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Frankfurt: Weg von Autos und Beton

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Von: Timur Tinç

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Martin Lanzendorf, Kristina Luxen, Alexis Passadakis, Katy Walther und Florian Leclerc (von links) diskutieren auf dem Podium.
Martin Lanzendorf, Kristina Luxen, Alexis Passadakis, Katy Walther und Florian Leclerc (von links) diskutieren auf dem Podium. © Peter Jülich

Beim FR-Stadtgespräch zur Verkehrswende gibt es große Einigkeit bei den Zielen, aber nicht beim Weg. Stadtrat Majer sieht Wettrennen zwischen Auto- und Nahverkehr.

Katy Walther musste am Donnerstag mal wieder unfreiwillig in den Verteidigungsmodus gehen. „Wir haben alles versucht, aber wir haben keine Hebel mehr.“ Die Landtagsabgeordnete der Grünen saß beim FR-Stadtgespräch im Haus am Dom auf einem Podium zum Thema „Autobahnausbau versus Mobilitätswende“, moderiert von FR-Redakteur Florian Leclerc. Eigentlich ist Walther gegen den Ausbau der Autobahn 66, auf sechs Spuren, aber da es im Bundestag keine Mehrheit für ein Moratorium gäbe, sei ein Stopp nicht mehr möglich.

Trotzdem will Alexis Passadakis, Klimaaktivist bei Attac, den Ausbau stoppen. „Die Klimakrise ist brutale Realität, wir bewegen uns massiv in einen Klimakollaps hinein“, sagte er. Passadakis unterstützt die Besetzung des Fechenheimer Waldes, die ein breites Bündnis organisiert. Es handele sich um einen Hartholz-Auenwald mit einer hohen Biodiversität. „Es wäre eine Katastrophe, so ein Kleinod zu roden.“

Viele der Pläne, auf denen der Ausbau der Autobahnen A66, A661 und auch A3 und A5 beruhen, sind „altes Zeugs“, sagte Martin Lanzendorf, Mobilitätsforscher an der Goethe-Universität Frankfurt. Die Politik spiele in großen Teilen auf Zeit. „Wir brauchen keinen Bundesverkehrswegeplan. Der ist nur dazu da, um Verkehrswege zu bauen“, befand Lanzendorf. Es werde sich gar keine Gedanken darum gemacht, ob nicht auch S-Bahnen gebaut werden könnten oder andere Standorte aktiviert werden könnten, indem man dezentral Einkaufsläden baut.

Dem stimmte auch Walther zu: „Der Bundesverkehrswegeplan muss vollkommen neu überarbeitet werden.“ Da scheitere es daran, dass der Koalitionspartner FDP derzeit noch nicht einmal in den Dialog gegangen sei.

Veraltete Pläne

Vor der Diskussion sprach Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne) in einem Impulsvortrag über die Herausforderungen der Stadt Frankfurt und den Masterplan Mobilität, der bis Ende des Jahres ausgearbeitet werden soll. „Dass der Riederwaldtunnel nicht mehr abwendbar ist, da ärgere ich mich schwarz“, sagte Majer. Er freue sich, dass die Nordmainische S-Bahn den Riederwaldtunnel überholen werde. Diese soll 2028 fertiggestellt sein, der Tunnel im Jahr 2031. „Wir müssen den Vorsprung schaffen, dass die Menschen vom Auto auf die Bahn umsteigen können“, sagte Majer.

Kristina Luxen, Stadtverordnete der SPD, betonte, dass die Römer-Koalition gegen den Ausbau der A3 und A5 sei. „Schon jetzt versperren die Autos, die in Peakzeiten die Standstreifen benutzen den Weg für Expressbuslinien“, sagte Luxen. Die Koalition will sich dafür einsetzen, Autobahnabschnitte, die nicht mehr gebraucht würden, umzuwidmen. Zum Beispiel an der Sachsenhäuser Warte oder an der Miquelallee. Park-and-Ride an den Stadtgrenzen oder die City-Maut seien ebenfalls Möglichkeiten, die den Autoverkehr in der Stadt verringern könnten, so Luxen. Genauso wie das 365-Euro-Ticket für alle.

Alexis Passadakis geht das alles nicht weit genug. „Es ist schön gut, dass neue Radwege und Bahnlinien entstehen. Es braucht aber eine klare Anti-Autopolitik“, forderte der Aktivist. Nach einer Studie des Wuppertal-Instituts zusammen mit Fridays for Future müsste der Stadtverkehr auf ein Drittel der jetzigen Autozahl schrumpfen. Es könne nicht sein, dass 1300 Wohnungen gebaut werden und dazu 1100 Parkplätze. Der Parkraum müsste systematisch zurückgebaut werden. „Das ist unangenehm, aber die Klimakrise ist viel, viel unangenehmer, wenn Teile der Erde unbewohnbar wären.“ Man brauche eine Betonausstiegspfad für Frankfurt.

Die anschließende Diskussion mit den rund 20 Zuhörer:innen (bis zu 92 Menschen haben in der Spitze die Debatte im Livestream im Internet verfolgt) wurde teilweise sehr emotional. Friedhelm Ardelt-Theeck, der Sprecher des Aktionsbündnisses unmenschliche Autobahn, fragte nach den acht bis zehn Meter hohen Lärmschutzwänden in Bornheim und Seckbach. Ohne den Abschluss der Lärmschutzmaßnahmen könne nicht gebaut werden, sagte er. Dem widersprach Katy Walther. „Die Autobahn GmbH wird bauen.“ Das Land sei mit dem Planänderungsverfahren beschäftigt und das werde ganz genau abgearbeitet.

Eine Frau aus dem Publikum beklagte, dass die Emissionen schon vor Jahrzehnten hoch waren. Mit dem Ausbau der A66 würden die sich weiter vermehren. Am Sonntag wird es, wie jeden Sonntag, einen Waldspaziergang in der Nähe der U-Bahnhaltestelle Kruppstraße geben.

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