+
Das Mainuferfest in Frankfurt ist vorüber. Die Stadt möchte den Autolärm nicht durch Touristenlärm ersetzen. So geht es weiter. 

Pläne der Stadt

Nach dem Mainuferfest: Wie es jetzt mit dem Mainkai weitergeht 

Das Mainuferfest in Frankfurt ist vorüber. Die Stadt möchte den Autolärm nicht durch Touristenlärm ersetzen. So geht es weiter. 

Frankfurt - Wegen der Trockenheit hatte mancher gebangt. Dann ist das Mainfest gestern Abend doch mit einem fulminanten Feuerwerk zu Ende gegangen. Das bunte Spektakel war zugleich ein würdiger Start für einen großen Verkehrsversuch.

Zum ersten Mal werden nach den Festivitäten der Mainfischer die Sperren der Uferstraße an der Alten Brücke und der Untermainbrücke nicht weggeräumt. Sie bleiben voraussichtlich bis 1. September 2020 stehen. So lange läuft die testweise Mainkai-Sperrung. Vom Stadtparlament beschlossen, haben Radfahrer und Fußgänger Vorrang. Autos, Laster, Motorräder und Busse müssen den Bereich umfahren.

Das dreispurige Asphaltband ist einfach so allerdings nur für einige Freizeitaktivitäten attraktiv. Per Inlineskates lässt es sich nun wunderbar an der Altstadt vorbeirauschen, ebenso natürlich auf dem Fahrrad oder - wer es sich leisten mag - mit dem E-Scooter. Umgestaltet aber wird die Straße zunächst nicht.

Der Umbau ist bewusst noch nicht vorgesehen, da sich die Koalitionäre von CDU, SPD und Grünen zu einer dauerhaften Sperrung der Straße nicht durchringen konnten. Die Sperrung sei ein Test und soll ausdrücklich nicht unumkehrbar sein, wie Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) betont. Wie der Mainkai umgestaltet werden kann, soll erst später ein Architektenwettbewerb ergründen.

Stattdessen will die Stadt, dass die Besucher die Straße spontan und nach Lust und Laune kreativ nutzen. Weder zusätzliche Gastronomie-Angebot noch weitere riesige Feste soll es dort geben. "Wir wollen den Autolärm nicht durch Touristenlärm ersetzen", betont Oesterling. Der "ruhigen Erholung" soll der Mainkai dienen.

Frankfurt-Mainkai: Etwas Mehr Platz für Gastronomie

Etwas mehr Gastronomie aber ist durchaus vorgesehen, wie Oesterlings Referent Hans Preißl erläutert. So könnten das Frankfurter Wirtshaus am Fahrtor und das Mainkai-Café an der Straßenecke Zum Pfarrturm nun die Gehwege komplett für ihre Außenbewirtschaftung nutzen. Denn die Fußgänger können ja einfach auf der Fahrbahn laufen.

Die Fahrbahn selbst werde aber - besonders im östlichen Abschnitt - freigehalten, um die Zufahrt der Feuerwehr zu gewährleisten, erklärt Preißl. Eine Koordination der verschiedenen Nutzungen der Straße gebe es indessen nicht. In Teilbereichen der Straße wolle das Umweltdezernat zwei "grüne Zimmer" aufbauen, wie es sie auch schon auf dem Rathenauplatz gibt. Hier gibt es Sitzmöglichkeiten inmitten der Pflanzflächen, es entsteht "Raum für Mittagspause oder einfach für den Aufenthalt", sagt Preißl.

Außerdem werde ein Lehrgarten angelegt, den Schulen nutzen könnten, erklärt Preißl. Dieses Projekt laufe unter der Regie des Stadtschulamtes. Des Weiteren überlege das Jüdische Museum, eine Open-Air-Ausstellung direkt auf der Straße aufzubauen. 

Mainkai soll ruhig bleiben

Diverse Institutionen und Parteien hätten schon angefragt, ob sie auf den Fahrbahnflächen Veranstaltungen anbieten können. Solche Veranstaltungen koordiniert das städtische "Servicecenter Veranstaltungen". Genehmigt werden sie, wenn sie zum Konzept des eher ruhigen Mainkais passen. So müssten Anwohner keine Sorge vor lauter Musik bis in die Nacht haben, beruhigt Preißl. Besonders jene Veranstaltungen, die es dort schon länger gebe, könnten sich aber vergrößern. 

Das habe beispielsweise die Jugendfeuerwehr bei ihrem stadtweiten Sommerfest vor. Jene Veranstaltungen, für die bisher schon der Mainkai gesperrt wurde, bleiben ebenfalls unverändert groß, etwa Marathon, Ironman, Internationale Woche des Sports und natürlich das Museumsuferfest. Der Weihnachtsmarkt hingegen wächst trotz der neuen Möglichkeiten nicht auf den Mainkai: "Es findet sich dort kein Standbetreiber, der nur für ein Jahr eine so große Investition tätigt", erklärt Hans Preißl. Anders sähe es erst aus, wenn klar sei, dass die Flächen dauerhaft zu Verfügung stehen.

RMV und VGF: Autonome Busse pendeln

Eine Entlastung dürfte die gesperrte Straße dennoch auch während des diesjährigen Weihnachtsmarktes bieten. Denn just am Fahrtor herrscht oft besonders enges Gedränge, wenn stehende Glühweintrinker die dort entlang laufenden Passanten blockieren.

Die Test-Sperrung soll zudem für einen Praxistest genutzt werden: Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und die Verkehrsgesellschaft (VGF) wollen einen autonom fahrenden Kleinbus zwischen beiden Brücken im Pendelbetrieb fahren lassen - als offizielle Linie, für die Öffentlichkeit nutzbar und kostenlos. Der Betrieb soll nach Informationen dieser Zeitung in der Woche ab dem 23. September und mit Continental als Partner anlaufen. Zu Detailauskünften verweist die VGF an den federführenden RMV. Doch der hüllt sich bisher, auch auf konkrete Nachfrage hin, in völliges Schweigen.

Von Dennis-Pfeiffer Goldmann

Lesen Sie auch: 

Frankfurter Mainkai wird für Autos gesperrt

Achtung Autofahrer: Das nördliche Mainufer wird ab 30. Juli für den Verkehr gesperrt. Wir haben alle Informationen zusammengestellt.

Droht der Verkehrskollaps, wenn der Mainkai ab Sommer 2019 gesperrt wird?

Wenn ab Sommer 2019 der Mainkai am nördlichen Mainufer für Autos gesperrt sein wird, verlagert sich der Verkehr vor allem auf die Südseite des Mains. In Sachsenhausen mehren sich die Sorgen und der Ärger* darüber.

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare