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Frankfurt: Wenn die Müllabfuhr nur rückwärts lärmt

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Von: Thomas Stillbauer

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Linda Fritzenwanker fährt eine elektrische Proberunde mit Rosemarie Heilig.
Linda Fritzenwanker fährt eine elektrische Proberunde mit Rosemarie Heilig. © Monika Müller

Die FES testet ein Elektrofahrzeug, weil es Umwelt und Ohren schont. Wenn es die Prüfung besteht, kommen im Herbst mehr davon.

Man hört ihn. Es ist nicht so, wie wir uns das früher vorgestellt haben, wenn ein Cowboy und ein Indianer durch den Wald rennen: der Cowboy mit Riesenradau, Äste abbrechend, Pumas auf den Schwanz tretend, der Indianer völlig geräuschlos, wenn er nicht gerade dem Schrei einer wachsenden Gelberübe imitiert.

So ist es nicht. Den „eEconic“ hört man durchaus. Der alte Diesel ist lauter, der Cowboy, na klar, aber das neue Elektro-Müllauto macht ein Geräusch, das entfernt an einen Aufzug erinnert. Oder an einen Fön. Ein gewisses Piepen und Surren kommt bei langsamer Fahrt hinzu. Es dient der Sicherheit besonders der älteren Menschen. Niemand möchte gern von der Müllabfuhr über den Haufen gefahren werden, und sei sie noch so umweltfreundlich.

Das will sie jedenfalls werden: umwelt-, klimafreundlich, „enkeltauglich“, wie Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) am Freitag auf dem Innenhof der Frankfurter Abfallentsorgerin FES sagt. Gerade sei offenbar geworden, dass es nicht gelingen wird, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, sagt sie. „Es ist klar, wir müssen gemeinsam mehr tun, um CO2 einzusparen.“

Imbissbudenfreundlich

Dazu soll das vollelektrische Müllauto beitragen. Die FES hatte zuvor andere Modelle getestet, etwa das erdgas-elektrische „Silent Green“ oder ein Schweizer E-Modell. Keines, heißt es, vereinige die Vorzüge, die das Fahrzeug des FES-Kooperationspartners Mercedes-Benz mitbringe. Der „eEconic“ könne alles, was ein Müllauto können muss, und halte einen Arbeitstag ohne Aufladen durch, sagt Produktmanagerin Linda Fritzenwanker: „Die Fahrer können an der Currywurstbude ihres Vertrauens Pause machen und müssen an keine Ladestation.“

Überhaupt, das Personal: „Die Akzeptanz in der Belegschaft ist wichtig“, sagt FES-Geschäftsführer Dirk Remmert. Da geht es darum, dass das Auto aussieht wie der Vorgängerdiesel, dass es alle Müllsorten aufnimmt (Restmüll, Gelbe Tonne, Papier, Bio) und dass es sich angenehm fährt. Remmert: „Wir kämpfen um die Fahrer.“ Und um die Gesundheit anderer Verkehrsteilnehmer. Das Elektrogefährt habe komplette Rundumsicht durch Spiegel, Kameras, Monitor und Warnsensoren, die Alarm schlagen, wenn ein Fahrrad übersehen werden könnte.

Mindestens ein halbes Jahr wird die FES den „eEconic“ testen und bei Gefallen acht Stück kaufen; das wäre ein Zehntel der bisherigen Flotte. Die Serienproduktion soll im Sommer im Mercedes-Werk Wörth beginnen.

Eines könnte dann vorbei sein: dass man die Uhr nach der Müllabfuhr, sprich: nach ihrem Lärm stellen kann, wie Dezernentin Heilig witzelt. Es sei denn, der Laster fährt rückwärts. Dann piept er nach wie vor, dass man ihn noch drei Straßen weiter hört. „Der Gesetzgeber will es so“, sagt Linda Fritzenwanker. Über Kaufpreise wurde nicht gesprochen.

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