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Frankfurt: Viele gute Geister beim Theaterfestival

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Von: George Grodensky

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Was? Schon wieder Spielzeit? Theatergeist Christoph Pütthoff ist erwacht.
Was? Schon wieder Spielzeit? Theatergeist Christoph Pütthoff ist erwacht. Michael Schick © Michael Schick

Zig Besucherinnen und Besucher stöbern am Sonntag durch die geheimnisvollen Räume der städtischen Bühnen. Das Fest zur Eröffnung der Spielzeit musste drei Jahre pausieren.

Wer hätte gedacht, dass dieses Ensemble so groß ist? Zum ersten Mal seit 2019 öffnen am Sonntag Schauspiel und Oper wieder ihre Pforten für ihr Theaterfest, eine Zusammenkunft, die Publikum und Belegschaft gemeinsam auf die neue Saison einstimmen soll. Und sie öffnen tatsächlich fast alles. Nicht nur so profane Dinge wie Saal oder Foyers. Nee, auch die Bühne, hinter der Bühne, manche Werkstatt, Probebühne, undurchsichtige Treppenhäuser und lange Gänge, die gar nicht aussehen, als könne man dort durch.

Aber man kann. Es stehen sogar an jeder Ecke hilfreiche Geister, damit man auch wieder hinausfindet. „Mein Gefühl ist kuschelfreudig“, sagt Schauspielintendant Anselm Weber zur Begrüßung. Vermisst habe er das Publikum, das ihn hoffentlich auch vermisst habe, flachst er auf der großen Bühne des Schauspiels. Wie groß die tatsächlich ist, wird in der anschließenden Technik-Show klar.

Sebastian Reiß tutet in die Posaune, daraufhin erhebt sich die Bühne in die Lüfte, kurz darauf versinkt er bei weiteren Tütungen im Erdboden. Christoph Pütthoff lässt es donnern, indem er seinen Text auf den Boden wirft. Und Tanja Merlin Graf erklärt den Geistern des Schauspiels, die auf wundersame Weise auf der Leinwand erscheinen, dass die neue Spielzeit beginnt. Hui sagen die. Und rütteln an der Obermaschinerie. So nenne die Fachleute die Technik oberhalb der Bühne. Das, was im Boden versinken kann ist dann logischerweise die Untermaschinerie.

Sehr beeindruckend finden das die Besucherinnen und Besucher. Vor allem, dass man die vielen guten Geister von Schauspiel und Oper einfach anquatschen kann und die dann freundlich erzählen. Das sind nicht nur schauspielende oder singende Menschen und Intendant:innen. Das sind Fachleute aus zwölf bis 15 Ausbildungsberufen, wie Opern-Intendantin Almut Hein für eine berufliche Neuorientierung wirbt. Anskje Matthiesen ist zum Beispiel Chefinspizientin. Ihre Aufgabe ist es sicherzustellen, dass bei einer Opernaufführung oder Probe das Timing stimmt.

Zum Beispiel signalisiert sie dem Dirigenten mit Rot- und Grünlicht, wann er beim Umbau stoppen muss und wann weiter dirigieren. „Der sieht das im Orchestergraben nicht.“ Sie sagt durch, wann Statisten und Primadonnen auf der Bühne zu erscheinen haben, sie muss improvisieren, wenn bei der Kulisse eine Türklinke abfällt. Vor der Tür stehen Bänke für Frühstück oder Pausen. Vor der Tür steht auch der Verein, der sich für einen Wiederaufbau der alten Theateranlage stark macht. Es gibt aber zu viel zu entdecken, um lange Pausen einzulegen. Die kleine Adele von Müller etwa, hat beim Glücksrad ein großes Poster gewonnen. Zaghaft begutachtet sie das Werk. „Du kannst auch einen Button oder einen Stift nehmen“, hilft die Glücksfee weiter. Der Stift wird es denn auch.

„Das ist eine schöne Möglichkeit für die Kinder einfach mal Theaterluft zu schnuppern“, sagt Friederike von Müller, warum die Familie zum Tag der offenen Tür erschienen ist. Eine ganze Aufführung wäre zu viel, sie wolle den Nachwuchs lieber häppchenweise heranführen. Warum nicht einfach Fernsehen schauen? Von Müller lacht. „Theater!“, schwärmt sie: „Das hat doch eine ganz andere Atmosphäre. Das sind lebendige Menschen, das ist etwas Kulturelles, das ist Ausgehen.“

Etliche Gewerke zu sehen

Theater, das sind auch Masken. Im Chagallsaal dürfen Kinder sie bemalen. Oder sich schminken lassen. Die Welt der Bühnen, das ist auch die Welt der Kostüme. Noch so etwas, das es an diesem Tag zu entdecken gibt. Ausrangierte Exemplare werden verkauft. Ein paar Stockwerke weiter oben basteln die Kinder in der Werkstatt Roboter-Mobiles oder lassen sich auf dem fahrbaren Sofa durch den Raum kutschieren.

Staunend stehen eine Frau und ein Mann etwas abseits des Trubels. Er habe lange einen Kulturpass gehabt und sei zu mancher Vorstellung gekommen, sagt der Mann. Der Kulturpass ermöglicht es Menschen, die nicht so viel Geld übrig haben, dennoch am kulturellen Leben in der Stadt teilzuhaben. Auch an Opern. Zuletzt habe er sich rar gemacht bei den städtischen Bühnen, sagt der Mann noch. Das wird sich wohl ändern. Zumindest zieht ihn seine Begleiterin zum Infostand, an dem sich die Besucherinnen und Besucher über die verschiedenen Abonnements beraten lassen können. „Blut geleckt“ habe sie. Und das ist genau die Wortwahl, die einer Oper würdig ist.

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