+
Auf dem Opernplatz in Frankfurt hielten sich am Samstag viele Leute nicht an die Corona-Abstandsregeln. 

Opernplatz und Paulsplatz

Frankfurt: Corona-Regeln werden oft gebrochen - Kundgebung sorgt für Aufsehen

  • schließen

Auf dem Frankfurter Opernplatz und am Paulsplatz gab es neben Demonstrationen auch Corona-Bußgelder, weil die Menschen sich nicht an die Mindestabstände hielten. Zudem traf sich am Opernplatz auch eine Gruppe unter der Henryk Stöckl, ein Youtuber, der ganz rechts außen anzusiedeln sein dürfte, war.

  • Gutes Wetter lockt die Menschen in Frankfurt vor die Tür
  • Dabei kommt es zu Verstößen gegen die Corona-Regeln*
  • Rechte Aktivisten halten Kundgebung ab

Frankfurt - Zu Verstößen gegen das Kontaktverbot ist es auch in Frankfurt gekommen. Besonders viel los war am sonnigen Samstagnachmittag (25.04.2020) auf dem Opernplatz. Mehrere Hundert Menschen hatten sich dort laut Polizei versammelt. Ein junger Herr, der auf dem Brunnenrand sitzt, reagiert ziemlich ungehalten, als die Polizisten ihn und seine Freundin darauf hinweisen, dass sie zu dicht an den anderen Menschen säßen, sie den Mindestabstand von 1,50 Meter nach den Corona-Maßnahmen nicht einhielten.

Corona-Krise: Dicht an dicht in Frankfurt am Main 

„Ich habe das Recht, draußen zu sein. Wir sind doch keine Tiere“, sagt der junge Mann. Der Polizist fragt: „Sehen Sie keine Nachrichten?“ Er: „Nein, der Mainstream interessiert mich nicht.“ Viele Leute sitzen dicht an dicht, prosten sich wahlweise mit Sekt, Wein oder Bier zu. Eine Frau schüttet sich erst noch Roséwein nach, bevor sie sich entschließt, auf die Polizei zu hören und sich von ihrer vierköpfigen Gruppe zu trennen.

So hat die Frankfurter Polizei am Samstag einiges zu tun. „Auf dem Opernplatz und bei einer Demonstration am Paulsplatz haben wir insgesamt 150 Ansprachen gehalten. 55 davon am Opernplatz, das waren meist Passanten, die sich mit Getränken niedergelassen hatten“, sagt ein Polizeisprecher. Die meisten Angesprochenen hätten vernünftig reagiert. Aber nicht alle.

Eklatante Verstöße gegen Corona-Regeln in Frankfurt

Zwei Bußgeldverfahren seien am Opernplatz, fünf bei der Demonstration am Paulsplatz eingeleitet worden. Am Mainufer, das besonders am Sonntag voll wird, habe es keine eklatanten Verstöße gegeben. Die Aktivisten am Paulsplatz sind laut Polizeisprecher als „sehr konservative“ Gruppe einzuordnen. Sie protestierten, weil sie sich durch die Corona-Maßnahmen in ihren „Grundrechten“ verletzt fühlten. Das sei der „Weg in die Diktatur“.

Corona-Regeln: Demo mit Maske in Frankfurt

Mehrere Bündnisse hatten am Samstag zu Demonstrationen aufgerufen. Aufgrund der Corona-Lockerungsmaßnahmen darf wieder unter bestimmten Auflagen demonstriert werden. Maximal 50 Teilnehmer, Mindestabstände und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes* sind dabei Pflicht. So protestierten auch die Aktivisten des Bündnisses „Eine Stadt für alle“ sowie die „Seebrücke Frankfurt“ für „eine Öffnung der weitgehend leerstehenden Hotels für wohnungslose sowie geflüchtete Menschen“ in der Corona-Zeit. Aktionen gab es vor den Luxushotels Sofitel an der Alten Oper, dem Fleming’s Hotel am Eschenheimer Turm sowie am Deutschherrnufer vor dem Haus der Jugend. Alle Demonstrationen seien laut Polizei friedlich verlaufen.

Verstöße gegen Corona-Kontaktverbot in Frankfurt: Mehrere Bußgeldverfahren

Keine angemeldete Demo, aber mehrere kleine Gruppierungen von Menschen mischen sich unter die Passanten am Opernplatz. Einige meditieren im Schneidersitz, andere demonstrieren mit Plakaten. Auf einem steht: „Hände weg vom Grundgesetz“. Eine Frau trägt ein schwarz-weiß-gestreiftes Sträflingskostüm. „Ich habe mich mit Leuten über Social Media verabredet, weil ich so wütend bin. Ich fühle mich von den Politikern in Berlin durch ihre Corona-Maßnahmen bevormundet. Ich bin nicht mehr frei, sondern wie im Gefängnis.“ Eine kleine Gruppe unweit von ihr fängt an, die Nationalhymne zu singen. 

Verstoß gegen Corona-Regeln: Teilnehmer lösen Versammlung in Frankfurt selbst auf

Eine Frau aus der Wetterau, auf deren Mundschutz „Hysterielappen“ steht, sagt: „Der Virus ist nicht so aggressiv wie dargestellt. Es ist nicht schlimmer als eine normale Grippe.“ Die Polizei ruft per Lautsprecher mehrmals auf, dass sich doch bitte der Versammlungsleiter melden solle, falls das eine Demo sei. Es meldet sich keiner. Schließlich lösen die Teilnehmer die Zusammenkunft selbst auf. Einer der Protagonisten ist Henryk Stöckl, ein Influencer, der ganz rechts außen anzusiedeln sein dürfte.

Corona-Pandemie: Ermittlungen in Frankfurt 

Er selbst bezeichnet sich auf seiner Homepage als „Patriot und Youtuber“. Der Mittzwanziger aus dem Vordertaunus filmt die Protestaktion für seinen Youtube-Kanal live, interviewt die Teilnehmer. Er sei die dritte „Spontandemo vor der Alten Oper“, sagt er in seinem Video. Am Abend sagt die Polizei, dass gegen einen Mann, der live gestreamt und dabei Polizisten im Gespräch mit ihm gefilmt habe, nun ermittelt werde. Und zwar wegen des Verstoßes gegen das Kunsturheberrecht sowie wegen der Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes.

Auch die Christin und rechte Politaktivistin Heidi Mund taucht in Stöckls Youtube-Video auf. Sie schwenkt eine Deutschlandfahne, auf der „Jesus Christus Herr“ steht. Mit der Fahne läuft sie später allein durch die Innenstadt.

Von Kathrin Rosendorff

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Alle aktuellen Informationen zur Corona-Krise in Frankfurt gibt es im Ticker

In Hessen stößt die neueste Verordnung zum Corona-Infektionsschutz in Bus und Bahn auf breite Akzeptanz. Bußgelder soll es in Frankfurt vorerst nicht geben.

In Frankfurt soll am 1. Mai eine Demonstration unter dem Motto "Lasst sie raus" stattfinden. Dabei soll auf das Leid der Kinder in der Corona-Krise aufmerksam gemacht werden. Die Eltern fordern Lösungen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare