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Wie bei Großmuttern. Haydar Yalcin (links) und Michael Schwiderek im Café „Schee“.
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Wie bei Großmuttern. Haydar Yalcin (links) und Michael Schwiderek im Café „Schee“.

Gastronomie und Corona

Frankfurt: Warten auf die Omi-Atmosphäre

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Das Café „Schee“ in Bockenheim hat die Corona-Pandemie ganz unglücklich erwischt. Der Zeitpunkt des Starts war fatal. Doch die Hoffnung bleibt.

Erst hatten wir kein Glück, heißt ein berühmt gewordenes Fußball-Bonmot, und dann kam auch noch Pech dazu. So ungefähr erging es Michael Schwiderek und Haydar Yalcin. In ihrer Geschichte kommt auch Fußball vor. Aber nur am Rande.

Anfang Februar 2020. Corona ist längst in der Welt, aber in Deutschland gilt es immer noch als eine Art Grippe, nichts extrem Schlimmes. Yalcin, Inhaber einer Mainzer Pizzeria, erfährt davon, dass in Bockenheim der Pächter einer Institution aufhört: im Café „Diesseits“, Ecke Gremp- und Konrad-Broßwitz-Straße, seit Jahrzehnten ein Begriff.

Yalcin (46) übernimmt das Café. Gemeinsam mit Kumpel Schwiderek (40) kann er sich gut vorstellen, den Laden weiterzuführen. „Es lief ja immer gut bis dahin“, blicken sie zurück. Betonung auf: bis dahin.

30 Plätze draußen

Der Fortgang der Geschichte ist bekannt: Im März zeigt Corona auch hierzulande sein wahres Gesicht. Das vorübergehende Aus für die Gastronomie, dann im Sommer die Lockerungen, Außenbewirtung erlaubt. Etwa 30 Plätze kann das „Diesseits“ auf dem Trottoir anbieten. „Aber auch zu der Zeit konnten wir nicht gut davon leben“, sagt Michael Schwiderek.

Im Spätsommer überlegen die beiden Gastwirte, was sie tun können. „Uns war klar, das Fußball-Konzept geht nicht mehr auf.“ Es gab drinnen Live-Sportübertragungen, als alles noch gut war. Das fällt komplett weg. „Niemand wusste, wie lang das alles noch dauert.“ Also treffen sie im September die Entscheidung: Alles muss raus. „Wir wollten etwas Bodenständiges, Gemütliches“, sagt Schwiderek. „Es sollte so sein wie früher bei meiner Omi.“ Alte Möbel, Ohrensessel, ein Ort zum Wohlfühlen für Jung und Alt. Auch ein neuer Name ist bald gefunden: „Im Fernsehen lief eine Sendung über hessische Städte, und wir sagten: Ach, is des schee.“ Hat so auch früher immer die Omi gesprochen? „Nee, das war eher der Opi.“

Im November ist der große Umbau fertig. Dann kommt der zweite Shutdown.

Seither halten sich Yalcin und Schwiderek mit Außengastronomie über Wasser. Es gibt Schnitzel, Kartoffelstampf, aber auch orientalische Frikadellen mit Minzcreme und philippinische Reisnudeln. „Die Nachbarn sind großartig, viele kommen mittags und holen sich etwas ab oder sie kaufen sich nachmittags unseren Kuchen“, loben die Wirte. „Aber wir kämpfen von Monat zu Monat. Es wird langsam eng.“ Das ganze Jahr haben sie sich selbst noch kein Gehalt ausgezahlt, sondern alles in den Laden gesteckt, sagt Schwiderek. Die Familien helfen, so gut es geht.

Aber wie weiter? Auf der Plattform Gofundme werden Spenden gesammelt („Unterstützt das Café Schee im scheenen Bockenheim“), es gibt vor Ort Gutscheine zu erwerben und Frühstücksboxen, etwa für den Muttertag oder Christi Himmelfahrt. Und über allem steht der Wunsch, der so viele zurzeit verbindet, nicht nur in der Gastronomie: endlich mal wieder ganz normal leben und arbeiten. Endlich mal wieder schee was essen gehen.

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