Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

h_epd__00435050__154101_1_3_1_
+
Nicht noch einmal wollen Pflegeheime ihre Bewohnerinnen und Bewohner isolieren.

Corona

Vom Streben nach Sicherheit

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
    schließen

Hygienekonzepte von Pflegeheimen sind ausgeklügelt. Antigen-Schnelltests sind ein weiterer Mosaikstein, 100-prozentigen Schutz bieten sie nicht.

Sachlichkeit. Die wünscht sich Dagmar Jung von der Diakonie Hessen in der Debatte um Infektionen in Alten- und Pflegeheimen. Die Träger tüfteln seit Monaten an Hygienekonzepten und Teststrategien, um die Ausbreitung von Corona in ihren Einrichtungen zu verhindern. Und doch breitet sich das Virus aus. So wie überall in der Republik.

Der Frankfurter Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) hat sich im Gesundheitsausschuss besorgt gezeigt. 181 Pflegekräfte in Frankfurt seien infiziert, 28 von 50 Einrichtungen seien betroffen, insgesamt 194 Bewohner. Die Beschäftigten sollten darum als erstes geimpft werden, findet der Dezernent. „Damit wir eine Stabilität in die Häuser bekommen.“ Andere Ausschussmitglieder sprechen von einer „Durchseuchung“ oder davon, dass die Hygienekonzepte womöglich nicht effizient genug seien.

Das sehen die Träger anders. Immerhin nutze jedes Haus ein eigenes, individuelles Hygienekonzept, mit dem jeweiligen Gesundheitsamt abgestimmt. „Das Ausbruchsgeschehen ist nicht gigantisch angestiegen“, sagt Dagmar Jung. In Hessen sei etwa ein Viertel der Einrichtungen der Diakonie betroffen. Das sei angesichts des gesamten Infektionsgeschehens nicht verwunderlich. Keinesfalls wolle sie die Zahlen kleinreden, sagt Jung. Aber auch nicht dramatisieren.

„100-prozentigen Schutz gibt es nicht“, sagt Tanja Kurz, Sprecherin des Pflege- und Betreuungsdienstleisters Korian. Nicht einmal mit den neuen Antigen-Schnelltestes, auf die manche große Hoffnungen setzen. Bewohner, Besucher und Mitarbeiter können bis zu 20 Tests im Monat in Anspruch nehmen. Mehr als ein weiteres Stückchen im Hygienepuzzle ist das nicht.

Der Aufwand ist groß. Mit Vor- und Nachbereitung dauert die Untersuchung 20 Minuten. Testpersonen müssen sich anmelden, ein separater Raum wird benötigt. Die nationale Teststrategie schreibt vor, dass Ärzte oder die Gesundheitsämter die Pflegekräfte schulen müssen. Darüber hinaus müssen die Ämter zunächst die Konzepte für die Antigen-Schnelltests genehmigen. Und: Die Tests liegen auch nicht immer richtig. Selbst wer negativ ist, kann dennoch das Virus in sich tragen. Sicher lässt sich das nur über den PCR-Test klären – beim Hausarzt oder im Testzentrum.

Den Vorwurf, vornehmlich die Pflegekräfte brächten das Virus in die Einrichtungen, möchte keiner der Sozialträger so stehen lassen. Wer das Virus transportiere, sei nicht nachzuvollziehen. Natürlich hätten Pflegekräfte ein Privatleben. Und „wir können unsere Mitarbeiter nicht rund um die Uhr kontrollieren“, sagt Tanja Kurz. Gleichwohl gelte das auch für die Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtungen. Wer nicht gerade in Quarantäne ist, kann sich frei bewegen, kann einkaufen gehen, soziale Kontakte pflegen.

Isolation vermeiden

Und die Besucherinnen und Besucher ausschließen? Alle Einrichtungen schließen, wie es im Frühjahr geschehen ist, möchte derzeit niemand. „Das war nur schwer zu ertragen“, sagt Dagmar Jung. „Wir sind eine christliche Organisation.“ Die Beziehungen zwischen den Menschen zu kappen, laufe auf einen sozialen Tod hinaus. Auch der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, warnt im Gespräch mit der Funke-Mediengruppe vor zu harten Restriktionen: „Eine Isolation der Bewohner wie im ersten Lockdown darf es nicht noch einmal geben.“

Ohnehin gleichen die Alten- und Pflegeheime bereits Hochsicherheitszonen. Bewohnerinnen und Bewohner, auch die Pflegekräfte, unterzögen sich täglich Screenings, sagt Johannes Frass, Sprecher der Frankfurter AWO. Das umfasse Fieber- und Sauerstoffwertmessung, die Abfrage typischer Symptome. Die meisten Einrichtungen haben eine Art Empfangsschleuse für Gäste eingerichtet. Nur sind die Infektionen im Vergleich zum Frühjahr schwerer zu erkennen. Die Pflegerinnen und Pfleger tragen alle FFP2-Schutzmasken. Auch die Bewohnerinnen und Bewohner sind sensibilisiert. Dazu braucht es mitunter „viel Einfühlungsvermögen und wiederholte Ansprache“, sagt Frass vorsichtig.

Mit dem Virus umzugehen scheint fast schon einfacher, sind Menschen erst einmal erkennbar infiziert: Das Personal geht in Quarantäne, die Bewohnerinnen und Bewohner ebenfalls. Die Pflege erfolgt dann unter Vollschutz. Das heißt: mit Einwegkitteln, Masken über der Maske, Handschuhen. Szenen wie aus einem Science-Fiction-Thriller.

„Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt läuft sehr gut“, das möchte Johannes Frass unbedingt loswerden. Da gebe es ja auch andere Beispiele. Das Frankfurter Amt sei aber trotz der großen Belastung stets für die Pflegeeinrichtungen zu erreichen und könne auch kurzfristig individuelle Teststrategien austüfteln. „Das klingt jetzt nicht so aufregend“, sagt Frass lächelnd. Aber es passt zum Wunsch nach Sachlichkeit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare