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Frankfurt: Warnstreik legt Flugbetrieb lahm

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Von: Jana Ballweber

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Ein Warnstreik hat am Dienstag den Frankfurter Flughafen weitgehend lahmgelegt.
Ein Warnstreik hat am Dienstag den Frankfurter Flughafen weitgehend lahmgelegt. © Renate Hoyer

Das Sicherheitspersonal am Frankfurter Flughafen fordert gerechtere Löhne. 20 000 Passagiere können nicht fliegen.

Am besten gar nicht erst anreisen: Diesen Rat hatte die Fraport allen Passagieren gegeben, die am Dienstag am Frankfurter Flughafen eine Reise antreten wollten. Von 2 Uhr in der Nacht bis 23 Uhr hatte die Gewerkschaft Verdi die Angestellten der Sicherheitsdienstleister zum Streik aufgerufen. Alle Sicherheitskontrollen blieben geschlossen.

Einige Reisende waren dennoch gekommen - in der Hoffnung, dass sich vielleicht doch ein Weg durch die Kontrollen finden ließe oder weil sie einfach nichts vom Streik mitbekommen hatten. Elena, die nach Mexiko fliegen wollte, um dort ihre Schwester zu besuchen, hätte sich mehr Informationen vonseiten ihrer Fluggesellschaft gewünscht: „Ich komme aus Stuttgart und muss mir jetzt für die Nacht einen Schlafplatz in Frankfurt organisieren. Ich habe Gott sei Dank einige Bekannte im Rhein-Main-Gebiet, aber für Menschen aus anderen Ländern, die gestrandet sind, ist es natürlich noch ärgerlicher.“ Für den Streik habe sie prinzipiell Verständnis. „Genervt bin ich natürlich trotzdem, weil ich jetzt selbst davon betroffen bin.“ Ein Ehepaar aus Schweinfurt ist da weniger verständnisvoll: „Wir wollten nach Dubai in den Urlaub fliegen. Jetzt stehen wir hier und keiner kann uns sagen, wie es weitergeht“, berichtet der Mann empört. Vom Streik habe er morgens aus dem Radio erfahren. Gekommen ist er mit seiner Frau trotzdem, in der Hoffnung, dass vielleicht doch der eine oder andere Flug gehe.

Diese Hoffnungen wurden allerdings enttäuscht. Bis zur Mittagszeit mussten schon 130 Flüge annulliert werden. 20 000 Passagiere konnten den gesamten Tag über ihre geplanten Flüge nicht antreten. In Maschinen, die abheben konnten, saßen ausschließlich Passagiere, die in Frankfurt umgestiegen waren. Für den Transitbereich war ein Notservice eingerichtet worden.

Maria Magdalena Schermuly wollte am Dienstag eigentlich nach Houston in Texas fliegen: „Ich wohne zur Hälfte in Berlin und zur Hälfte dort. Meine Kinder sind in Texas und ich wollte gerne nach ihnen sehen“, berichtet sie. „Morgen müsste ich dann eigentlich direkt nach North Carolina weiterreisen, das verzögert sich jetzt auch alles.“ Besonders verärgert ist sie deswegen aber nicht: „Natürlich ist das kompliziert, jetzt alles umzubuchen. Aber ich war neulich in Polen, wo man den Krieg in der Ukraine sehr viel deutlicher wahrnimmt, und habe am Berliner Hauptbahnhof die Geflüchteten gesehen. Ich bin einfach nur froh, dass ich in Sicherheit bin und reisen kann, egal ob heute oder morgen.“

Auch ein Würzburger Ehepaar musste den geplanten Flug in die Vereinigten Staaten auf den nächsten Tag verschieben: „Wir sind auf dem Weg nach Washington und wollen zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie unsere Tochter und unsere Enkelin besuchen“, erzählen die beiden. Grundsätzlich habe er immer Verständnis für Gewerkschaften und für Streiks, betont der Mann, selbst wenn es für ihn als Passagier dann auch mal ungemütlich werden könne. „Im Augenblick haben wir aber einen Krieg und zum jetzigen Zeitpunkt finde ich den Streik unsolidarisch.“ Die zentrale Forderung der Streikenden ist ein Euro mehr pro Stunde und eine Angleichung der Löhne zwischen den Regionen und zwischen den Arbeitsbereichen. Nach dem Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ sollen die Beschäftigten in der Fracht- und Gepäckkontrolle künftig genauso viel verdienen wie die Beschäftigten in der Fluggastkontrolle.

Die Lohnerhöhung halten die Streikenden für dringend geboten: „Die Preise steigen, also müssen auch die Löhne hochgehen“, meinen zwei Gewerkschaftsmitglieder. „Wir arbeiten hier ohnehin unter schwierigen Bedingungen mit langen Nachtschichten und viel Arbeit am Wochenende. Weil so viel Personal fehlt, müssen wir oft spontan einspringen, wenn wir eigentlich frei haben.“

Der Personalmangel macht auch Negin Baradaran zu schaffen: „Oft können wir während der Arbeit nicht mal auf die Toilette gehen, weil wir nicht genug Personal haben, um die langen Schlangen abzuarbeiten.“ Besonders die weiblichen Beschäftigten in der Passagierkontrolle stehen unter Druck. „In einer Schicht mit zwölf Leuten sind vielleicht drei Frauen“, beklagt sich Vanessa. „Wir müssen dann zu dritt alle weiblichen Passagiere kontrollieren und kommen gar nicht hinterher. Der Frauenmangel im Team ist wirklich extrem. Das ist bei diesen Arbeitszeiten aber auch kein Wunder.“

Der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen, der in den Tarifverhandlungen die Arbeitgeberseite vertritt, hält die Forderungen der Gewerkschaft für utopisch: „Ver.di hat völlig den Boden unter den Füßen verloren! Mit absolut überzogenen und unrealistischen Forderungen begründet man in der momentanen wirtschaftlichen wie auch geopolitischen Situation massive Streikmaßnahmen“, klagte der Verband am Montag in einer Pressemitteilung.

Auch ein Sprecher der Fraport äußerte Unverständnis über den Zeitpunkt des Streiks: „Die Luftfahrtbranche ist aktuell aufgrund der Pandemie sowie dem russischen Angriff auf die Ukraine stark getroffen. Ein solcher Streik ist eine zusätzliche und vor allem unverhältnismäßige Belastung.“

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