Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Da glänzt es noch im Sonnenlicht: die Architektur-Studierenden vor ihrem Sommeriglu. Frankfurt-UAS
+
Da glänzt es noch im Sonnenlicht: die Architektur-Studierenden vor ihrem Sommeriglu. Frankfurt-UAS

Hochschule

Frankfurt: Vom Abfallprodukt zum Baumaterial

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
    schließen

Studierende der Architektur entwerfen mit 10 000 Kleiderbügeln ein Sommeriglu.

Es ist eines dieser Gebilde, die eine eigentümliche Faszination erzeugen. Da steht es, auf dem Campus der Frankfurt University of Applied Sciences an der Nibelungenallee, und je länger der Betrachter draufschaut, desto durchsichtiger wird es. Eine Art von Meditation setzt ein: Aus „Was ist es?“ wird bald „Was mache ich hier? Was ist der Sinn dieser Konstruktion? Des Lebens?“

Nun, kurz zur Erklärung: Das Ding ist ein sogenanntes Sommeriglu. Eine große Drahtkonstruktion ohne Hülle. Darum ist es so durchsichtig, gleichzeitig da und auch nicht da. 15 Studierende der Architektur haben dafür rund 10 000 Kleiderbügel verbaut. Je drei Bügel haben sie zu Dreiecken geformt. Daraus haben sie dann Module in Form von 400 Tetraedern und 340 Oktaedern gebastelt. Und die zu einem 287 Kilogramm leichten Iglu geformt.

Timo Carl nennt es eine „Installation“. Was ja eher an Kunst erinnert als an Architektur. Mag sein, entgegnet der Professor für digitales Entwerfen und Konstruieren, aber: „Architektur ist Raumkunst.“ Die eigentliche Aufgabe: Die Studierenden sollten serielle Abfallprodukte recherchieren, aus denen sich spielerisch und experimentell – mit Hilfe digitaler Simulationen – neue Konstruktionen erstellen lassen.

Bau und Betrieb von Gebäuden sind für knapp 40 Prozent der globalen energiebezogenen CO2-Emissionen verantwortlich. Und sie verursachen mehr als ein Drittel des weltweiten Endenergieverbrauchs. Da liegt es nahe, Gegenstände, die an anderer Stelle nicht mehr benötigt werden, durch sogenanntes Upcycling wiederzuverwenden.

Dass es ein Kleiderbügelkonglomerat wird, haben Professor Carl und Lehrbeauftragter Sandro Siefert selbst nicht erwartet. Manche hätten Eierkartons mitgebracht, andere leere Milchpackungen. Und eine Gruppe tauchte mit einem Berg von Kleiderbügeln auf. Die haben fast alle Menschen im Schrank. Man bringt seine Kleidung zur Wäscherei und bekommt sie auf Kleiderbügeln zurück; die wirft man dann irgendwann weg. Oder: macht ein Upcycling-Projekt daraus. Ein Nachbar habe beim Anblick des fertigen Werks jedenfalls ausgerufen: „Hättet ihr mich mal gefragt!“ Er habe noch kistenweise Bügel eingelagert.

Sehr engagiert sei die Gruppe gewesen, lobt Carl. Nach drei Wochen Ausstellungszeit auf dem Campus hat die Gruppe ihr Werk nun wieder abgebaut und das Metall recycelt. Eigentlich hätte es länger stehen sollen, ist aber Vandalismus zum Opfer gefallen. Jetzt fehlt etwas vor dem „Café Kurzschlusz“. Sogar der Hausmeister habe sich jüngst bei Timo Carl beschwert, er vermisse das Drahtiglu. Tröstlich ist: Es ist nicht da, aber gleichzeitig doch da: im digitalen Raum, auf der Website des Projekts.

Mehr Infos zum Projekt online: https://entwerfen5.wixsite.com/en_wire_nment

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare