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Das Frankfurter Gerichtszentrum (Symbolbild).

Prozess

Wenn der Vermieter zum Spanner wird

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Vermieter installiert Kamera, um eine Mieterin im Bad  beobachten zu können. Auf seinem Computer findet die Polizei Kinderpornos. 

Frank N. will am Donnerstagmorgen vor dem Amtsgericht nicht ohne seine Zustimmung gefilmt werden. Er möchte vermutlich auch nicht, dass jemand seine getragenen Unterhosen aus dem Wäschepuff stibitzt und daran schnuppert. Die wenigsten Menschen wollen so was. Und darum findet sich N. ja auch auf der Anklagebank wieder: wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs, Hausfriedensbruchs, Diebstahls und dem Besitz von Kinder- und Jugendpornografie.

Frank N. ist jetzt 67 Jahre alt und Elektroingenieur. Und Hausbesitzer und Vermieter. Als solcher vermietet er eine Wohnung an das Ehepaar D., die dort mit ihrer damals zweijährigen Tochter einziehen. Dummerweise verliebt sich der immer noch anderweitig verheiratete N. in Frau D., die sich aber nicht in ihn. Als Ersatzobjekt der Begierde greift sich der Vermieter in einem unbeobachteten Moment den Slip von Frau D., aber das allein wäre nicht so schlimm: es habe sich um ein bereits mehrfach getragenes Höschen gehandelt, sagt N.s Verteidiger, was den Sachwert erheblich mindere. Zudem habe es sich „um einen offenen Wäschekorb“ gehandelt, beteuert N.

Schwerer wiegt da schon die Kamera, die N. im Spätherbst 2017 unter dem Kinderbett installiert, während seine Mieter außer Haus sind, und die direkt auf das Frankfurter Bad gerichtet ist. Diese Kamera wird nun allerdings vom Ehepaar D. entdeckt, das wiederum selbst eine Kamera installiert, die den Vermieter schließlich überführt, als er seine Kamera wieder abbaut. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung finden die Ermittler auf N.s Computer dann noch mehr als 500 Kinder- und Jugendpornos.

Download aus Versehen

Vor Gericht gesteht N. die etwas peinliche Schlüpferaffäre sowie die Installation der Kamera. Diese aber habe ausschließlich den Zweck gehabt, die mehr als volljährige Frau D. bei der Morgentoilette zu filmen. Mit Kinderpornos habe er nichts am Hut, er habe schließlich „drei Töchter und einen Sohn großgezogen, da gibt es bei mir die totale Sperre“. Die Kinderpornos, mutmaßt er, müssten noch aus den frühen 90ern stammen, als das Internet und er noch jung und wild gewesen seien. Und da habe er wohl mal bei Google auf der Suche nach legaler Allerweltspornografie den Suchbegriff „Sexbilder“ eingegeben und – schwupps – aus Versehen ein paar Hundert Kinderpornos auf die Festplatte geladen bekommen, die er weder dort noch sonst wo hätte haben wollen.

Ein zünftiges Geständnis ist das nicht, und so sieht das Amtsgericht sich bemüßigt, mindestens einen weiteren Prozesstag anzuhängen, in dem ein Gutachter beurteilen soll, wie glaubwürdig N.s ungewollter Download ist. Außerdem soll auch das am Donnerstag nicht geladene Ehepaar D. seine Aussage machen. Die wohnen nach wie vor in N.s Wohnung. Seit dem unschönen Vorfall suchen sie wie die Wilden nach einer neuen Wohnung in Frankfurt, haben aber noch keine bezahlbare gefunden.

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