Prozess

Frankfurt: Im Voodoo-Bann der Feministinnen

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Stalker redet sich vor dem Landgericht halb in die geschlossene Psychiatrie.

Laut Anklage ist Ahmet Ü. selbst für einen Stalker eine außergewöhnlich unerfreuliche Person. Die Frau seines Herzens, die von ihm aus nachvollziehbaren Gründen nichts wissen will, verfolgt er mit außerordentlicher Penetranz. Stundenlang lungerte er vor ihrem Haus herum, klingelte Sturm, griff Mitglieder ihrer Familie an und suchte sie mehrfach an ihrem Arbeitsplatz, dem Bürgerhospital, heim. Manchmal mit einem Strauß Rosen in der Hand, öfter mit einem „Fick dich!“ auf den Lippen. Das Hausverbot ignorierte er ebenso wie das Kontaktverbot des Amtsgerichts. Als wie so oft Polizisten den Tobenden mit Gewalt aus dem Krankenhaus zerren mussten, erklärte Ü. den Beamten, diese Verbote seien ihm egal. Er sei durch ein höheres Recht legitimiert, nämlich dem, „dass Männer immer über Frauen stehen“.

„Wie Ken von Barbie“

Einen Schulabschluss hat der 38-Jährige, der bei seinen Eltern lebt, ebenso wenig wie eine Ausbildung. „Ich bin Musiker, das ist meine Berufung, die aber nicht anerkannt wird, weil sie kein Geld einbringt.“ Doch dafür wohnt seiner Musik nach Ü.s Angaben ein seltener Zauber inne: Wer sie höre, verspüre den dringenden Wunsch, den Musiker im Zuchthaus zu sehen. Nur so könne er sich die vielen Anzeigen erklären, die seit seiner frühen Jugend dafür sorgen, dass er mehr Zeit innerhalb von Gefängnismauern als außerhalb verbringt.

Laut Anklage lebt die Frau, mit der Ü. nie ein Verhältnis hatte, in ständiger Angst, traut sich nur noch in Begleitung in die Stadt, hat immer Pfefferspray dabei. Laut Ü. ist er es, der in Angst lebt, denn die Frau sei eine „Feministin“. Vor allem die Feministinnen dieser Welt hätten sich gegen ihn verschworen und sorgten mit Falschanschuldigungen immer wieder dafür, dass er ins Loch gesteckt werde. Dabei sei sie es gewesen, die ihn liebestoll umworben habe. „Ihre Lippen sagten immer ,Nein‘, aber ihr Körper sagte etwas ganz anderes“, erzählt Ü. allen Ernstes.

Zudem habe sie ihn verflucht, mit einem „Voodoo-Zauber“ belegt, der dafür sorge, dass sie ihm nicht mehr aus dem Kopf gehe. Sie habe das ihm gegenüber sogar zugegeben und ihm die Zauberpuppe gezeigt, die für sein Liebesleid verantwortlich sei. Interessant, findet der Vorsitzende Richter und will wissen, wie die Puppe ausgesehen habe. „Wie der Ken von der Barbie“, antwortet Ü., und auch das ist interessant, weil der Angeklagte optisch eher einem Monchhichi ähnelt.

Ob er es nicht seltsam finde, fragt Ü. den Vorsitzenden, „dass mich immer Frauen anzeigen“, aber der findet das gar nicht seltsam. Wobei Ü. den Verdacht von sich weist, ein Frauenhasser zu sein. „Es gibt nicht nur Arschloch-Männer, es gibt auch Arschloch-Frauen“, spricht Ü. ein wahres Wort gelassen aus. Immerhin bei dieser Frage ist klar, in welche Kategorie er selbst gehört.

Ein psychiatrischer Gutachter soll nun die Frage klären, ob Ü. bloß den Vollidioten spielt oder tatsächlich einer ist. Der Prozess wird fortgesetzt. Mitangeklagt sind die Beleidigung und Bedrohung einer Kioskbesitzerin, von der Ü. Schutzgeld erpressen wollte – damit er nicht ihre Tochter penetriere. Das gibt Ü. zwar zu, verweist aber darauf, dass die „fette Hure“ selbst daran schuld sei: „Die ist auch Feministin!“

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