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Waffenfund in Frankfurt: Pistole im Kochtopf eines Clan-Mitglieds

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Von: Stefan Behr

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Revolver, Munition und Cowboyhut.
Diese Gerätschaften waren wohl nicht im Kochtopf (Symbolbild). © Antonio Gravante/Imago

Das Amtsgericht Frankfurt beschäftigt sich mit einem Waffenfund in der Küche eines mutmaßlichen Clan-Mitglieds.

Frankfurt - Cenk S. arbeitet nach eigenen Angaben als „Einzelhandelskaufmann“ für ein „Familienunternehmen“. Dort kümmert sich der 36 Jahre alte Kaufmann mit der Statur eines Kraftsportlers ein bisschen um die „Hausverwaltung“ der zahlreichen Immobilien, vor allem aber „eher so um die praktischen Sachen“, also wenn irgendwo ein Licht auszuknipsen oder ein Loch zu buddeln ist.

Vor dem Amtsgericht Frankfurt steht S. wegen Verstößen gegen das Waffengesetz. Bei einer Durchsuchung der Shisha-Bar seines Bruders im Allerheiligenviertel entdeckte die Polizei im Januar in einem Kochtopf in der Küche eine Pistole mit Fingerabdrücken von S., nebst Munition. Bei einer Wohnungsdurchsuchung im Juli lagen auf dem Kühlschrank 20 Gewehrpatronen.

Frankfurt: Spektakuläre Revierkämpfe

Das alles wäre kein großes Ding, würde es sich bei S. nicht um ein mutmaßliches Mitglied eines Einzelhändler-Clans aus dem Allerheiligenviertel handeln, der sich seit mehreren Monaten mit einem konkurrierenden Clan aus dem Gallus spektakuläre Revierkämpfe liefert. Bei denen, so heißt es, treten die Einzelhändler in Rudeln auf und machen Hausbesuche bei der Konkurrenz, um diese zu beschießen oder zu verprügeln.

Vor Gericht bestreitet S., mit der Waffe im Kochtopf etwas zu tun zu haben. Wie seine Fingerabdrücke auf diese gekommen sind, kann er sich nicht erklären. Vielleicht beim Dippegucken. Ebensowenig kann er sich erklären, wie die 6000 Euro Bargeld, die die Polizei damals bei ihm gefunden hatte, in seine Taschen gekommen wären. Denn eigentlich laufe der Einzelhandel gar nicht so gut.

In der Tat scheint das Geschäft ein ewiges Auf und Ab zu sein. S.s Bundeszentralregister weist etliche Vorstrafen auf, die meisten davon typische Einzelhandelsdelikte wie Körperverletzung, Bedrohung, Beleidigung und Verstöße gegen das Waffen- und das Anti-Doping-Gesetz. Regelmäßig wird er deswegen zu Geldstrafen verurteilt, deren Tagessatzhöhe sich zwischen 20 und 70 Euro bewegt. Trotzdem macht sich S. wegen seiner Finanzen keine allzu großen Sorgen. Er wird „familiär unterstützt“, verrät sein Verteidiger.

Frankfurt: Pistole im Kochtopf ist schnell gegessen

Die Pistole im Kochtopf ist wegen schwieriger Beweislage schnell gegessen. Den Besitz der Patronen gibt S. zu, auch wenn er sich nicht erklären könne, woher und wie die auf seinen Kühlschrank gekommen seien. Das Amtsgericht verurteilt ihn zu 150 Tagessätzen à 30 Euro. Kein Schnäppchenpreis, aber wozu hat man Familie?

Überhaupt muss man die Pistole im Kochtopf als ein juristisches Horsd’œuvre betrachten. In den kommenden Monaten werden einige von Cenk S.s Familienmitgliedern beziehungsweise Kollegen sowie Vertreter der Konkurrenz aus dem Gallus zum Hauptgang am Landgericht erwartet. Da geht es dann um so unappetitliche Geschäftspraktiken wie versuchten Totschlag oder schweren Landfriedensbruch. (Stefan Behr)

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