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Philipp Wendt, geschäftsführender Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen, berichtet von vermehrten Beratungsanfragen.

Verbraucher

Frankfurt: Weil das Geld nicht mehr reicht

Seit August konsultieren mehr Menschen wegen Schulden die Verbraucherzentrale

Die Verbraucherzentrale in Frankfurt hat seit August häufig mit Problemen zu tun, die mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zusammenhängen. Das berichtet Philipp Wendt, seit Mai Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen mit Sitz in Frankfurt.

In den Monaten vorher sei es meist um Reiserecht gegangen, vor allem wegen ausgefallener Flüge. Bei der Kostenerstattung ließen sich die Fluggesellschaften nach wie vor Zeit, trotz eindeutiger Rechtslage. Anfang Oktober seien etwa bei der Lufthansa mehr als 700 000 Anträge offen gewesen, bei denen es um rund 350 Millionen Euro ging. Erst wenn Passagiere eine Schlichtungsstelle einschalteten oder Klage einreichten, reagierten die Fluggesellschaften, hat der Vorstand beobachtet: „Diese Praxis ist ein Skandal.“

Inzwischen wenden sich immer öfter Hilfesuchende an die Verbraucherzentrale, weil das Einkommen nicht mehr ausreicht. Etwa Menschen, die wegen der Krise in Kurzarbeit sind oder ihren Job verloren haben. Oder Selbstständige, die aufgrund der Pandemie kaum Aufträge haben. Wendts Erfahrung: Das Kurzarbeitergeld helfe zwar, aber viele Leute hätten keinen finanziellen Spielraum.

Was hinzukommt: Bei längerfristigen Verträgen – zum Beispiel für Strom, Gas, Wasser, Telefon und Internet – durften Verbraucher die Zahlungen für April, Mai und Juni zurückhalten, ohne dass Leitungen gesperrt wurden. Auch bei einigen Versicherungsverträgen war das möglich. Seit Juli gilt dieser Zahlungsaufschub allerdings nicht mehr. Die Folge: Unternehmen fordern nun die entsprechenden Schulden ein. Doch etliche Verbraucher können nicht zahlen.

Philipp Wendt kennt etwa den Fall eines Angestellten, der Mitte März in Kurzarbeit geschickt wurde. Um seine Lebenshaltungskosten zu senken, schob er die Zahlung der Stromabschläge auf. Als der Energieversorger im Sommer die volle Summe forderte, konnte der Mann nicht zahlen, weil er inzwischen arbeitslos geworden war – eine Stromsperre drohte.

Letzteres könne schneller passieren, als sich viele vorstellten, sagt der Verbraucherzentralen-Vorstand: „Dafür reichen schon Energie-Schulden von 100 Euro.“ Das entspricht etwa dem monatlichen Stromkosten-Abschlag eines Vier-Personen-Haushalts. Zwar müsse eine Stromsperre erst einmal angeordnet und dem Verbraucher drei Tage vor Inkrafttreten nochmals angekündigt werden, erklärt Wendt. Dennoch ereilte dieses Schicksal im Jahr 2018 rund 33 000 Menschen in Hessen. In diesem Jahr könnten es deutlich mehr werden, befürchtet der Vorstand. Auch weil in vielen Haushalten der Stromverbrauch wohl gestiegen sei. Zum Beispiel wegen des Homeschoolings. Und weil etliche Menschen mehr Zeit zu Hause verbringen würden als vor der Pandemie.

Dabei wäre es sinnvoller, wenn Energieversorger erst einmal zu einem Schlichtungsgespräch mit dem Verbraucher verpflichtet würden, bevor sie ihm den Strom abklemmten, findet Wendt: „Da kommt man zu viel besseren Ergebnissen.“ Davon profitierten letztlich auch die Unternehmen, weil die Chancen stiegen, dass die Rechnungen doch noch bezahlt würden. Außerdem plädiert er dafür, dass der Gesetzgeber in Fällen von Vorauskasse für eine Absicherung sorgt. Dann müssten etwa Passagiere bei ausgefallenen Flügen nicht monatelang ihrem Geld hinterherlaufen.

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