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Frankfurt: Wenn Kunst zur Heilung beiträgt

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Von: Steven Micksch

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Das Patientenbild zeigt: Manchmal steht die Welt Kopf. Universitätsklinikum Frankfurt.
Das Patientenbild zeigt: Manchmal steht die Welt Kopf. Universitätsklinikum Frankfurt. © Universitätsklinikum Frankfurt

Im Universitären Centrum für Tumorerkrankungen in Frankfurt gibt es neben den Krebstherapien auch Kunsttherapieangebote. Mit Pinsel oder Meißel sollen Erleichterung, Selbstreflexion und Hoffnung einhergehen.

Zwei blaue Erhebungen, die wie Berge aussehen, am unteren Bildrand; davor Grün und verschlungenes Rot. Das wirklich Auffällige an dem Kunstwerk aber sind die Fassaden der hohen Wohnhäuser. Lila, rot, grün und gelb leuchten sie – und: Sie stehen auf dem Kopf. Als wolle der Mensch, der es gemalt hat, damit sagen: So sieht meine Welt aus. Sie steht kopf.“ Das Gemälde ist eines von vielen, die in der Kunsttherapie des Universitären Centrums für Tumorerkrankungen (UCT) in Frankfurt entstanden sind.

Krebs ist eine der weltweit häufigsten Erkrankungen. Die Heilungschancen haben sich für verschiedene Krebsarten dank der Fortschritte in Chirurgie, Chemo- und Strahlentherapie und der Entwicklung von molekularen und Immuntherapien deutlich verbessert. Die Behandlung ist für viele Patientinnen und Patienten trotzdem immer noch mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Deshalb rücken auch unterstützende Angebote in den Fokus, die die Begleiterscheinungen der Krankheit und die Nebenwirkungen der eigentlichen Krebstherapie reduzieren.

„Die Kunsttherapie ist ein wichtiger Baustein unseres ganzheitlichen Versorgungskonzepts“, sagt Christian Brandts, Direktor des UCT. Angewandt werde die Kunsttherapie insbesondere in der Palliativmedizin und der Psychoonkologie.

Denn wenn Worte fehlen, helfe das kreative Gestalten den Betroffenen, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, die lebensbegrenzende Krankheit und schwierige Emotionen zu verarbeiten, sich bei Schmerzen und Luftnot zu entspannen oder auch zu reflektieren und neue Sichtweisen zu finden.

Spenden

Das UCT möchte die Kunsttherapie in Zukunft auch auf andere Stationen in der Onkologie ausweiten.

Die Anleitung und Begleitung durch die Kunsttherapeutinnen sowie das Arbeitsmaterial ist für die Teilnehmenden kostenlos.

Wie alle Angebote, die über die onkologische Regelversorgung durch die Krankenkassen hinausgehen, trägt sich auch die Kunsttherapie aus Spendenmitteln.

Uniklinikum Frankfurt, Stichwort: 85300028 Kunsttherapie, Spendenkonto: DE32 5005 0201 0000 3799 99, Kontakt: spende-uct@kgu.de, Tel. 069/630 184 678. mic

Zu Beginn des Jahres hat sich das Team des UCT vergrößert. Die Kunsttherapeutin Manuela Schilling wird vor allem die Palliativstation verstärken, wo sie die Patientinnen und Patienten je nach ihren individuellen Möglichkeiten am Bett mit Hilfe von Farben und unterschiedlichen Materialien kunsttherapeutisch begleitet.

„Jeder Tag ist anders, und jeder Mensch ist einzigartig. Wichtig ist, dass man sich ohne Berührungsängste und wertungsfrei auf sein Gegenüber einlassen kann“, beschreibt Manuela Schilling ihre Arbeit. Sie war zuvor elf Jahre in verschiedenen Bereichen wie der Familientherapie oder in Reha- und Akutkliniken tätig, wo ihr schwere Krankheit, Trauer und Verlust aus unterschiedlichen Perspektiven immer wieder begegneten. Wer sich als lebendig und schöpferisch erfahre, spüre häufig eine Entlastung, so Schilling.

Ihre Kollegin Beate Stein leitet die offene Kunsttherapie-Gruppe für ambulant behandelte onkologische Patientinnen und Patienten. Meist würden diese im Rahmen der psychoonkologischen Begleitung am Kurs teilnehmen.

Gerade bei Menschen, die mitten im Leben stehen, stelle eine Krebserkrankung vieles sicher Geglaubte plötzlich infrage. „Wir geben ihnen einen geschützten Raum, in dem sie diese Themen ausbreiten, anhand von Werkstoffen gestalten und dann neu bedenken können“, sagt Beate Stein.

Zuerst werde ein Thema von jedem Einzelnen malerisch oder gestalterisch bearbeitet. Dann werden die Werke gemeinsam in der Gruppe betrachtet und in gegenseitiger Achtung und Wertschätzung besprochen. „Gerade der Austausch in der Gruppe führt zu einer nachhaltigen Wirkung der Kunsttherapie“, betont die Kunsttherapeutin den Vorteil des Konzepts.

Künstlerische Vorerfahrung sei für die Teilnahme nicht erforderlich. Pinsel und Farbe oder auch Hammer und Meißel sind dabei Mittel zum Zweck: Es gehe darum, neue Fähigkeiten und Handlungsspielräume zu entwickeln sowie eigene Ressourcen zu entdecken.

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