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Frankfurt: Viel los in der Stadt vor Weihnachten

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Von: Florian Leclerc

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Schlange stehen vor dem Parkhaus Hauptwache.
Schlange stehen vor dem Parkhaus Hauptwache. © Monika Müller

Belegte Parkhäuser, volle Straßen: Von einer Mobilitätswende bemerkt man in Frankfurt derzeit wenig.

Von einer Mobilitätswende weg vom Auto, wie sie so oft von Politiker:innen gepriesen wird, kann in der Vorweihnachtszeit in Frankfurt nicht die Rede sein. In der Innenstadt drängt sich am Samstag vor dem vierten Advent der Autoverkehr. Die städtische Website Mainziel.de zeigt rot – Stau – nachmittags auf der Berliner Straße, der Kurt-Schumacher-Straße, der Konrad-Adenauer-Straße, der Neuen Mainzer Straße und der Mainzer Landstraße nahe der Taunusanlage. Frankfurter Kennzeichen sind darunter, wie ein Rundgang belegt, aber auch viele aus dem Umland.

MZ, FB, GG, HU, MKK, OF ist etwa auf den Kennzeichen von Autos zu lesen, die sich vor dem Parkhaus Hauptwache aufgereiht haben. Die Motoren laufen, Abgase qualmen, ein Autofahrer hupt, weil er aus der Weißadlergasse nicht in den Kornmarkt fahren kann; der ist mit Autos blockiert.

Fahrt aus dem Umland dauert mit Bahn doppelt so lang wie mit dem Auto

Wenn sie einen Stellplatz ergattert haben, werden einige Besucher:innen über den Weihnachtsmarkt laufen, der zwei Millionen Gäste erwartet. Andere werden ihre Weihnachtseinkäufe auf der Zeil erledigen. Auf der Zeil waren am ersten Adventssamstag so viele Menschen unterwegs wie vor der Pandemie; durchschnittlich 11 208 Menschen pro Stunde.

Janis steht am Automaten im Parkhaus Hauptwache und zahlt 15 Euro; also 2,50 Euro pro angefangener Stunde. Um 8.23 Uhr sei er mit dem Auto aus dem Umland von Mainz nach Frankfurt gekommen, um eine Weiterbildung zu besuchen, sagt der 29 Jahre alte Student. „Zu der Zeit kam ich noch gut ins Parkhaus, ohne zu warten.“

Das Wort „belegt“ leuchtet vor dem Parkhaus in Rot. Erst wenn Autos hinausgefahren sind, können andere hinein. An manchen Tagen habe er das auch schon so erlebt, etwa freitagabends, sagt er. Ob für ihn der öffentliche Nahverkehr eine Alternative sei? „Ich habe es versucht.“ Eine Fahrt mit dem Auto dauere 45 Minuten. Eine Fahrt mit Bus und Bahn doppelt so lang.

49-Euro-Ticket als „Gamechanger“

Die Stadt Frankfurt hofft die Wirkung des 49-Euro-Tickets. Als „Gamechanger“ hat Wolfgang Siefert, Referent im Verkehrsdezernat und designierter Nachfolger von Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne), das Ticket bei einer Podiumsdiskussion am Mittwoch im Haus am Dom bezeichnet. Auch wenn eine Fahrt mit dem ÖPNV aus dem Umland von Mainz immer noch länger dauert als mit dem Auto, sänken die Kosten enorm, würde man aufs eigene Auto verzichten. Treibstoff, Steuer, Versicherung, TÜV, Reparatur: 300 Euro im Monat geben die meisten durchschnittlich fürs Auto aus.

Um Pendlerinnen und Pendler dazu zu bringen, zumindest für einen Teil des Wegs aufs Auto zu verzichten, setzt sich die Stadt Frankfurt für Park-and-Ride-Plätze ein. Am liebsten aber nahe der Umlandkommunen an den S-Bahn-Stationen. Denn die Anbindung der Stadt ans Bahnnetz sei sehr gut, so Siefert. Einzig die Raststätte Taunusblick halte die Stadt als weiteren Park-and-Ride-Standort für geeignet. Dort müsste dann allerdings die U-Bahn-Linie U7 halten. Die endet momentan noch an der Heerstraße in Praunheim.

Kreuzung Kurt-Schuhmacher-Straße und Berliner Straße ist belastet

Aus Sicht der städtischen Parkhaus-Betriebsgesellschaft sind die Autos aus dem Umland willkommen. „Die Auslastung der Parkhäuser ist gut, wenn auch noch nicht ganz auf dem Niveau von 2019“, sagt der Geschäftsführer Michael Bachmann. Wer an der Hauptwache, der Konstablerwache oder im Parkhaus Dom/Römer keinen Platz mehr finde, denen rät er, auf die Parkhäuser am Gericht oder in der Konrad-Adenauer-Straße auszuweichen.

Als problematisch empfindet er die Situation auf der Berliner Straße. Wer aus dem Parkhaus Konstablerwache komme, stehe oft lange in der Hasengasse oder in der Fahrgasse, bis der Weg auf die Berliner Straße frei sei. Das liege auch an der Wegnahme von zwei Fahrspuren zugunsten von roten Radwegen. Der Verkehr könne nun nicht mehr so frei fließen.

Die Umverteilung des Straßenraums, die mit einer Mobilitätswende einhergeht, hat also Konsequenzen.

Das Straßenverkehrsamt hat die Situation im Blick. „Mit diesen Begleiterscheinungen des Weihnachtsgeschäfts werden wir leben müssen“, sagt der Sprecher Ingmar Bolle. Neben dem allgemein hohen Verkehrsaufkommen trage zur Problematik bei, „dass Autofahrende sich partout in die Schlange eines bereits vollen Parkhauses einreihen oder trotz Rückstau noch in eine Kreuzung einfahren müssen“. Dem sei „mit straßenverkehrsbehördlichen Mitteln“ nicht abzuhelfen.

So viele Autos wie 2019 seien in dieser Vorweihnachtszeit nicht in die Stadt gekommen, sagt er; die Jahre 2020 und 2021 seien pandemiebedingt eher verkehrsschwach gewesen. Klassisch problematisch sei von jeher die Berliner Straße mit dem Knoten Battonnstraße und Kurt-Schumacher-Straße, insbesondere gegen 16 Uhr. Das Straßenverkehrsamt erwarte, dass das Verkehrsaufkommen bis vor Heiligabend weiter zunehmen wird.

Dann ist Weihnachten und damit Pause im politischen Geschäft. Und ab Januar werden Politiker:innen wieder die Mobilitätswende preisen. Denn dann beginnt der Oberbürgermeisterwahlkampf in Frankfurt.

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