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Frankfurt: Was ein Film-Anfang verrät

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Von: Anja Laud

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Niels Deimel zeigt im Foyer des Filmmuseums, wie die Plattform „Rhizom Filmgeschichte“ funktioniert.
Niels Deimel zeigt im Foyer des Filmmuseums, wie die Plattform „Rhizom Filmgeschichte“ funktioniert. © Monika Müller

Das Filmmuseum in Frankfurt erweitert seine digitale Filmgeschichte. Die digitale Vermittlungsplattform ist jetzt auch im Haus selbst über eine Touchscreen-Station zugänglich.

Silvesterraketen explodieren am Himmel, ein Krankenwagen fährt mit Blaulicht eine Straße entlang, ein junger Mann wird auf einer Liege einen Krankenhausflur entlang geschoben. Die Eingangsszenen aus „Coming out“, einem Film aus den Jahren 1988/89, finden sich wie mehr als 200 weitere Filmanfänge im „Rhizom Filmgeschichte“. Diese digitale Vermittlungsplattform des Filmmuseums ist nicht nur erweitert worden, sie kann jetzt auch im Haus selbst erkundet werden.

Projektleiter Niels Deimel steht im Foyer des Filmmuseums vor einer Touchscreen-Station, auf deren Bildschirm viele Bilder zu sehen sind, die über gelbe Linien wie ein Wurzelgeflecht, also ein Rhizom, miteinander verbunden sind. Jedes dieser Bilder steht für den Anfang eines Filmes. Wer eines davon antippt, der sieht nicht nur die ersten Minuten eines Spielfilms, er taucht auch in 100 Jahre Filmgeschichte ein. Das „Rhizom Filmgeschichte“, eine Präsentationsschicht von filmportal.de, der vom Filmmuseum betriebenen Online-Plattform für den deutschen Film, ging im März 2021 mit etwa 100 Filmanfängen online. Es verbindet seitdem Filme aus allen Epochen und Gattungen anhand von motivischen, stilistischen und thematischen Ähnlichkeiten über Themenpfade und Schlagworte miteinander. Bislang konnten Cineast:innen die Plattform nur am heimischen Computer, auf ihren Tablets und eingeschränkt auf ihren Smartphones erkunden, jetzt können Besucher:innen des Filmmuseums dies auch über den Touchscreen im Foyer tun.

„Das „Rhizom Filmgeschichte ist auch inhaltlich erweitert worden“, berichtet Deimel. Zu den Themenpfaden, die beim Launch der Plattform online gestellt wurden, seien jetzt drei weitere hinzugekommen. Sie befassen sich mit „Queer Cinema“, der Migrationsgesellschaft und Filmen von Frauen. Zudem kommen in neu produzierten, kurzen Video-Interviews Filmemacher:innen und Expert:innen zu Wort, beispielsweise die Regisseurinnen Anna Sofie Hartmann und Ula Stöckl, die über ihre Arbeit berichten.

Filmmuseum

„Rhizom Filmgeschichte“ , das jetzt erweiterte digitale Vermittlungsprojekt des Deutschen Filminstituts und Filmmuseums in Frankfurt, präsentiert inzwischen die Anfänge von über 200 deutschen Filmen.

Die Filmanfänge aus mehr als 100 Jahren deutscher Filmgeschichte sind über Themenpfade und Schlagworte miteinander verknüpft. lad

www.rhizom.film

Beide Filmemacherinnen sind im „Rhizom Filmgeschichte“ auch mit Filmanfängen vertreten. Stöckl mit „Neun Leben hat die Katze“ von 1968, der als erster ausdrücklich feministischer Film der Bundesrepublik gilt. Basis für das „Rhizom Filmgeschichte“ sind Filme, die im Rahmen des von Bund und Ländern aufgelegten „Förderprogramms Filmerbe“ seit 2019 digitalisiert werden. Das Programm zum Erhalt des nationalen Filmerbes hat eine Laufzeit von zehn Jahren. Mit der Zahl der digitalisierten Langfilme wird auch das „Rhizom Filmgeschichte“ wachsen, denn als Teil des Förderprogramms müssen die ersten fünf Minuten von Filmen mit einer Laufzeit von mehr als 60 Minuten öffentlich zugänglich gemacht werden.

Das „Rhizom Filmgeschichte“ wird von Studierenden der Goethe-Universität genutzt. „Auch Schulen arbeiten damit“, sagt Deimel. Und nun können auch Besucher:innen des Filmmuseums im Foyer von Stumm- zu Tonfilmen, von Schwarz-Weiß- zu Farbfilmen gelangen und erfahren, wie Stile und erzählerische Standardsituationen immer wieder aufgenommen, zitiert oder neu gestaltet wurden.

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