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Der traditionelle Trauermarsch zur Erinnerung an die AIDS-Toten am Welt-AIDS-Tag in Frankfurt im Hof der Peterskirche. 

Frankfurt

Frankfurt: Weniger Neuinfektionen mit HIV

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Ab Dezember startet die Aidshilfe Frankfurt die zweite Phase des Testprojekt S.A.M. Da hat man die Möglichkeit, sich unkompliziert Zuhause auf HIV, Chlamydien und Tripper zu tesen und diese per Post ans Labor zu schicken. Denn obwohl die Neuinfektionen mit HIV leicht zurückgegangen sind, gibt es noch keinen Grund aufzuatmen.

Die Neuinfektionen mit HIV sind deutschlandweit wie in Hessen leicht zurückgegangen. Trotzdem ist das kein Grund zur Erleichterung“, sagt Carsten Gehrig am Dienstag. Er ist der Fachbereichsleiter Psychosoziales und Prävention bei der Frankfurter Aids-Hilfe. Die vom Robert-Koch-Institut geschätzte Zahl der Neuinfektionen in Hessen für das Jahr 2018, die aktuell veröffentlicht wurden, liegt bei 190 Menschen, davon 150 Männer. Deutschlandweit gibt es 2400 Neuinfektionen, 200 weniger als noch 2017.

Die größte Risikogruppe sind, wie Gehrig sagt, weiterhin Männer, die Sex mit Männern haben. Auch hier seien die Zahlen leicht zurückgegangen. Grund sei, dass es gerade in Frankfurt ein breites Angebot gebe, sich testen zu lassen. Seit September gibt es beispielsweise das Hifsangebot „Checkpoint Frankfurt“. Ohne Angst vor einer Stigmatisierung haben zu müssen und selbst, wenn man keine Krankenversicherungskarte besitzt, kann man sich auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen testen lassen.

„Aber es gibt trotz allem noch Gruppen, die wir schwer mit unserem Testangebot erreichen.“ Das seien Menschen im ländlichen Raum, die nur einen eingeschränkten Zugang zum Testangebot hätten. Oder auch homosexuelle Männer, die Drogen zur sexuellen Ektase einnähmen.

„Ab Dezember gehen wir mit dem Testprojekt S.A.M in die zweite Phase. Da hat man die Möglichkeit, sich unkompliziert zu Hause auf HIV, Chlamydien und Tripper zu testen“, berichtet Gehrig. In Bayern sei das Projekt seit anderthalb Jahren erfolgreich. Nun gebe es sechs weitere Städte deutschlandweit. Frankfurt sei die einzige Anlaufstelle in Hessen. S.A.M steht für Sampling, das englische Wort für Probeentnahme.

Ein Testpaket kostet im Abo 32 Euro. „Das ist viel günstiger, als wenn man sich beim Arzt für 80 oder 90 Euro testen lässt. Das können sich viele nicht leisten“, betont Gehrig. Für den Heimtest muss man sich online registrieren (https://samtest.de/). Dann entnimmt man eine kleine Menge Blut aus der Fingerkuppe, macht Abstriche mit Wattestäbchen und eine Urinprobe. All das schickt man per Post zum Labor. „Die Testergebnisse kommen per SMS. Wenn der Test positiv ausfällt, bekommt man die Nachricht, dass man uns anrufen soll. Die Ergebnisse teilen wir am Telefon mit.“

Bei den Drogennutzern und -nutzerinnen sei weiterhin ein Anstieg der Neuinfektionen zu erkennen. Dies wäre vermeidbar, wenn es eine Vergabe von sauberen Spritzen in Haftanstalten geben würde. Ein großes Problem sei weiterhin das Thema Stigmatisierung. Christian Setzepfandt, Vorstand der Aids-Hilfe Frankfurt, sagt: „Uns haben HIV-Infizierte berichtet, dass sie bei Zahnärzten oft als Letzte drankämen, und es gab sogar den Fall, dass die Mitarbeiter sie in Ganzkörperanzügen behandelten. Beim Thema Ausgrenzung gibt es noch dicke Bretter zu bohren.“ Mit dem Projekt „Netwerk +“ will die Aids-Hilfe 2020 auch Ärzte aufklären. „Manche Ärzte haben den HIV-Stand von vor zehn Jahren“, sagt Gehrig.

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