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Nur Erstimpfungen sind ohne Anmeldung möglich. Leute, die ihren Zweittermin umbuchen wollten, wurden weggeschickt.
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Nur Erstimpfungen sind ohne Anmeldung möglich. Leute, die ihren Zweittermin umbuchen wollten, wurden weggeschickt.

Impfen in Frankfurt

Frankfurt: Wenig Andrang im Impfzentrum trotz Spontan-Impfung

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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Menschen ab 16 können sich seit Mittwoch ohne vorheriger Terminabsprache in der Frankfurter Festhalle impfen lassen. Aber noch ist der Zulauf überschaubar. Dabei ist genug Impfstoff da.

Unweit des Frankfurter Impfzentrums hängt in der Damentoilette des Einkaufszentrums Skyline Plaza ein Plakat von Fußballstar Emre Can mit Pflaster auf dem Oberarm und seinem Zitat: „Impfung? Da spiele ich mit.“ Der Satz steht da auch noch mal in türkischer Sprache.

Der gebürtige Frankfurter ist eines der prominenten Gesichter, die die Menschen zur Corona-Schutzimpfung motivieren sollen. Doch die Schlange vor dem Impfzentrum gegenüber dem Skyline Plaza ist am Mittwochmorgen zunächst überschaubar. Es ist der erste Tag, an dem sich alle ab 16 Jahren ohne Termin zwischen 9 und 18 Uhr am Eingang Süd anstellen und in der Festhalle eine Erstimpfung bekommen können. In den ersten zwei Stunden lassen sich spontan 72 Menschen impfen. „Unsere Hoffnung war höher“, sagt Michael Heiland vom Frankfurter Gesundheitsamt, der als Organisator der Stadt vor Ort ist. Neben ihm im Büro in der Festhalle sitzt Sebastian Gentili, Leiter des DRK-Impfzentrums. „Wir hoffen, dass abends und am Wochenende mehr Menschen kommen werden, dass es sich mehr herumspricht. Mit diesem unbürokratischen Impfangebot wollen wir die Menschen ansprechen, die wir bislang leider nicht erreicht haben. Also diejenigen, für die der Zugang zur Terminvereinbarung beispielsweise aus sprachlichen Gründen zu schwierig war“, sagt Gentili.

„Ich will Biontech, weil der Stoff so einen guten Ruf hat“, sagt eine Frau

Aber nicht nur die Sprache war für viele bislang ein Hindernis. Eine 65-jährige Frankfurterin, die sich kurz vor Öffnung um 9 Uhr angestellt hat und 45 Minuten später reindarf, sagt: „Ich finde es toll, dass die Impfung jetzt so unkompliziert möglich ist. Davor hatte ich keine Lust auf dieses Anmeldeprozedere.“ Am Kassenhäuschen bekommt sie auch gleich den Termin für ihre Zweitimpfung. Sie muss lediglich ihren Impfpass, Personalausweis und die Krankenkassenkarte vorlegen. „Ich durfte mir auch aussuchen, mit was ich geimpft werden will. Ich will Biontech, weil der Stoff so einen guten Ruf hat“, sagt sie.

Ein Herr vom Security-Team achtet nicht nur darauf, dass die Menschen Maske tragen und den Abstand von 1,5 Metern in der Schlange einhalten, sondern fragt auch: „Welche Impfung möchten Sie? Biontech, Moderna oder den Einmalimpfstoff Johnson & Johnson? Wir haben alles außer Sputnik.“ Er lacht. Wer wolle, könne auch Astrazeneca bekommen. Wer sich für Johnson & Johnson entscheidet, bekommt eine grüne Durchlaufkarte, darf an der Schlange vorbeigehen, muss also gar nicht warten. Denn bei Johnson & Johnson muss man keinen Zweittermin vereinbaren. Heiland vom Gesundheitsamt erzählt, es hätten sich bislang mehr Leute für Johnson & Johnson entschieden, als sie gedacht hätten. „Aber bislang wählten die meisten Biontech.“

„Ich habe keine Lust mehr, mich für Urlaube oder Restaurantbesuche jedes Mal testen zu lassen.“

Impfstoff sei genug da. Auffallend viele junge Leute stehen an. Eine 18-Jährige sagt: „Ich mache es nicht nur, um mich zu schützen, sondern für die Gemeinschaft. Ich will niemanden anstecken, und ich will auch keinen weiteren Lockdown. Und die Inzidenzzahlen steigen ja wieder.“ Außerdem würde der digitale Impfpass ihren Alltag erleichtern. „Ich habe keine Lust mehr, mich für Urlaube oder Restaurantbesuche jedes Mal testen zu lassen.“

Eine 26-jährige Studentin erzählt: „Ich hatte die ganze Zeit keinen Termin bekommen. Und vor einem Jahr hatte ich Corona, und mir ging es monatelang sehr schlecht. Das möchte ich nicht noch mal erleben. Die Impfung schützt vor einem schweren Verlauf, deshalb bin ich gleich hergekommen.“

„Ich will meinen Eltern und allen Verschwörungstheoretikern beweisen, dass der Mythos, dass die Impfung einen tötet, falsch ist.“

Ein 16-Jähriger ist mit seiner Mutter hier. „Er durfte selbst entscheiden, egal wie, ich hätte ihn unterstützt“, sagt die Mutter. Da sie sich unsicher gewesen sei, ob ihre Einverständniserklärung allein reiche, sei sie lieber mitgekommen. Der 16-Jährige sagt: „Ich mache es, weil ich mich mit der Impfung sicherer fühle. Gerade wenn ich nach den Ferien wieder in die Schule gehe.“ Ein gebürtiger Südafrikaner sagt: „Ich will meinen Eltern und allen Verschwörungstheoretikern beweisen, dass der Mythos, dass die Impfung einen tötet, falsch ist. Je mehr Leute sich endlich impfen lassen, desto eher bekommen wir unser normales Leben zurück.“ So der Chemiker.

Bis zum 30. September gilt das Impfangebot ohne Terminvereinbarung, danach schließen die Impfzentren. „Wir als Stadt planen, für die nächsten Wochen auch mehr mobile Impfteams in bestimmte Stadtteile zu schicken. Wir müssen mehr zu den Leuten raus“, sagt Heiland vom Gesundheitsamt. Auffallend sei, dass sich die Situation in den vergangenen drei Wochen im Impfzentrum sehr verändert habe. Das Problem sei weniger, dass die Leute nicht zur Zweitimpfung kämen, sondern sich nicht mehr zur Erstimpfung anmeldeten.

280 Menschen lassen sich ohne Termin am Mittwoch in der Frankfurter Festhalle impfen

„Am Dienstag hatten wir 2500 Impfungen. 50 Prozent der Termine werden momentan nicht wahrgenommen“, so Heiland. Am Mittwoch sind, wie das DRK am Abend mitteilt, 280 Menschen in der Festhalle ohne Termin geimpft worden.

Ob künftig wie bereits in anderen Städten und Bundesländern auch Kinder ab 12 Jahren spontan geimpft werden könnten, werde intensiv mit dem DRK überlegt. Bei Kindern müsse aber anders geplant werden. Ein Arztgespräch sei ein Muss. Vorrangig sei die Impfung der Zwölf- bis 16-Jährigen durch die Kinder- und Hausärzt:innen vorgesehen, da diese das Risikoprofil am besten kennen würden. Momentan empfiehlt die Ständige Impfkommission die Impfung nicht für gesunde Kinder ab zwölf Jahren.

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