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Frankfurt: Weinen und Lachen bei Gedenkstunde für Holocaust-Überlebende Trude Simonsohn

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Von: Kathrin Rosendorff

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Ursula Illert (li.) und Elisabeth Abendroth lesen aus „Noch ein Glück“ und sind sehr gerührt. Monika Müller
Ursula Illert (li.) und Elisabeth Abendroth lesen aus „Noch ein Glück“ und sind sehr gerührt. Monika Müller © Monika Müller

Freundinen und Freunde, ihre Familie, aber auch Prominente wie Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) verabschieden sich vier Monate nachdem Trude Simonsohn im Alter von 100 Jahren gestorben ist, von ihr in der Paulskirche. Dabei wird es emotional.

Trude Simonsohn lächelt, nein eigentlich strahlt sie. Einmal auf dem großen Schwarz-Weiß- Foto, das in der Paulskirche an diesem Mittwoch aufgestellt ist. Später von der Leinwand, auf der der Film von Adrian Oeser läuft, in dem sie über ihr ebenso außergewöhnliches wie bewegtes Leben erzählt. Eine Stunde, nachdem sie in Auschwitz angekommen ist, weiß sie, dass dies die Hölle ist. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) schaut auf das Foto, auf dem sie als ältere Dame strahlt, und er sagt: „Ja, so war sie. So behalten wir sie in Erinnerung.“ Es ist die Gedenkstunde für die Frankfurter Holocaust-Überlebende Trude Simonsohn, die am 6. Januar im Alter von 100 Jahren gestorben ist.

Bouffier beschreibt, wie er sich immer gewundert habe, wie diese Frau, die Theresienstadt und Auschwitz überlebt hatte, so ungezwungen und freundlich den Menschen zugewandt geblieben und zudem eine „grandiose Witze-Erzählerin“ gewesen sei. Sehr viele Menschen sind in die Paulskirche gekommen. Viele haben sie jahrelang begleitet. Wie Cellist Frank Wolff, der das Lied „Fantasie über ein jüdisches Lied“, spielt. Die Stimmung ist eine Mischung aus Weinen und Lachen.

Simonsohn war seit 1978 eine engagierte Zeitzeugin, sprach an Schulen, Unis, sogar im Garten von Filmemacher Adrian Oeser, als dieser noch ein Schüler war. Simonsohn wird die erste weibliche Ehrenbürgerin Frankfurts, aber erst im Jahr 2016. Da bekommt sie diese Auszeichnung, hier in der Paulskirche, verliehen. Zudem war sie bis zu ihrem Tod die älteste Trägerin der Wilhelm-Leuschner-Medaille.

In der ersten Reihe sitzen ihr Sohn Michael und ihre Schwiegertochter Beate Simonsohn. Elisabeth Abendroth und Ursula Illert lesen aus dem Buch „Noch ein Glück“ vor. Abendroth hat Simonsohns Geschichte mit Zitaten auf „Trudisch“ darin festgehalten. Beide Frauen waren mit Simonsohn befreundet: Sie müssen kurz das Lesen unterbrechen, weil die Trauer um ihre Trude noch sehr groß ist.

„Trude hat Freunde gesammelt wie ihr Vater einst Briefmarken“, betont nicht nur Abendroth. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der sie schon als Junge kannte, sagt, sie habe auch sein Herz berührt. Salomon Korn, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde, betont, dass wohl der Schlüssel zu ihrem ungebrochenen Lebenswillen trotz des Infernos, das sie durchlebte, folgender gewesen sei: „Ich war ein glückliches Kind.“ Diesen Satz habe sie oft gesagt.

Geboren wurde Trude Simonsohn am 25. März 1921 als Trude Gutmann im tschechischen Olomouc. Sie wächst in einem liberalen jüdischen Elternhaus auf. Als die Wehrmacht ihre Heimat 1939 besetzt, hat ihr bisheriges Leben ein abruptes Ende. Erst wird ihr Vaters in Dachau ermordet, dann die Mutter in Auschwitz. Im Ghetto Theresienstadt lernt sie Berthold Simonsohn kennen, die Liebe ihres Lebens. Sie heiraten, bevor beide 1944 nach Auschwitz deportiert und an der Rampe voneinander getrennt werden. Beide überleben. 1955 ziehen sie nach Frankfurt, wo Simonsohn, die auch Sozialarbeiterin war, sich in der Jüdischen Gemeinde engagiert. Ihre Lebenslust bleibt bis ins hohe Alter ungebrochen. Salomon Korn erzählt, wie sie bereits im Rollstuhl sitzend um Tanzmusik bat, um zusammen mit Hilmar Hoffmann, ebenfalls im Rollstuhl, an ihrem 95. Geburtstag zu tanzen.

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