+
Radfahrer werden immer wieder zu Ausweichmanövern gezwungen - wie hier in der Kaiserstraße. Damit soll bald Schluss sein.

Verkehr

Frankfurt: Vorrechte durch neue Verkehrsschilder

  • schließen

Wagen mit Beifahrern kommen künftig am Stau vorbei, Carsharing-Fahrzeuge dürfen bevorzugt parken, Radfahrer können bei Rot rechts abbiegen - das sieht die geänderte Straßenverkehrsordnung vor.

Noch hat der Gesetzgeber die Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) nicht beschlossen. Aber wenn es in diesem Jahr so weit ist, können sich Carsharing-Nutzer, Radfahrer und Menschen, die zu dritt im Auto fahren, auf eine Bevorzugung freuen.

Busspur für Pkw mit drei oder mehr Personen freigegeben. 

So auch in Frankfurt. Wobei nach der Änderung der Straßenverkehrsordnung noch die Verwaltungsvorschrift zur StVO beschlossen werden müsse, erklärt das Verkehrsdezernat.

Daher habe die Stadt noch nicht entschieden, welche neuen Schilder an welchen Orten zum Einsatz kommen sollen, teilt Referent Stefan Lüdecke auf Anfrage mit. „Das Straßenverkehrsamt wird zu gegebener Zeit aber selbstverständlich die neuen Möglichkeiten und Spielräume der Beschilderung nutzen, um konkrete Probleme zu lösen.“ Folgende Möglichkeiten stehen der Stadt offen.

Plakette im Auto, um Carsharing-Fahreuge als solche zu kennzeichnen. 

Freigabe von Busspuren:Die Stadt darf Busspuren wie auf der Miquelallee künftig für Fahrzeuge freigeben, in denen mindestens drei Menschen sitzen. Wer sich mit anderen ein Auto teilt, wird belohnt, und zieht am Stau vorbei. Ziel ist es, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren – was in der Pendlerhauptstadt Umwelt und Gesundheit schonen würde.

Aber: Wo es Regeln gibt, gibt es auch Menschen, die diese Regeln brechen. So mancher Autofahrer wird sich durch die Freigabe der Busspuren ermutigt fühlen, ebenfalls am Stau vorbeizufahren.

Carsharing-Fahrzeuge dürfen hier parken.

Die städtische Verkehrspolizei und die hessische Landespolizei müssten die Freigabe also kontrollieren. Das wird aus personellen Gründen nicht jeden Tag möglich sein. Wegen dieser Bedenken hat die Stadt die Busspuren noch nicht für Elektroautos freigegeben – auch wenn das seit 2015 möglich ist. Die Freigabe für Fahrzeuge mit mehreren Personen bleibt fraglich.

Carsharing:Carsharing-Fahrzeuge sollen künftig bevorzugt im öffentlichen Raum parken dürfen. Damit will der Gesetzgeber das Carsharing fördern. Ein Schild, um die Parkplätze auszuweisen, zeigt mehrere Personen an einem Wagen an. Carsharing-Nutzer müssten einen Ausweis zur Kennzeichnung des Fahrzeugs hinter die Windschutzscheibe legen.

Ein Carsharing-Fahrzeug hat laut Bundesverband Carsharing das Potenzial, bis zu 20 Autos zu ersetzen. In Frankfurt kommen auf 1000 Einwohner 1,19 Carsharing-Fahrzeuge. Deren Nutzer besitzen den Angaben zufolge in der Regel kein eigenes Auto.

Radfahrer dürfen rechts abbiegen. 

Auch für Elektrofahrzeuge sollen mittels Fahrbahnmarkierung eigene Parkplätze ausgewiesen werden können.

Radfahrer:Um Radfahrer, Fußgänger und E-Tretrollerfahrer besser zu schützen, führt der Gesetzgeber strengere Regeln ein. Beim Überholen müssen Autofahrer künftig innerorts eineinhalb Meter Mindestabstand halten, außerorts zwei Meter. Abbiegende Lastwagen müssen Schrittgeschwindigkeit fahren, also sieben bis elf Stundenkilometer, damit weniger Unfälle passieren. Halten und Parken auf Schutzstreifen wird verboten – das wird sich auf die gängige Praxis der Lieferdienste auswirken. Falschparken auf Radwegen und in zweiter Reihe wird teurer.

Für Radfahrer können Fahrradzonen eingerichtet werden, in denen Tempo 30 gilt. Das Nebeneinanderfahren von Radlern wird grundsätzlich erlaubt, solange diese den Verkehr nicht behindern.

Fahrradzone mit Tempo 30. 

An Ampeln darf die Stadt für Radfahrer künftig Grünpfeile zum Rechtsabbiegen aufstellen. Das bietet sich unter anderem an den Frankfurter Mainbrücken an. Vorbilder gibt es in Frankreich, den Niederlanden und in den Vereinigten Staaten, wo im Bundesstaat Idaho schon seit 1982 der „Idaho-Stop“ gilt. Er erlaubt Radfahrern, Stoppschilder wie Vorfahrt achten zu behandeln. In Darmstadt lief von Frühjahr bis Dezember 2019 ein Pilotprojekt zum Grünpfeil – die Ergebnisse hat die Stadt noch nicht mitgeteilt.

An Kreuzungen und Einmündungen mit Radwegen müssen Autos beim Parken künftig bis zu acht Meter Abstand halten, damit Radfahrer beim Überqueren der Straße von den übrigen Verkehrsteilnehmern besser gesehen werden.

Um Parkplätze speziell für Lastenräder auszuweisen, führt der Gesetzgeber ein entsprechendes Schild ein. Auch für Radschnellwege gibt es ein neues Verkehrszeichen. Ein weiteres Schild könnte an engen Straßen zum Einsatz kommen: Das Verbot Fahrräder, Pedelecs und andere „einspurige Fahrzeuge“ zu überholen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare