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Der kanadische Botschafter Stéphane Dion heißt die Gäste willkommen.

Literaturtage

Frankfurt: Volles Haus bei Litprom-Eröffnung

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Bei den Litprom-Literaturtagen schildern Autorinnen und Autoren den Einfluss der Migrationserfahrung auf ihre Arbeit.

So viele Besucher kamen zur Eröffnung der Litprom-Literaturtage 2020 am Freitag, dass die Veranstalter weitere Stühle in den Saal im Literaturhaus tragen mussten. Als die mehr als 150 Menschen Platz gefunden hatten und die Grußworte gesprochen waren, beschrieben drei Autoren den Einfluss der Migrationserfahrung auf ihre Arbeit. Carmen Aguirre, deren Familie in Chile unter der Pinochet-Diktatur unerwünscht gewesen war und ins Exil nach Kanada gehen musste, Lesley Nneka Arimah, deren Familie aus beruflichen Gründen in mehrere Länder zog, Eduardo Halfon, dessen Familie Guatemala-Stadt wegen Kämpfen zwischen Militär und Guerilla verließ und der später in seine Heimatstadt zurückkehrte. Sie und sieben andere Autoren sind auch am heutigen Samstag noch Gast bei den Litprom-Literaturtagen, die unter dem Motto „Literaturen ohne festen Wohnsitz“ stehen.

Vor 40 Jahren gegründet, passe Litprom, die Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika, hervorragend zu Frankfurt, dieser „globalen Einwanderungsstadt“, sagte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Gleich in vier Sprachen, Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch, begrüßte der kanadische Botschafter Stéphane Dion die Gäste. Bei den Literaturtagen lesen und diskutieren auch drei Autoren, die mittlerweile in Kanada leben. Kanada ist in diesem Jahr Ehrengastland der Frankfurter Buchmesse.

Eine der Autorinnen aus Kanada, Carmen Aquirre, spricht am heutigen Samstag mit Pedro Kadivar über „Theater und Politik – die Bühne als idealer Ort“, von 11 bis 12.30 Uhr. Lesley Nneka Arimah und Sharon Bala gehen zur gleichen Zeit der Frage nach: „Erfolgreiche Debütantinnen – und jetzt?“. „Seine Muttersprache wählt man nicht, oder doch?“ behandeln Eduardo Halfon und Pedro Kadivar von 13 bis 14.30 Uhr. Zur gleichen Zeit untersuchen Yoko Tawada und Rawi Hage die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von „National- versus Weltliteratur“.

Sharon Bala und Youssouf Amine Elalamy sprechen von 15 bis 16.30 zum Thema „Über das Meer – Flucht und Gesellschaft“. Gleichzeitig fragen sich Yoko Tawada und Tomer Gardi, in „Sprachwechsler und Spracherfinder“, ob man in zwei Sprachen zu Hause sein könne. Die Arte-Filmvorführung „Exil Deutschland – Abschied von der Türkei“ (16.30 bis 17.45 Uhr) widmet sich dem Journalisten Can Dündar – der Eintritt ist frei. Die Literaturtage enden mit einem Abschlusspodium ab 18 Uhr. Einzeltickets kosten 8, ermäßigt 6 Euro.

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