VR-Entwicklung in Frankfurt

Frankfurt: Virtuelle Weltenim Klassenzimmer

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
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Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus besucht ein Frankfurter Entwicklungszentrum und erhält Einblicke in einen speziellen Koffer. Die Frankfurter werkeln auch an einem digitalen Messebesuch.

Ganz langsam bewegt man sich über das Brett zwischen zwei Hochhäusern. Der Blick nach unten ist schwindelerregend, aber die Gefahr ist nicht real. Mittels Virtual-Reality-Brille wird die extreme Höhe vor den Augen projiziert, während man nur über den Zimmerboden balanciert. Die Erfahrung ist trotzdem beeindruckend.

Simulationen wie diese gibt es im VR-Loft „The Vatrix“ mitten in der Frankfurter Innenstadt zu erleben. Virtual Reality (VR) verbindet man oft mit Unterhaltung oder auch Computerspielen. Doch Ingo Söhngen, Eigentümer von „The Vatrix“, erklärt: „Wir sind ein Forschungs- und Entwicklungszentrum.“ Die VR könne demnach für viele andere Bereiche abseits des Spielens verwendet werden. So ist das eingangs erwähnte Beispiel eine Anwendungsmöglichkeit in der Therapie von Höhenangst. Auch in der psychoonkologischen Therapie wurde die virtuelle Realität schon von onkologischen Abteilungen in einigen Kliniken angewandt.

Digitaler Unterricht

Am Freitagvormittag machte sich die hessische Digitalministerin Kristina Sinemus ein Bild von der Frankfurter Einrichtung. 1500 Quadratmeter auf zwei Etagen stehen dem VR-Loft zur Verfügung. Es gibt Autosimulatoren und sogar eine Flugsimulator, an dem jüngst Versuche zu Seitenwinden stattfanden. Auch das Thema Drohnentaxis ist damit verbunden. In dem Zentrum hängen zahlreiche VR-Brillen von der Decke und es gibt jede Menge Freiraum. Denn wer sich in der VR bewegt, läuft auch im echten Leben umher. Mehrere Kameras erfassen die Position und Bewegungen und übertragen sie an die Software. Teleportieren ist auf Knopfdruck zwar auch möglich, aber realistischer fühlt es sich an, wenn man sich selbst bewegt.

Sinemus sagt, sie wolle sich anschauen, welche Potenziale der VR-Bereich in der digitalen Bildung haben könne. Eine Möglichkeit präsentiert Ingo Söhngen mit einem speziellen Schulkoffer. Vor drei Jahren wurde er erstmals an einer Schule in Karlsruhe ausprobiert. „Wir haben ihn perfektioniert“, sagt Söhngen selbstbewusst.

Messe von zu Hause aus

Enthalten sind 16 VR-Brillen, mehrere Tablets und 360-Grad-Kameras sowie mobiles Internet, damit eine mangelhafte digitale Infrastruktur kein Hindernis ist. Mit der Technik könnten Kinder Filme aufnehmen oder 3-D-Welten erstellen. Zudem gibt es bereits vorinstallierte Software in der man beispielsweise einen Bienenstock erkunden kann oder die Lebensgeschichte eines Mannes verfolgt, der langsam blind wurde. Noch sind die Inhalte aber nicht curriculumkonform, so dass sie problemlos in den Unterricht eingebaut werden könnten. Vielmehr bräuchte es Schulen, die eigene Projekte starten oder Themenfelder sehen, die man damit verknüpfen könnte.

Im VR-Loft, das seit kurzem auch eine Kooperation mit der Hochschule Darmstadt-Dieburg hat, konnte die Ministerin auch einen Blick auf die Gestaltung eines virtuellen Messerundgangs werfen. Dieser funktioniere auch ohne VR-Brille und könne somit auch mit dem Smartphone oder Tablet erfolgen. So könnte eine Buchmesse durchaus auch digital stattfinden, mit Vorträgen, Interviews oder einfach Millionen von Leseproben. Dafür gibt es bereits Anfragen von Veranstaltern.

Die Digitalministerin zeigte sich vom „anwendungsorientierten Umfeld“ begeistert und will einen baldigen Besuch mit dem Digitalausschuss anregen.

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