und Radweg, einem Schutzstreifen oder in zweiter Reihe parkt, zahlt eine Geldbuße von bis zu 110 Euro. Bei zusätzlicher Behinderung oder Gefährdung kann ein Punkt in Flensburg hinzukommen.

Wer unberechtigt auf einem Schwerbehindertenparkplatz oder auf einem Parkplatz für Carsharing oder Elektrofahrzeuge parkt, zahlt eine Geldbuße von 55 Euro. Wer rechtswidrig an engen oder unübersichtlichen Straßenstellen oder in einer scharfen Kurve parkt, zahlt 35 Euro. Für einen allgemeinen Halt- und Parkverstoß werden bis zu 25 Euro fällig. Der neue Bußgeldkatalog trat am 9. November in Kraft.

Wer keine Rettungsgasse bildet oder diese missbraucht, zahlt zwischen 200 und 320 Euro und bekommt einen Monat Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg. Auto-Posing mit Lärm- und Abgasbelästigung kostet bis zu 100 Euro. Lastwagen müssen bei Rechtsabbiegen Schrittgeschwindigkeit fahren, sonst kostet es 70 Euro.

Wer Auto fährt , muss schon seit vergangenem Jahr innerorts 1,50 Meter Abstand zu Radfahrerinnen und Radfahrern halten, außerorts zwei Meter. Werden Menschen auf dem Rad durch Autofahrer:innen beim Abbiegen gefährdet, wird ein Bußgeld von 140 Euro fällig – und ein Monat Fahrverbot. Eine Gefährdung durch plötzlich aufgerissene Autotüren kostet 40 Euro. Radfahrende dürfen nebeneinander auf der Straße fahren.

Detaillierte Angaben stehen unter dem Titel „Erste Verordnung zur Änderung der Bußgeldkatalog-Verordnung“ auf der Website www.bmvi.de fle

Über die Wittelsbacherallee führt nämlich eine Fußgängerfurt. Wer Rad fährt, muss absteigen und schieben. Wer aber steigt ab und schiebt? Erst mal niemand. „Ich komme vom Arzt“, sagt eine 70-Jährige zur Erklärung, warum sie ein gutes Stück gegen die Richtung des Radwegs gefahren ist und nun über die Fußgängerfurt will. „Warum fahren sie als Geisterfahrerin“, fragt Deckert zurück. Bei ihr und weiteren Radfahrerinnen und Radfahrern belässt es Deckert bei der Ermahnung.

Als der Opel abgeschleppt ist, wieder zur Eissporthalle, geht es weiter nach Bornheim. Eigentlich wollen Rainer Deckert und Richard Johannes Jacob nach Seckbach. Weit kommen sie aber nicht.

An der Ringelstraße, die auf die Saalburgallee führt, parken zwei Fahrzeuge auf einem getrennten Geh- und Radweg. Das kostet sogar 55 Euro Bußgeld plus Verwaltungskosten plus Abschleppgebühr. Als Rainer Deckert und Richard Johannes Jacob das Abschleppen in die Wege leiten, kommt ein Nachbar vorbei und fängt an zu diskutieren:

Der Gehweg sei doch breit genug. Er habe dort früher auch immer geparkt. Es gebe doch gar kein Schild, welches das Parken verbiete. Der Mann hat eine Rose auf die Hand tätowiert. Unterm Ohr lugt ein Tribal heraus. „Sie machen da einen Fehler!“, sagt er. „Wenn man damit vor Gericht ginge, bekäme man recht!“

Rainer Deckert, der Kommunikative, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Er hat 18 Jahre lang im Bergbau gearbeitet, weitere 15 Jahre in der Druckerei. Er weiß, wie man mit Leuten spricht.

Da vorn sei ein Schild, sagt er, ein blau-weißes Schild, getrennter Geh- und Radweg, das gelte bis zu nächsten Seitenstraße, und wenn man sich nicht sicher sei, ob man hier auf dem Gehweg parken dürfe, müsse man eben zu diesem Schild gehen. Er geht dann mit dem Nachbarn zum Schild.

„Was wäre denn, wenn nun jemand auf dem Rad vorbeikäme, und derjenige im Auto macht in dem Moment die Tür auf?“, fragt er. Auch würden Fußgängerinnen und Fußgänger behindert. Ganz abgesehen davon, dass der Opel-Transporter schwer sei, und der Gehweg sei nicht für schwere Fahrzeuge gemacht. Er gehe dann mal und „danke fürs Gespräch“, sagt der tätowierte Nachbar irgendwann.

Es gehöre zum Beruf dazu, solche Diskussionen zu führen, meint Deckert. Oft wäre die Stimmung gereizt – „nach dem Motto: Die wollen mir mein Auto wegnehmen“.

Es gibt aber auch andere Momente. Eine Frau kommt vorbei, fragt nach dem Weg und bedankt sich. Ein Mann hat ein Handy gefunden und gibt es bei Deckert ab. Der bringt es am Ende seiner Schicht ins Fundbüro.

Der Subaru wird zur Eissporthalle abgeschleppt.

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