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Frankfurt: Voller Bauch lernt besser

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Von: Steven Micksch

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Rolf Rieckmann erklärt den Kindern, was es heute am Buffet gibt. Die Kinder sollen sich selbst nehmen, um die Eigenständigkeit zu fördern.
Rolf Rieckmann erklärt den Kindern, was es heute am Buffet gibt. Die Kinder sollen sich selbst nehmen, um die Eigenständigkeit zu fördern. © christoph boeckheler

Die Brentanoschule ist eine von zwölf Frankfurter Schulen, die dank „Brotzeit“ täglich ein kostenloses Frühstück anbieten können. Bald sollen weitere Schulen folgen.

Gegen 7.30 Uhr kommen die ersten Kinder in die Küche der Brentanoschule in Rödelheim. Am Eingang schnappt sich jedes eine Wäscheklammer und heftet sie an das Anmeldungsband, welches nahe der Tür hängt. Dann geht es auch schon zum Tresen an dem Rolf Rieckmann und Gabriele Trapp stehen. Sie fragen die Kinder was sie essen und trinken möchten. Mit ihren Tellern, Tassen oder Gläsern setzen sich die Grundschüler schließlich an einen der Tische im Raum. Ein morgendliches Ritual, das vom Verein „Brotzeit“ ermöglicht wird.

Seit 2019 gibt es das kostenlose Angebot in Frankfurt. Damals startete es in der Liebfrauenschule. Die Brentanoschule ist seit Mai dieses Jahres dabei. Corona hatte den Start erschwert und vor allem nach hinten geschoben. Mittlerweile sind die Abläufe eingespielt, ein sechsköpfiges Helferteam gefunden und die Rückmeldungen sind positiv, berichtet Kirstin Leonhardt, Projektleiterin der Förderregion Frankfurt. 1200 Mal waren die Kinder der Klassen eins bis vier seit Mai beim Frühstücksangebot.

Ziel von „Brotzeit“ ist es, allen Kindern der Schule ein Frühstück anzubieten und dadurch jenen Kindern, die nicht zu Hause frühstücken, die gleichen Chancen zu bieten, wie denen, die vor der Schule etwas essen. Wer hungrig im Unterricht sitze, sei weniger leistungsfähig, schlecht gelaunt oder unaufmerksam. Die Gründe, warum Kinder nicht frühstücken, können vielfältig sein. Mal liege es am geringen finanziellen Budget, das die Familie hat, mal an der fehlenden Zeit der Eltern, weil sie etwa im Schichtbetrieb arbeiten müssen. All das möchte der Verein, der 2009 von Uschi Glas und ihrem Mann Dieter Hermann in München gegründet wurde, ausgleichen.

In der Brentanoschule gibt es von montags bis freitags jeweils für eine Stunde das Frühstücksangebot. An diesem Tag ist der Kakao besonders beliebt bei den Kleinen. Wer will darf auch Tee, Saft oder Wasser haben. Beim Essen gibt es Käse, Salami und Geflügelwurst für die Butterbrote, die Rieckmann und Trapp vorgeschmiert haben. Auch Obst und Gemüse haben sie geschnitten. Auf einem Wagen neben dem Aufschnitt gibt es Joghurt und Müsli. Das Essen ist ausgewogen und gesund. Die Kinder sitzen an den Tischen und unterhalten sich. So auch die neunjährige Ida. „Ich bin fast jeden Tag hier“, sagt sie. Zu Hause habe sie keine Zeit zum Essen. Das Frühstück in der Schule erlaube es auch, mit den anderen Kindern zu quasseln.

„Die Kinder genießen das“, sagt Rieckmann. Beim Frühstück könnten sie zur Ruhe kommen und soziale Kontakte knüpfen. Zweimal pro Woche engagieren er und Trapp sich an der Schule. „Ich wollte nach meinem langen Berufsleben etwas Soziales machen“, erzählt Trapp, die als Wertpapierhändlerin gearbeitet hat. In einem Geschäft in Rödelheim habe sie die Anzeige für das Ehrenamt gelesen und gleich Kontakt mit Kirstin Leonhardt aufgenommen. Die berichtet, dass das Angebot auch generationenverbindend sei. Alt und Jung lernen gegenseitig voneinander. „Die Helferinnen und Helfer sind unsere Säulen.“

92 solcher Säulen gibt es in Frankfurt, mehr als 1000 in Deutschland. Sie bekommen eine Aufwandsentschädigung in Form einer Übungsleiterpauschale. Bisher gibt es zwölf Frankfurter Schulen, die mitmachen. Demnächst sollen drei in Fechenheim, Eschersheim und Gutleut dazu- kommen. Leonhardt sucht bereits fieberhaft nach Ehrenamtlichen, die an den neuen Schulen zu den wichtigen Stützen werden wollen.

Gegen 8 Uhr geht ein Teil der Grundschulkinder in den Förderunterricht. Der erste Ansturm ist vorüber. Zwischen 30 und 40 Kinder kommen täglich. Einige verabreden sich sogar, kommen früher zur Schule, um noch in der Küche zu frühstücken oder zu quatschen, weiß Schulleiterin Konstanze Kutschera. Das Angebot werde gut angenommen, das gesunde Essen passe ins Schulkonzept. Dafür konnte die Schule aus gut 30 Lebensmitteln auswählen. Die Nahrungsmittel werden von Lidl kostenfrei für „Brotzeit“ zur Verfügung gestellt. Alle zwei Wochen geben die Verantwortlichen an der Schule eine neue Bestellung auf. Aus Butzbach kommen die Lebensmittel dann zu den Frankfurter Schulen.

Antonia und Lina sind beste Freundinnen, wie sie versichern. Sie brauchen nicht in den Förderunterricht und kommen deswegen später zur Schulküche. „Wir kommen oft hierher und trinken Tee“, sagt Antonia. So auch heute an diesem kalten Oktobermorgen. Die Achtjährige frühstücke zu Hause, ihre neunjährige Freundin Lina hat morgens keinen Hunger. Aber den Tee nehmen sie gern. Sie stellen ihre Tassen auf den Wagen und laufen los – der Unterricht beginnt gleich.

Alle Infos zum Projekt, Spendenmöglichkeiten und Ehrenamt unter www.brotzeitfuerkinder.com oder per E-Mail an leonhardt@brotzeit.schule

Obst, Gemüse, Knäckebrot und mehr – das Angebot ist groß.
Obst, Gemüse, Knäckebrot und mehr – das Angebot ist groß. © christoph boeckheler

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