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Umweltaktivist:innen haben sich im Fechenheimer Wald eingerichtet.
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Umweltaktivist:innen haben sich im Fechenheimer Wald eingerichtet.

A66 und A661

Frankfurt: Waldrodung für den Autobahnausbau

  • Florian Leclerc
    VonFlorian Leclerc
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Die Autobahn-GmbH will den Bau des Riederwaldtunnels im Jahr 2022 mit Fällungen vorbereiten. Unterdessen halten Aktivistinnen und Aktivisten den Wald besetzt.

Den Aktivistinnen und Aktivisten, die den Fechenheimer Wald beschützen wollen, steht ein aufregendes Jahr bevor. Etwa 15 zumeist junge Menschen sind es, die in dem Bauwagen nahe dem Park-and-Ride-Parkhaus an der Borsigallee ausharren und sich am Bollerofen vor der Kälte schützen. Einige Baumhäuser und Traversen haben sie im Fechenheimer Wald gebaut und bieten Kurse fürs Knoten und Klettern an. Eigenschaften, die sie im Herbst brauchen werden.

Von Anfang Oktober bis Ende Februar will die bundeseigene Autobahn-GmbH Teile des Fechenheimer Waldes roden, um anschließend den Lückenschluss der A66 zur A661 zu bauen. Die Hälfte der 2,2 Kilometer langen Neubaustrecke liegt im Tunnel.

Die Angaben über die Waldfläche, die wegfallen soll, schwanken. Der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sprach in einer parlamentarischen Antwort von 2,3 Hektar, das entspricht etwa der Größe von drei Fußballfeldern. Die Autobahn-GmbH gab eine zu rodende Fläche von 2,68 Hektar an.

Die Fläche, auf der Wildtiere nicht mehr leben können, ist durchaus größer. Und in dem 632 Seiten langen Planfeststellungsbeschluss steht bezogen auf die Bechsteinfledermaus: „Es gehen 5,26 Hektar Wald mit Lebensräumen hoher Eignung und 11,2 Hektar Lebensräume mittlerer Eignung verloren.“

Bechsteinfledermaus, Großes Mausohr, Wasserfledermaus, Schwarzspecht, Habicht, Schwarzmilan, Goldammer: Sie und viele weitere Tierarten werden ihre Lebensräume im Fechenheimer Wald verlieren. Ausgleichsflächen wurden geschaffen, wie es das Planungsrecht vorschreibt: die Bepflanzung des Schwanheimer Mainufers, die Obstbäume am Sausee, das reaktivierte Altwasser im Fechenheimer Mainbogen. An der Straße Am Erlenbruch soll nach Fertigstellung des Riederwaldtunnels eine Allee mit 84 Großbäumen gepflanzt werden - die vorhandene Allee aus alten Bäumen wird gefällt.

Kein Großprojekt spaltet den Frankfurter Osten so wie der Riederwaldtunnel. Auf der einen Seite stehen die Naturschützer:innen und die zivilgesellschaftlichen Initiativen, die sich vor einer Baustelle fürchten, die den Stadtteil zehn Jahre lang verlärmen wird. Wenn der Tunnel fertig sein wird, nach derzeitigem Stand 2031, blicken die Anwohnerinnen und Anwohner aus ihren Wohnungen auf eine Autobahn und hohe Lärmschutzwände. Die Kritikerinnen und Kritiker hinterfragen, ob der Autobahnausbau in Zeiten des Klimawandels und des Versuchs der Frankfurter Stadt- und der hessischen Landesregierung, eine Verkehrswende herbeizuführen, noch zeitgemäß ist.

Auf der anderen Seite stehen die Verteidiger des Großbauprojekts. Dazu zählen die CDU und die FDP im Römer – aber auch Verkehrsminister Al-Wazir. Sie verweisen auf den Planfeststellungsbeschluss von 2007 und den geänderten Planfestellungsbeschluss von 2019, die in einem Rechtsstaat umzusetzen seien. Die hessische Straßenbehörde Hessen-Mobil war bis vor einem Jahr für das Großprojekt zuständig, das etwa eine halbe Milliarde Euro kosten soll.

Stoppen könnten das Projekt noch Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) und der Deutsche Bundestag mit einem Moratorium zum Autobahnausbau im Bundesverkehrswegeplan. Hierzu müsste die Koalition aus SPD, Grünen und FDP aktiv werden. Das gilt als unwahrscheinlich.

Für die Stadt Frankfurt bedeutet der Riederwaldtunnel eine Zunahme des Verkehrs auf den Autobahnen und auf zahlreichen Straßen, die in die Stadt hineinführen. Mehr Verkehr wird laut Verkehrsprognose 2030 auf der Friedberger Landstraße, der Wittelsbacher Allee und der Hanauer Landstraße innerhalb des Autobahnrings erwartet. Das widerspricht dem städtischen Ziel, den Kfz-Binnenverkehr zu reduzieren.

Außerhalb des Autobahnrings sinkt der erwartete Verkehr auf der Hanauer und der Friedberger Landstraße, der Vilbeler Landstraße und der Straße Am Erlenbruch. Hier verlagert er sich weitgehend auf die Autobahnen A661 und A66. Durch den Riederwaldtunnel fahren künftig 108 900 Fahrzeuge täglich – statt null Fahrzeuge bislang. Auf der A661 werden 124 000 Fahrzeuge nördlich des neuen Autobahndreiecks Erlenbruch erwartet, bislang sind es etwa 96 200 Fahrzeuge. Die alte Weisheit, dass ein Straßenausbau mehr Verkehr anzieht, wird durch die Verkehrsprognose bestätigt.

Falls der Fechenheimer Wald bis Frühjahr 2023 in Teilen gefällt ist, will die Autobahn-GmbH im Laufe des Jahres mit dem Bau des Riederwaldtunnels beginnen. Gleichzeitig steht ein weiteres Großprojekt an: der Ausbau der A661. Sie soll vier breite Fahrspuren, Verflechtungsspuren und eine Rampe von der Friedberger Landstraße nach Süden auf die Autobahn bekommen.

Für den vierspurigen Ausbau läuft das Planfeststellungsverfahren. In einem zweiten Verfahren sollen ein sechsspuriger Ausbau sowie eine Einhausung des Abschnitts zwischen Seckbacher und Friedberger Landstraße untersucht werden.

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