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In Frankfurt wird das Wasser knapp – abpumpen ist zukünftig verboten

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Von: Thomas Stillbauer

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Ebenfalls untersagt bis mindestens Ende Juli: Paddeln auf der Nidda.
Ebenfalls untersagt bis mindestens Ende Juli: Paddeln auf der Nidda. © Christoph Boeckheler

Die Stadt Frankfurt stoppt die Wasserentnahme aus den überhitzten Flüssen und Bächen. Grund ist die steigende Wassertemperatur bei fehlenden Niederschlägen.

Frankfurt – Voraussichtlich von Mittwoch an wird es auch in Frankfurt verboten sein, Wasser aus Flüssen oder Bächen für die private oder gewerbliche Nutzung zu entnehmen. Das hat Klima- und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) angekündigt. Zudem sind Paddel- und Kanufahrten auf der Nidda zunächst bis Ende Juli untersagt, wie das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt mitteilt.

Grund ist die Erwärmung der Fließgewässer. Für den Main hatte das hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) in dieser Woche eine Wassertemperatur von mehr als 25 Grad gemessen; kommende Woche werden bei zunehmender Sommerhitze sogar mehr als 26 Grad für den Main erwartet. Hintergrund der Erwärmung ist wiederum der ausbleibende Niederschlag: Je weniger Wasser die Flüsse und Bäche führen, desto wärmer wird das verbliebene Wasser. Dazu tragen auch Einleitungen aus Gewerbebetrieben bei, etwa Kühlwasser. Das erklärt, warum der Main nach den Zahlen des HLNUG wärmer ist als die Nidda, obwohl er deutlich mehr Wasser führt.

Wasser in Frankfurt wird knapp: Biologischer Abbau von Nährstoffen beschleunigt sich

„Die Bäche sind trocken, die Grundwasserstände sinken schon wieder dramatisch ab“, sagt Heilig. Sie hat gerade ein Filmteam durch den Stadtwald geführt und war – wie so oft zuletzt – erschüttert vom Zustand der hiesigen Natur. Das Baumsterben und die Erhitzung der Fließgewässer seien Ausdruck ein und desselben Problems: Der Klimawandel macht die Sommer heißer und vor allem trockener. Es fehlt der Regen überall.

25 Grad Wassertemperatur gelten als Kipppunkt für das Leben im Fluss. Main und Nidda können dann nicht mehr genug Sauerstoff aufnehmen, die Konzentration sinkt unter eine kritische Marke. Zugleich beschleunigt sich der biologische Abbau der Nährstoffe in den Gewässern, was zusätzlich Sauerstoff verbraucht. Das schadet Tieren und Pflanzen im Fluss – und gilt natürlich ebenso für stehende Gewässer, also Teiche und Seen.

Zu wenig Wasser in Frankfurt: Vorbeugende Maßnahmen sind wichtig

Was tun? Das Paddel- und Kanuverbot hilft auch, zusätzlichen Stress für die Tiere am und im Wasser zu vermeiden. Grundsätzlich seien etwa Turbinen in Wasserkraftanlagen geeignet, Sauerstoff in Gewässer einzutragen, erläutert das Frankfurter Umweltdezernat. Solche Anlagen sind hier aber extrem rar.

Helfen können daher eher vorbeugende Maßnahmen: Kühlwasserentnahme- und -einleitung reduzieren; Brauchwasserentnahme nur noch für das Nötigste; Bauarbeiten im Gewässer vermeiden; Nährstoffeintrag reduzieren (Düngemittel, Kläranlagen); erhöhter Abfluss über Wehre – dann kommt durch den sogenannten Wehrüberfall wenigstens stellenweise mehr Sauerstoff ins Wasser.

Vieles davon liege aber nicht im Einflussbereich der Stadt, betont Heilig. Für Verbote und Genehmigungen sei das RP zuständig – dorthin ging auch der Antrag auf Stopp der Wasserentnahme.

Wasser in Frankfurt: Umweltdezernat ruft zu wassersensiblem Verhalten auf

Industrieanlagen und Kraftwerke am Main erhöhen die Temperatur um maximal 1,5 Grad, ermittelte die Landesregierung (allerdings Stand 2008). Den größten Anteil hatten seinerzeit die Betriebe bis zur westlichen Stadtgrenze (17 Prozent) sowie die Energieerzeuger Staudinger (etwa 40%) und Mainova (rund 30%). Bei Erreichen der kritischen Temperatur ordnet das RP an, dass die Betriebe ihre Anlagen zurückfahren müssen.

Und die Verbraucherinnen und Verbraucher? „Wassersensibles Verhalten“ mahnt das Umweltdezernat an: Wasserhahn nicht unnötig laufen lassen, im Garten sparsam gießen, Regenwasser nutzen – wenn mal Regen fallen sollte. Und immer CO2-sparsam leben, um dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Die Umweltschutzorganisation WWF rief in dieser Woche auf: „Gebt den Flüssen die Auen zurück!“ Auch Rosemarie Heilig verspricht sich langfristig einen positiven Effekt durch die Renaturierung von Nidda- und Mainabschnitten – dort, wo es möglich ist.

Kein Abpumpen von Wasser in Frankfurt mehr möglich: Die Landschaft wird sich verändern

Der Main, der bis in die 1970er Jahre aufgrund der Gewässerverschmutzung als „weitgehend biologisch tot“ gegolten habe, sei wieder ein wichtiger Bestandteil des Frankfurter Artenschutzkonzepts: Selbst im Stadtgebiet hätten sich wieder viele Fische angesiedelt; die Renaturierung am Fechenheimer Mainbogen biete Tierarten Rückzugsorte, etwa dem seltenen Eisvogel. Er braucht Fische zum Überleben. Die Fische brauchen Sauerstoff im Wasser. Da zeigt sich wieder, wie in der Natur alles zusammenhängt.

„Wir müssen verstehen: Es ist alles ein Ökosystem“, sagt die Dezernentin und fügt hinzu: „Wir haben Anfang Juli“, um klarzumachen: Der Hochsommer kommt erst noch. Die Landschaft, glaubt sie, wird sich verändern. „Wir bekommen Mailänder Verhältnisse.“ Wie weit die Veränderungen gehen, hänge von den Menschen ab.

In einem Interview spricht die Frankfurter Klimadezernentin Rosemarie Heilig über Hitzetage, Steinwüsten und die Waldbrandgefahr. Und betont: „Wir sind viel zu langsam“.

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