Müllvermeidung

Frankfurt: Warum ein Teddy niemals Müll ist

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Kinder lernen Abfallvermeidung, auch Erwachsene sind gefragt. Die europäische Aktionswoche geht in Frankfurt in die zweite Hälfte.

Während in Villabajo langsam zusammengeräumt wird, geht es in Frankfurt erst so richtig los: Die Europäische Woche der Abfallvermeidung, offiziell bis 24. November, startet am Main in die zweite Hälfte – hier dauert sie zwei Wochen. Zeit für eine Zwischenbilanz und für einen Besuch bei jungen Abfallvermeidern.

Freitagmorgen in der Zentralen Kinder- und Jugendbibliothek. Das Expertengremium aus der Linnéschule hat Platz genommen, oder besser: eines von vier Expertengremien aus der Linnéschule, die sich zur Veranstaltung „Müll – die lästigste Sache der Welt“ angemeldet haben. Oder noch besser: Sämtliche dritten Klassen der Linnéschule machen mit.

Die Linné-Delegation vom Freitag erarbeitet zunächst mit Lesepädagogin Tanja Schmidt, was alles Abfall ist (geplatzter Luftballon, Bastelschnipsel) und was nicht (alter Teddy). Warum nicht der alte Teddy? Den Kindern fällt so manch technisches Detail ein, aber George weiß den wichtigsten Grund: „Weil da die ganzen Erinnerungen drin sind.“

Auch in anderer Hinsicht erweisen sich die Linnéschülerinnen und -schüler als Leute mit dem Herzen am richtigen Fleck. Im Buch „Müll – alles über die lästigste Sache der Welt“ von Gerda Raidt, das die Kinder durch den Vormittag begleitet, ist ein Mann vor einem Berg Abfall zu sehen. Was macht er genau? „Der ist arm und sucht Sachen im Müll“, bedauert eine Schülerin. Was für Sachen? „Der Arme sucht Flaschen und muss damit Geld verdienen.“

Das ist Frankfurter Mitgefühl, sogleich gefolgt von Frankfurter Spürsinn. Papier sei nicht endlos zu recyceln, mahnt Tanja Schmidt, nach maximal sieben Runden sei Schluss. Also: auch mit Papier sparsam umgehen. „Aber eure vielen Bücher hier verbrauchen auch Papier!“, erinnern die jungen Abfallvermeider. Das stimme zwar, gibt Pädagogin Schmidt zu, aber die Bücher würden ja auch sehr lang benutzt. „50 Jahre?“, wollen die Kinder wissen. „So lang auch wieder nicht.“ Der Rest ist Feilschen: „40 Jahre? 30? 20? 19?“

Eine ganze pralle Woche der Abfallvermeidung liegt schon hinter uns. Cindy Lübker von der Stabsstelle Sauberes Frankfurt ist sehr zufrieden mit dem Verlauf, beispielsweise mit Müllsammelaktionen auf den Uni-Campus Westend und Riedberg unter großer Studierendenbeteiligung oder mit den Workshops zum Plastiksparen. Sorgenkinder beim Abfallthema bleiben die 18- bis 30-Jährigen. Deshalb sei es so wichtig, schon bei den Kleinsten anzusetzen, sind sich Lübker und Schmidt einig. Der Erfolg zeichne sich ab: „Kinder wissen heute viel mehr über Müllvermeidung als früher.“

Die Drittklässler aus der Linnéschule sind dafür der lebendige Beweis – und für den Umstand, dass Müll oft die lästigste, aber manchmal auch die lustigste Sache der Welt sein kann. Zum Abschluss dürfen sie aus gesammelten Abfällen etwas basteln. Vor allem ein aufgeblasener Einmalhandschuh mit aufgemaltem Gesicht sorgt dabei für viel Stimmung. Alles zur Abfallwoche: www.fes-frankfurt.de/ewav

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