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Frankfurt: Warten auf Antworten im Fall Blanka Zmigrod

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Von: Hanning Voigts

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Renée Salzman will Klarheit über den Mord an ihrer Tante. Foto: Christoph Boeckheler
Renée Salzman will Klarheit über den Mord an ihrer Tante. © christoph boeckheler*

Eine Angehörige der 1992 in Frankfurt ermordeten Auschwitz-Überlebenden Blanka Zmigrod fordert Einsicht in die Ermittlungsakten – und Antworten auf offene Fragen.

Frankfurt – Für Renée Salzman ist es die Ungewissheit, die schwer zu ertragen ist. „Ich will einfach wissen, was mit meiner Tante geschehen ist“, sagt die 69-Jährige. Nachdem sie sich eineinhalb Jahre lang intensiv mit dem Schicksal von Blanka Zmigrod befasst, in Erinnerungen, Fotoalben und Archiven gewühlt habe, sei es ihr Wunsch, emotional mit dem Thema abzuschließen. „Um Ruhe zu haben“, sagt Salzman, „damit das endlich vorbei ist.“

Ende Februar war Salzman, die in Israel lebt, eine Woche lang zu Besuch in Hessen. Am 23. Februar hat sich nämlich der Mord an Blanka Zmigrod, einer Cousine ihrer Mutter, zum 30. Mal gejährt. Zmigrod, die 1924 als deutschsprachige Jüdin im polnischen Chorzów geboren worden war, hatte mehrere Konzentrationslager überlebt, darunter auch Auschwitz, und war nach einer Zeit in Israel 1960 nach Frankfurt gekommen.

Frankfurt gedenkt Blanka Zmigrod: Gedenkplakette im Kettenhofweg

Am 23. Februar 1992 wurde sie im Kettenhofweg von einem schwedischen Neonazi erschossen. Erst im Jahr 2018 wurde der Täter, John Ausonius, in Frankfurt wegen des Mordes verurteilt, nachdem der Fall nach der Terrorserie des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) neu aufgerollt worden war. Im vorigen Jahr wurde erstmals mit einer kleinen Kundgebung an Blanka Zmigrod erinnert. Zu ihrem 30. Todestag folgte die Stadt einer Initiative des Frankfurter Publizisten Ruben Gerczikow und stellte am Tatort eine Gedenktafel für Zmigrod auf – im Beisein von Renée Salzman und ihres Bruders Leon Sztabelski.

Für Salzman bedeutete diese ganze neue Aufmerksamkeit für das Leben ihrer Tante, die mit vielen Medienberichten unter anderem in der Frankfurter Rundschau verbunden war, sich nach vielen Jahren noch einmal ausführlich mit dem Mord zu befassen. Weil sie dabei immer wieder auf offene Fragen stieß, die sie alleine nicht beantworten konnte, stellte die 69-Jährige bereits im Januar einen Antrag auf Akteneinsicht bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft.

Ermordete Blanka Zmigrod: Ihre gesamte Familie wurde von den Nazis ermordet

Ihr Rechtsanwalt Björn Elberling sagte der FR, der Antrag sei komplex, weil Salzman keine direkte Verwandte der Ermordeten sei. Sie könne aber ein berechtigtes Interesse an einer Akteneinsicht geltend machen, da Blanka Zmigrod eine wichtige Rolle in ihrem Leben gespielt habe und Zmigrods gesamte Familie im Holocaust ermordet worden sei. „Ihr geht es als engste Angehörige darum, wie eine Jüdin, die in Deutschland von einem Neonazi ermordet wurde, ums Leben gekommen ist“, sagt Elberling.

Renée Salzman sagt, sie wolle genau wissen, wie die Ermittlungen 1992 abliefen und warum der Täter nicht schon damals angeklagt wurde, obwohl er wegen eines Streits mit Zmigrod an ihrem Arbeitsplatz, der Garderobe des Restaurants Mövenpick, früh als Verdächtiger galt.

Offene Fragen im Mordfall Blanka Zmigrod: Keine Antwort von der Staatsanwaltschaft Frankfurt

Außerdem geht Salzman davon aus, dass ihre Tante am Tatabend eine Kette mit einem Davidstern getragen hat. Sie will wissen, was aus dem Schmuckstück geworden ist. Falls der Täter es gesehen habe, sei das ein Indiz für einen antisemitischen Mord, sagt Salzman.

Bisher hat sie noch keine Antwort von der Staatsanwaltschaft erhalten. Die zuständige Staatsanwältin sagte der FR, man müsse dem Täter, der seine lebenslange Haftstrafe in Schweden absitzt, aus juristischen Gründen noch Gelegenheit zur Stellungnahme geben. Vorerst wird Renée Salzman die quälende Ungewissheit also weiter ertragen müssen.

(Hanning Voigts)

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