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Frankfurt: Wallfahrt zu Wasser

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Vom Mainufer aus führt die Prozession am Ufer entlang zum Dom. michelle spillner
Vom Mainufer aus führt die Prozession am Ufer entlang zum Dom. michelle spillner © Michelle Spillner

Musik, Gesänge, Gebete und Impulse zu aktuellen Themen.

Es hat etwas Erhabenes, wie das Passagierschiff „Wappen von Frankfurt“ der Primuslinie am frühen Sonntag aus Frankfurt um die Mainkurve steuert und auf dem Oberdeck stehend der Pfarrer der Gemeinden Mariä Himmelfahrt und St. Hedwig, Rolf Glaser, winkt. Mehr als 70 Gläubige des Pastoralen Raums Nied/Griesheim/Gallus und der Katholischen Pfarrei Sankt Margareta gehen am Höchster Mainufer an Bord zur Schiffswallfahrt.

Das Blasorchester Höchst baut sich im Heck des Zwischendecks unter freiem Himmel auf, die Gemeindemitglieder suchen sich Plätze, und die Dame aus Wallrabenstein hat sich eines der 30 kleinen Frühstücke genommen, die es dank der Bezuschussung durch die Gemeinden an diesem Morgen für 3,60 Euro gibt. In Wallrabenstein ist sie geboren, in Höchst hat sie gearbeitet und hierhin kommt sie mindestens einmal im Jahr zurück – zur Wallfahrt. „Den Termin weiß man doch“, sagt sie. Den lässt sie sich nicht entgehen, reist schon am Vorabend an, weil morgens keine Busse fahren.

Die Schiffswallfahrt gibt es seit 2005 und ist eine Wallfahrt zu Ehren des Hl. Bartholomäus, seit 1239 Patron des Frankfurter Doms. Seine im Domschatz verwahrte Schädeldecke ist die wertvollste Reliquie der Kirche. Das inhaltliche Motto der Wallfahrt in diesem Jahr, „Was unter die Haut geht“, spielt auf das Martyrium des Hl. Bartholomäus an, dem nach der Heiligenlegende bei lebendigem Leib die Haut abgezogen wurde.

Musik, Gesänge, Gebete und Impulse zum Thema beginnen schon, bevor hinter der Schleuse in Griesheim noch einmal rund 60 Passagiere zusteigen. Denn, wie Pfarrer Martin Sauer von der Pfarrei Sankt Margareta es formuliert: „Eine Wallfahrt ist auch dazu da, den Horizont zu erweitern“ – in diesem Fall, während man bei gemächlicher Fahrt den Blick über das Ufer und zum Horizont schweifen lässt.

Was unter die Haut geht

In dieser Zeit gehe einem vieles unter die Haut, eröffnet Michael Ickstadt, Pastoralreferent von Sankt Margareta, seinen Impuls: Der Angriffskrieg auf die Ukraine. „Die Situation in unserer Kirche geht unter die Haut.“ Es träten nicht nur die Christen aus, die das vielleicht schon länger vorgehabt hätten, um Steuern zu sparen, sondern auch Aktive, die er kenne, die sagten, dass sie keine Lust mehr hätten. Das schmerze ihn. Die Zerstörung „unserer schönen Erde“ gehe unter die Haut, und dazu noch die eigenen persönlichen Probleme, die jeder habe.

Doch die Schiffswallfahrt solle eine Ermutigung, „ein großes Trotzdem“ sein, die Aufforderung, nicht zu resignieren. Und er führt konkrete Beispiele an, die Hoffnungszeichen seien, wie die Hilfsbereitschaft in den Gemeinden für ukrainische Flüchtlinge oder die beiden Bienenwiesen, die in Sossenheim entstanden seien. Das Vorhaben, ein wenig Erleichterung in dieser schweren Zeit zu verschaffen, wird an diesem Morgen durch die frische Brise unterstützt, die über das Deck weht, und durch die schöne Aussicht bei der Einfahrt nach Frankfurt unter dem Eisernen Steg hindurch, als die Sonne durchkommt.

Dort haben die mehr als 130 Gläubigen wieder festen Boden unter den Füßen. Am Ufer stellen sich Pfarrer, Blasorchester, Messdiener und mehr als 130 Folgende zur Prozession über den Römer auf, gehen singend und musizierend zum Dom, begleitet vom Wallfahrtssegen, der noch auf dem Schiff erteilt wurde.

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