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Ein weiteres Video zeigt bisher unbekannte Szenen von Polizeigewalt der Frankfurter Beamten.

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Exklusives Video zeigt weitere Polizeigewalt bei Festnahme in Frankfurt-Sachsenhausen

  • Marcel Richters
    vonMarcel Richters
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Es gibt ein weiteres Video zu dem umstrittenen Einsatz der Polizei Frankfurt vom vergangenen Wochenende. Dieses liegt der Redaktion exklusiv vor. Es zeigt eine neue Szene, die zuvor nicht bekannt war.

  • Ein Video von einem Einsatz der Polizei Frankfurt hat große Wellen geschlagen.
  • Jetzt liegt ein zweites Video des Einsatzes vor.
  • Auf dem zweiten Video sind bisher unbekannte Szenen von Polizeigewalt zu sehen.

Frankfurt - Nachdem ein Einsatz der Frankfurter Polizei die Diskussion um Polizeigewalt erneut angeheizt hat, ist der Redaktion jetzt ein zweites Video des Vorfalls vom 15. August zur Verfügung gestellt worden. Das rund dreieinhalb Minuten lange Video zeigt, wie mehrere Polizisten auf den jungen Mann, der festgenommen wurde, einschlagen. Dieser hat sich zusammengekauert und versucht, seinen Kopf mit seinen Armen zu schützen.

Außerdem ist auf diesem Video eine Szene zu sehen, die bisher unbekannt war. So hält sich ein Polizist am Einsatzwagen fest und tritt dann den 29-Jährigen, der eben in den Wagen gesetzt wurde. Dann steigen zwei Polizisten – auch der, der zu getreten hat – in den Wagen. Hier bricht das Video ab.

Polizei Frankfurt will Polizeigewalt auf dem Video untersuchen

In einer Pressemitteilung hat die Polizei Frankfurt jetzt den Kontext des Einsatzes, der auf dem Video zu sehen ist*, erläutert. So sei der junge Mann Teil einer Gruppe gewesen, gegen die zuvor ein Platzverweis erteilt wurde. Daraufhin seien die Beamten beleidigt, vom Festgenommenen auch zum Teil bespuckt worden sein. Mit dem Vorgehen gegen ihn sollte „sein Widerstand gebrochen werden“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Nachdem ein Polizist den inzwischen fixierten Mann getreten hatte, wurde er vom Einsatzleiter aus der Szene entfernt. Gegen einen der beteiligten Beamten sind nach Angaben der Polizei Frankfurt bereits dienstrechtliche Maßnahmen ergriffen worden.

Zweites Video ist der Polizei Frankfurt unbekannt

Auf Anfrage der Frankfurter Rundschau war einem Sprecher der Polizei Frankfurt sowohl der zweite Fall von mutmaßlicher Polizeigewalt als auch das zweite Video nicht bekannt. Dienstrechtliche Maßnahmen seien bisher nur gegen einen Beamten ergriffen worden. Auch, ob es in dem Einsatzfahrzeug zu fortgesetzter unzulässiger Gewalt kam, konnte der Polizeisprecher nicht sagen. Er betonte allerdings, dass der gesamte Einsatz untersucht werde und Ermittlungen gegen alle beteiligten Polizistinnen und Polizisten laufen. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass weitere Maßnahmen ergriffen werden“, so der Sprecher der Polizei Frankfurt. Dienstrechtliche Maßnahmen bedeuten aber noch keine Untersuchung nach strafrechtlichen Gesichtspunkten. Aber auch bei gerichtlichen Verfahren werden Polizisten nur selten verurteilt*.

Einsatz der Polzei Frankfurt hat Diskussion um Polizeigewalt angeheizt

Der Vorfall in Frankfurt hatte der Diskussion um Polizeigewalt in Deutschland befeuert. In sozialen Netzwerken forderten Menschen eine unabhängige Beschwerdestelle, ein Kommentar in der Frankfurter Rundschau* fordert „massive Veränderungen“ und betont ebenfalls die Notwendigkeit einer unabhängige Stelle für die Aufklärung von Polizeigewalt.

Hessischer Innenminister nimmt Stellung zu Polizeigewalt

Auch Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) hat inzwischen zum Thema Polizeigewalt Stellung bezogen. Er bezeichnete die Tritte von Frankfurt als „völlig inakzeptabel“. Außerdem berief er Angelika Nußberger, ehemalige Vizepräsidentin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, zur Leiterin einer Expertenkommission. Diese soll die Strukturen in der hessischen Polizei untersuchen. Dabei soll es nicht nur um Polizeigewalt, sondern auch rechtsextreme Drohmails und mögliche rechtsextreme Netzwerke in der Polizei* gehen. (Von Marcel Richters)

Inzwischen sorgen auch die Ermittlungen zu dem umstrittenen Polizeieinsatz* für Unmut. Anwohner*innen sprechen davon, von Beamten bedroht worden zu sein. *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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