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„Auch uns gehört die Straße“, fordern Kinder auf dem Rad.

Kiddical Mass

Vorfahrt auch für junge Radler

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Die sechste Fahrrad-Demo startet am Mainkai. Frankfurts Straßen seien extrem kinderunfreundlich, monieren Teilnehmer.

Bei Rot einfach über die Ampel: Das geht bei der „Kidical Mass“. Gleich mehrere Eltern müssen ihren Nachwuchs am Sonntagnachmittag regelrecht überreden. „Guck mal, weil die Polizei da ist, dürfen wir bei Rot fahren“, sagt ein Mann zu seiner Tochter und zeigt auf die beiden Beamten in Uniform, die an der Ecke Untermainkai/Neue Mainzer Straße lässig an ihren Motorrädern lehnen.

Am Mainkai ist die Kidical Mass am Sonntag erstmals gestartet, nachdem die vorherigen beiden Durchgänge wegen Corona abgesagt werden mussten. Das berichtet Katharina Knacker, Sprecherin des „Radentscheid“-Teams, die mit ihrer dreijährigen Tochter im Kindersitz am Ende der Kolonne mitfährt. Ihre Fünfjährige strample weiter vorne, sagt Knacker. „Wir sind happy, dass trotz Corona wieder so viele dabei sind“, ergänzt die 38-Jährige.

Auf 200, schätzt ein Polizist die Größe der Gruppe, die vom Untermainkai durch den Hafentunnel, an der Messe vorbei zum Rebstockpark radelt. Zum sechsten Mal rollt die Kidical Mass, die an die allmonatliche „Critical Mass“ angelehnt ist, und ebenso wie die ältere Demo für eine bessere Fahrrad-Infrastruktur protestieren möchte. Im September soll es gar eine bundesweite Kidical Mass in rund 70 Städten geben.

Erstmals dabei sind der fast fünfjährige Tobi auf eigenem Mountainbike und Vater Andreas Krueger, die in der Kuhwaldsiedlung, nicht weit von der Europaallee wohnen, wo die Mass gerade hindurchführt. „Frankfurt ist eine der Städte mit dem größten Aggressionspotenzial von Autofahrern und extrem kinderunfreundlich“, sagt Krueger. Die Europaallee etwa entwickle sich derzeit zu einem Treffpunkt von Rasern. Der 46-Jährige hat vorher in Hannover gewohnt, wo es auch nicht besonders angenehm gewesen sei, doch in Frankfurt sei es noch eine Spur schärfer. Die neunjährige Rosa aus Sachsenhausen, die mit ihrer Mutter dabei ist, sagt: „Es fahren zu viele Autos, die nerven und stinken.“ Das Auto benutze ihre Familie nur „alle zwei Wochen“, fügt die Schülerin hinzu und sagt: „Mit dem Fahrrad geht auch alles“.

Christina Farley aus Bornheim und ihre vierjährige Tochter Claire sitzen ebenfalls selten in ihrem Auto. Was sie lieber fahre, will der Reporter wissen und Claire antwortet: „Lieber Rad, weil Rad fahren Spaß macht.“ Am Sonntag sitzt Claire lange im Sattel, ehe sie mit sinkenden Kräften in Mamas Lastenrad umsteigt.

Bei Rot über die Ampel: Ist übrigens auch durch die Straßenverkehrsordnung gedeckt, die besagt, dass „Verbände“ von mehr als 15 Fahrradfahrenden gesammelt Kreuzungen mit Ampeln überqueren dürfen, auch wenn diese zwischenzeitlich auf Rot geschaltet haben.

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