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Frankfurt: Was Neues auf die Ohren, seit 20 Jahren

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Von: Thomas Stillbauer

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Und Schnitt: Jochen Hasmanis bearbeitet die Aufnahmen, hier die Band Dreimillionen.
Und Schnitt: Jochen Hasmanis bearbeitet die Aufnahmen, hier die Band Dreimillionen. © Privat

Die Musikplattform Newcomer-TV feiert Jubiläum mit einem Open-Air-Konzert im Sommergarten der Frankfurter Batschkapp.

Mit der eigenen Band im Fernsehen auftreten? Überhaupt kein Problem, wenn deine Band U2 heißt, Coldplay, Die Ärzte oder The Rolling Stones. Sollte deine Band allerdings Nirgendwo heißen, Überflüssig, Usinger oder Zementfabrik – dann könnte es schon schwieriger werden, besonders wenn ihr zwar gut, aber noch sehr unbekannt und am Anfang eurer Karriere seid.

Das Schöne an der Sache: Auch diese vier Bands sind im Fernsehen aufgetreten – genauso wie insgesamt sage und schreibe 411 Acts aus Frankfurt und der Region, die es seit 2002 mithilfe eines besonderen Programms vor die Kamera geschafft haben. Das Programm heißt Newcomer-TV, ist ein Bewegtbild-Musikmagazin und feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen.

Ausgeheckt hat es einst Jochen Hasmanis, Journalist, Filmemacher, Mediengestalter, weil ihn etwas störte: Es gab keine Plattform für Bands aus Deutschland, schon gar nicht aus der Region, auf der sie sich live in Ton und Bild präsentieren konnten. Der Hessische Rundfunk hatte ein solches Angebot begonnen, live aus der Music Hall, stellte es aber bald wieder ein. Da machte sich Hasmanis ans Werk – und Sepp’l Niemeyer, großer Promoter der hiesigen Nachwuchsszene und Kopf der Musikinitiative Virus Musik, war direkt Feuer und Flamme.

JUBILÄUMSKONZERT

Das 20-jährige Bestehen der Plattform Newcomer-TV feiern Bands und Fans am Freitag, 26. August, von 17.15 Uhr an im Sommergarten der Batschkapp, Gwinnerstraße 5 in Frankfurt. Einlass ist schon um 16.30 Uhr, Tickets im Vorverkauf gibt es über batschkapp.tickets.de

Auf der Bühne: Pauli (Poetgrunge aus Bad Nauheim), Cool Aid (New Wave Vintage aus Frankfurt), Andreas Kümmert (Singer & Songwriter aus Gemünden), Lord0 & Friends (Rock-Pop-Fusion aus Frankfurt), Fellaws Kingdom (Ska, Punk, HipHop, Electro aus Frankfurt).

„Newcomer-TV ist Jochens Baby“, sagt Niemeyer zum Jubiläum. Bis es soweit herangewachsen war, dass es ins heutige Hauptquartier einzog, das Jugendkulturzentrum Portstraße in Oberursel, kam es viel herum. Da wurden etwa Konzerte wild im Frankfurter Niddapark aufgezeichnet. „Wir haben einfach die Anlage aufgebaut, da hat sich keiner einen Kopf gemacht, und wenn die Polizei kam, haben wir eben wieder abgebaut.“ Auch im Rödelheimer Newcomer-TV-Studio gab es Aufnahmen, eine legendäre „Casten und Kerstin“-Show im Sinkkasten (als spaßige Gegenveranstaltung zu den MTV-Awards, Stichwort: Casting), und am 12. Dezember 2002 lief die erste Newcomer-TV-Nacht in Oberursel. Live gespielt, aufgezeichnet und dann im Fernsehen ausgestrahlt.

Das lief dann in den folgenden Jahren ausgesprochen gut. So gut, dass Newcomer-TV 2007 den Live Entertainment Award (LEA) in der Kategorie „Beste Nachwuchsförderung“ erhielt – einen Preis, den Veranstalterinnen und Veranstalter für den gesamten deutschsprachigen Raum vergeben. Doch es folgte ein Einschnitt. Lief die TV-Nacht bis dahin wöchentlich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (HR, WDR, MDR, EinsFestival), so schloss sich bald eine Phase an, in der die Shows aus dem Fernsehen ins Internet abwanderten. Erst 2014 dann das Comeback im Fernsehen, bei Rhein-Main TV und auf den Offenen Kanälen, die die Aufzeichnungen an befreundete Stationen in ganz Hessen weitergaben. „Das ist ganz toll, dadurch gibt es eine Weiterverbreitung der Musik“, sagt Niemeyer.

Wer ist eigentlich „Newcomer“? Ist das eine Altersfrage? Nein. „Alle Bands, die keiner kennt“, definiert das Team, zu dem viele junge Leute gehören, viele Praktikantinnen und Praktikanten, die eine Menge lernen in der Zeit. Bild- und Tonschnitt an eigens angeschafften Geräten, Bühnentechnik, die ganze Palette. „Newcomer können auch ältere Menschen sein, die man dadurch kennenlernt“, sagt Sepp’l Niemeyer. „Ich bin die ganze Zeit am Recherchieren, es gibt ja viele Wettbewerbe – man kann unendlich viel Zeit damit verbringen und immer wieder Neues entdecken.“ Was gar nicht so selten ist: Leute, die vor Jahren, mitunter Jahrzehnten die Frankfurter Bühnen gerockt haben, kommen mit einem neuen Projekt – und sind somit Newcomer. „Ich höre mir das an. Wenn es mir gefällt und wenn es reinpasst, sind sie dabei.“ Zu den „Neuen“ gehört beim Jubiläumskonzert am Freitag einer, der das alles erst ermöglicht hat: Jochen Hasmanis mit der Band Lord0 & Friends.

Immer von Vorteil ist es, für die Bewerbung schon eine Aufnahme der eigenen Musik zu haben. Die läuft dann auch in den Konzertankündigungen, etwa auf Radio X. Und nach dem Gig sind die Aufzeichnungen stets verfügbar in der Mediathek des Offenen Kanals: „Da ist alles drin, seit den Anfängen.“

Man hat es schwer genug als Musik machender Mensch. So ein Fernsehauftritt wird da für eine Band zum echten Highlight. „Das stärkt das Selbstbewusstsein“, sagt Sepp’l Niemeyer, „und wenn es das ist, was die Bands brauchen, dann helfen wir gerne dabei.“

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