1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Weiter Aufregung um Bahnhofsviertelnacht

Erstellt: Aktualisiert:

Von: George Grodensky

Kommentare

Tanz bei der Bahnhofsviertelnacht 2018.
Tanz bei der Bahnhofsviertelnacht 2018. © Oeser

Jusos fordern Variante in kleinerer Form. Gewerbeverein denkt über eigenes Fest nach.

Die Absage der Bahnhofsviertelnacht zieht Kreise. „Es ist eines der urbansten Feste, die Frankfurt zu bieten hat und mehr als bedauerlich, wenn es jetzt nicht stattfinden kann“, sagt etwa Michael Müller, kulturpolitischer Sprecher der Linken im Römer. Die Argumente des Citymarketings wirken auf Müller „vorgeschoben“. Stadt und Wirtschaftsdezernentin müssten sich fragen lassen, „wie es zu dieser Pleite kommen konnte“.

Die Frankfurter Jusos sind ebenfalls empört. Die Absage lasse nur den einen Schluss zu: Die Bahnhofsviertelnacht habe für die Stadt keine Priorität, sagt Lukas Schneider. Andere Großveranstaltungen, wie der JP-Morgan-Lauf, das Museumsuferfest oder das Apfelweinfestival, seien möglich. Dabei sei die Bahnhofsviertelnacht das wertvollere Fest, finden die Jusos. Es spiegele die Vielfalt und Urbanität des Quartiers wider und gewähre Einblicke in die Organisationen und Einrichtungen dort. „Für Frankfurt ist eine solche Veranstaltung ein großer Gewinn“, sagt Juso-Sprecherin Karla Alpers.

Nun sende die Stadt das „fatale Signal“, dass ihr Geld wichtiger sei als Werte. Darum habe sie mit der Planung von anderen Events früher begonnen. „Die bringen mehr Geld und sind der Stadt daher wichtiger“, sagt Juso-Sprecher Paul Lüber.

Den großen Wert der Bahnhofsviertelnacht betonen auch die verhinderten Veranstalter, das Citymarketing und die städtische Tourismus GmbH. Eben deswegen die Absage. Bis April hätten alle Veranstaltungen unter Coronavorbehalt gestanden. „Die verbleibende Zeit erlaubt es nicht, ein Fest zu organisieren, das der Pluralität und Vielfalt des Bahnhofsviertels gerecht wird“, argumentiert das Citymarketing.

Auch Thomas Feda von der Tourismus GmbH erinnert an den eigentlichen Gedanken hinter der Nacht: Das Viertel zeigen, wie es ist. Rau und vielfältig. Die Vereine und Institutionen sollen sich präsentieren. „Attac, Geschäftsleute, Hotels, die Deutsche Vermögensberatung, auch die Laufhäuser“, zählt Feda auf. „Es ist kein Straßenfest.“

Gleichwohl hat sich die Nacht wegen des großen Andrangs zu einer Großveranstaltung entwickelt, was sie zur besonderen Herausforderung mache. 17 Straßen müsse er sperren lassen, ein umfangreiches Sicherheitskonzept erstellen. Große Gegensätze prallten aufeinander. „Das ist viel Verantwortung, das zu organisieren.“

Den finanziellen Aspekt, den die Jusos anführen, möchte Feda nicht kleinreden. Die Stadt organisiere die Nacht seit jeher „ohne Refinanzierung“, also ohne Einnahmen. Da gehe es um einen sechsstelligen Betrag, „zwischen 100 000 und 500 000 Euro“, sagt Feda. Geld, das einfach an das Viertel gehe, „um es zu pushen“. Anders als bei anderen Festen gibt es keine Standkonzessionen, also keine Einnahmen. Nur die lokale Gastronomie soll profitieren. Keineswegs bedeute die Absage, dass die Stadt das Fest abschaffen wolle. Da verwehrt sich Feda energisch. Von Herzblut spricht er.

Derweil bringt der Vorsitzende des örtlichen Gewerbevereins, Nazim Alemdar (Inhaber des Yok Yok-Kiosks), eine andere Idee ins Spiel. Womöglich könnten die Gewerbetreibenden selbst ein kleines Fest auf die Beine stellen, in abgespeckter Form. Ähnliches fordern die Jusos, unterstützt vom Stadtverordneten Simon Witsch (SPD): Alle hätten Verständnis für ein wegen der kurzen Planungszeit abgespecktes Programm. „Eine Absage wird dem Viertel aber sicher nicht gerecht, sondern ist ein Schlag ins Gesicht aller Initiativen vor Ort.“

Auch interessant

Kommentare