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Frankfurt: Weniger Bechsteinfledermäuse

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Von: Florian Leclerc

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Im Fechenheimer Wald stehen zahlreiche Baumhäuser der Waldbesetzer:innen. Foto: Monika Müller
Im Fechenheimer Wald stehen zahlreiche Baumhäuser der Waldbesetzer:innen. Foto: Monika Müller © Monika Müller

Die Population der geschützten Art im Fechenheimer Wald nimmt ab. Das Bündnis Verkehrswende fordert den Erhalt der Population - im Fechenheimer Wald dürfe nicht gerodet werden.

Im Fechenheimer Wald gibt es heute weniger geschützte Bechsteinfledermäuse als in den Jahren zuvor. In der sogenannten Westkolonie westlich der Vilbeler Landstraße gab es 2021 noch 17 erwachsene Weibchen. 2019 wurden 23 Exemplare gezählt. 2010 waren es 29.

Darauf weist das Bündnis Verkehrswende Frankfurt in einem Schreiben an das hessische Verkehrsministerium hin. Die Grundlage dafür bildet der Bericht „Monitoring Bechsteinfledermaus 2021“, der im Auftrag der Autobahngesellschaft des Bundes entstanden ist. Die FR konnte den Bericht einsehen. In der sogenannten Ostkolonie blieb die Zahl der Tiere demnach mit 24 adulten Weibchen konstant.

Westkolonie schrumpft

Bezüglich der Westkolonie sei fraglich, ob die Vorkehrungen zum Erhalt der Population Wirkung zeigten, sagt Willi Loose vom Verkehrswendebündnis. „Die Nistkästen, die außerhalb des Rodungsgebiets aufgehängt wurden, sind nicht bewohnt.“ Das Jagdgebiet an der Streuobstwiese am Sausee fliege die Bechsteinfledermaus nicht an. Die Überflughilfen, also Bäume in Trögen an der Kreuzung Borsigallee, Wächtersbacher Straße und am Erlenbruch seien durch den Hitzesommer stark mitgenommen. „Die im Planfeststellungsverfahren festgelegten Maßnahmen wirken nicht in der erwünschten Form oder sind unzureichend umgesetzt“, sagt Loose.

Im Fechenheimer Wald soll nach Informationen des Bündnisses im November die Rodung für den Ausbau der Autobahn 66 beginnen. „Betroffen wären etwa 1000 große und gesunde Bäume, davon 380 einzeln stehende Bäume am Erlenbruch und am Teufelsbruch“, sagt Loose. Die Rodungsfläche im Fechenheimer Wald ist zweieinhalb Hektar groß. Zwischen der neuen Anschlussstelle Borsigallee und dem Autobahndreieck Erlenbruch will die Autobahngesellschaft des Bundes 2,2 Kilometer Autobahn bauen, die Hälfte davon im Riederwaldtunnel.

Aktionen

Aktivist:innen wollen am Donnerstag, 15. September, in der Frankfurter Innenstadt auf den geschützten Käfer Heldbock im Fechenheimer Wald aufmerksam machen.

Das Bündnis Wald statt Asphalt plant am Samstag, 17. September, gegen 10 Uhr eine Besetzung der Autobahn 66 nahe der Borsigallee. Am Samstag und Sonntag sind um 14 Uhr Spaziergänge im Fechenheimer Wald geplant. fle

„Wir wollen, dass es erst gar nicht zur Rodung kommt“, sagen Aktivistinnen und Aktivisten, die den Fechenheimer Wald besetzt halten. Sie hatten über einen längeren Zeitraum die Tiere dokumentiert, die im Wald leben. Den geschützten Käfer Heldbock, auch Großer Eichenbock oder Riesenbock genannt, hatten sie bei der Ablage von Eiern gefilmt. „Es dauert drei bis fünf Jahre, bis sich aus den Eiern Larven entwickeln, die dann schlüpfen“, sagte eine Aktivistin, die vermummt blieb. Weder dürfe in dieser Zeit der Wald gerodet werden noch in der Zeit danach, weil Käfer weitere Eier legten. Das hessische Verkehrsministerium, die Autobahngesellschaft und die Obere Naturschutzbehörde in Hessen seien auf die Situation aufmerksam gemacht worden.

Aus Sicht des Bündnisses Verkehrswende löst ein Ausbau der A66 und A661 im Frankfurter Osten die Verkehrsprobleme der Stadt nicht. Durch den Ausbau der A66 nehme der Verkehr auf der Straße am Erlenbruch nur um ein Drittel ab. Dafür kämen aber 108 000 Fahrzeuge auf dem Autobahnabschnitt hinzu. Der Verkehr steige auf den Stadtstraßen westlich der A66 und der A661 in Richtung Innenstadt.

Der Autobahnausbau stehe dem Ziel der Klimaneutralität in Frankfurt bis 2035 entgegen.

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