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Gästeführer fühlen sich trotz Sonnenscheins im Regen stehen gelassen.  

Tourismus

In Frankfurt warten Städteführer auf Touristen

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Die Frankfurter Städteführer sind von der Krise stark betroffen. Das Hoffen aus Unterstützung von der Stadt stößt dort jedoch auf Unverständnis.

Es sind leider nur Regenschirme, die am Freitag auf dem Römerberg anzutreffen sind. Ein finanzieller Schutzschirm wäre den Frankfurter Gästeführern lieber und dafür demonstrieren sie. Die Gruppe der insgesamt etwa 100 Frankfurter Gästeführerinnen und Gästeführer ist sehr heterogen. Historiker, Künstler oder Architekten geben sie als Berufsbezeichnung an.

Manche führen Touristen im Nebenerwerb durch die Stadt, andere im Vollerwerb, so wie Jo Ator. Die gebürtige US-Amerikanerin lebt seit 33 Jahren in Frankfurt und ist von der derzeitigen Flaute besonders betroffen. Denn sie macht ausschließlich Führungen in englischer Sprache für Touristen aus den USA oder Australien. Doch die werden auf absehbare Zeit nicht mehr kommen.

„Mir wurden alle Führungen bis Dezember storniert“, klagt Ator. Auf ihrem Regenschirm hat sie die Botschaft „100 Prozent Verdienstausfall“ stehen. Ator ist derzeit komplett von ihrem Mann abhängig, beide versuchen mit dessen kleiner Pension als ehemaliger US-Soldat über die Runden zu kommen. Über Facebook und Instagram hofft Ator, für die kommende Woche wenigstens kleine Führungen anbieten zu können.

Alexa Negrao hat keinen Partner an ihrer Seite, der die kompletten Einnahmeverluste abfedern könnte. Die Deutsch-Portugiesin konnte nicht mal mehr die Miete zahlen. „Ich habe die Miete gestundet bekommen, aber wenn ich gar keine Einnahmen habe, hilft mir das auch nicht“, klagt sie. Mittlerweile hat sie Hartz IV beantragt und bewilligt bekommen. „Aber das reicht hinten und vorne nicht“, so Negrao, die ebenfalls überwiegend Touristen aus dem Ausland betreut und noch länger an der Flaute zu knabbern haben dürfte.

Finanzielle Unterstützung gefordert

Die Städteführer fordern eine finanzielle Unterstützung durch den Bund oder das Land, aber insgeheim hätten sie sich auch Hilfe von der Stadt Frankfurt erhofft. „Wir laufen uns für die Stadt die Füße platt und tun so viel für das Image“, sagt eine der Führerinnen. Das Historische Museum habe seine Führer mit gut 200 Euro unterstützt. Enttäuscht sind sie auch, dass Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) nicht zur Demo auf dem Römerberg erschienen ist. Das sei „unsolidarisch“, wo er doch selbst Führungen anbiete, findet Svetlana Eremenko-Wagener.

Einer der größten Anbieter von Städteführungen ist die städtische Tourismus- und Congress GmbH (TCF). Geschäftsführer Thomas Feda kann die Forderungen nach einer Unterstützung nicht verstehen. „Mir sind doch selbst alle Einnahmen weggebrochen, wir sind ein Wirtschaftsunternehmen und kein Förderverein“, so Feda. Die TCF beklagt seit dem Ausbruch der Pandemie Verluste von mehr als einer Million Euro. Ab Samstag immerhin soll es wieder Führungen geben. In kleinen Gruppen von bis zu zehn Leuten gibt es wieder Angebote, die laut Feda auch „gut gebucht“ seien.

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