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Jörg Meuthen, Hans Joachim Mendig und Moritz Hunzinger beim Plausch. 

150 Unterzeichner 

Nach AfD-Treffen: Immer mehr Filmschaffende fordern Rücktritt von Hans Joachim Mendig

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Im Streit um den Leiter der hessischen Filmförderung, Hans Joachim Mendig, mehren sich die Rücktrittsforderungen. Mendig hatte den AfD-Chef Jörg Meuthen getroffen.

Update, 17.09.2019, 17:05 Uhr: Auch der Bundesverband Regie distanzierte sich am Dienstag in einer Mitteilung von Hans Joachim Mendig, nach dessen Treffen mit AfD-Chef Jörg Meuthen: „Als Geschäftsführer einer Landesförderinstitution bekleidet und repräsentiert Mendig ein Amt mit hohen Anforderungen an Überparteilichkeit, Offenheit für vielfältige künstlerische Positionen, demokratische Kultur und Transparenz“, hieß es. „Mit der Demonstration seiner privaten Nähe zu Personen, die all dies strikt ablehnen, hat Mendig eindeutig seine Rolle als öffentliche Person einer Landesinstitution, die das Land Hessen vertritt, missachtet.“ 

Mendig selbst war am Dienstag zunächst nicht zu erreichen.

Erstmeldung, 17.09.2019, 11:59 Uhr: Rhein-Main - Die Empörung über den Geschäftsführer der hessischen Filmförderung, Hans Joachim Mendig, wegen eines Treffens mit dem AfD-Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen reißt nicht ab. Inzwischen werden erste Rücktrittsforderungen laut, die Affäre hat auch den Aufsichtsrat der Hessen-Film und Medien GmbH erreicht, wie die primär aus Steuergeldern finanzierte Filmförderung offiziell heißt.

Mehr als 150 Filmschaffende haben sich einer von dem Filmkritiker Rüdiger Suchsland initiierten Erklärung angeschlossen, in der Mendig zum Rücktritt aufgefordert wird. Mendig bekleide eine Position „mit hohen Anforderungen an Überparteilichkeit, Offenheit für vielfältige künstlerische Positionen, demokratische Kultur und Transparenz“, heißt es in dem Text. 

Mendig: Streit um Treffen mit AfD 

Durch sein Gespräch mit Meuthen habe Mendig die hessische Filmförderung schwer beschädigt, eine weitere Zusammenarbeit mit ihm sei daher nicht vorstellbar, so die Unterzeichner der Erklärung, die am Wochenende der hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn (Grüne), übergeben wurde. Unterstützt wird der Text unter anderen von den Regisseuren Emily Atef, Nicolette Krebitz, Sherry Hormann, Christian Petzold und Dominik Graf, außerdem von Lars Henrik Gass, dem Leiter der Kurzfilmtage in Oberhausen.

Die Deutsche Filmakademie mit Sitz in Berlin erklärte, die Richtlinien der hessischen Filmförderung, die unter anderem die Bedeutung der Grundrechte betonten, ließen sich „nur schwer in Übereinstimmung mit den kulturpolitischen und allgemein-politischen Forderungen der AfD bringen“. Da Mendig Verantwortung für das steuerfinanzierte Filmfördersystem trage, wolle man mehr über sein Treffen mit einem Politiker erfahren, der dieses System radikal verändern wolle. Man erwarte von Mendig „eine inhaltliche Erklärung über den Austausch mit der AfD“. Andernfalls halte man seine Abberufung für berechtigt.

Meuthen postet auf Instagram Foto mit Mendig 

Ende Juli hatte Jörg Meuthen auf Instagram ein Foto gepostet, auf dem er selbst, Mendig und der Frankfurter PR-Manager Moritz Hunzinger in einem lockeren Gespräch zu sehen sind. Meuthen hatte dazu geschrieben, es habe ein „angeregter und konstruktiver politischer Gedankenaustausch“ stattgefunden.

Das Ministerium für Wissenschaft und Kunst teilte der Frankfurter Rundschau auf Anfrage mit, Ministerin Dorn beobachte „die wachsende Entfremdung zwischen dem Geschäftsführer der Hessen-Film, Hans Joachim Mendig, und vielen Filmschaffenden“ mit „zunehmender Sorge“. Dass mittlerweile sogar einige Filmschaffende ihren Rückzug aus Gremien der Filmförderung erklärt hätten, werde Dorn im Aufsichtsrat der Hessen-Film thematisieren.

„Irrsinn“ nicht mitmachen: Die AfD übt scharfe Kritik an Greta Thunberg und den Maßnahmen zum Klimaschutz.* 

Die hessische AfD-Landtagsfraktion stellte sich derweil hinter Mendig. „Menschen, die sich mit AfD-Politikern treffen, noch dazu privat, sind nicht vogelfrei“, erklärte Frank Grobe, kulturpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion. „Diese Form gesellschaftlicher Ächtung haben wir glücklicherweise lange hinter uns gelassen.“ Nicht jedem, der privat mit AfD-Politikern spreche, dürfe die Kündigung drohen.

AfD-Streit: Auswirkung auf Filmpreis unklar 

Unklar ist, welche Auswirkungen die Affäre auf den Hessischen Filmpreis haben wird, den die Hessen-Film Mitte Oktober verleiht. Am kommenden Freitag sollen die Nominierten für den Preis bei einer Pressekonferenz bekannt gegeben werden. Obwohl Mendig Vorsitzender der Jury ist, wird er an dem Pressegespräch nicht teilnehmen. Der Zusammenhang mit der aktuellen Debatte blieb vorerst offen.  Von Hanning Voigts 

Gegen Hans Joachim Mendig gab es wegen eines AfD-Treffens zahlreiche Rücktrittsforderungen. Jetzt hat der HessenFilm-Aufsichtsrat reagiert.


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