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"Eva" heißt die Tunnelbohrmaschine, die sich seit gestern ihren Weg unterm Europaviertel hindurch gräbt. 

Tunnelbau

Unter Europaviertel: Dieser Super-Bohrer gräbt 5 Meter U-Bahn-Tunnel pro Tag

Der Bau des neuen U-Bahn-Tunnels zwischen dem Frankfurter Hauptbahnhof und dem Europaviertel hat begonnen. Die riesige, 80 Meter lange Vortriebsmaschine hat am Montag ihre Arbeit aufgenommen. Die Bauarbeiten an der Verlängerung der U5 sollen bis 2024 dauern.

Frankfurt – Für Schichtleiter Robert Lutz und seine Kollegen ist es ein besonderer Tag. Zwei Jahre haben sie die Inbetriebnahme der sogenannten Tunnelvortriebsmaschine vorbereitet. 

Erstaunlich leise geht am Montag der Koloss nach seiner Taufe offiziell an den Start. Mit Prominenz aus Stadt, Region und Land und einer ungewöhnlichen Zeremonie.

Die Hauptrolle spielt die heilige Barbara, Schutzpatronin der Bergleute und Mineure. Die Statue erhält bei der ökumenischen Feier den Segen und anschließend einen Platz in einer Nische des Tunnels. Platziert wird sie dort von Lottofee Franziska Reichenbacher, Tunnelpatin und irdische Stellvertreterin der heiligen Barbara. Als solche darf sie unter anderem einen weißen Helm tragen.

Frankfurt: Stadt der kurzen Wege

Die "Andreh-Feier" markiert einen wichtigen Abschnitt auf dem Weg zur Anbindung des wachsenden neuen Europaviertels an das U-Bahn-Netz in Frankfurt. 3800 Wohnungen und 30 000 Arbeitsplätze wird das neue Quartier im Gallus künftig haben, sagt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). In fünf Jahren soll es mit der U-Bahn-Linie 5 erreichbar sein.

Dafür verlängern Stadt und Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) mit finanzieller Unterstützung von Bund und Land die Strecke um 2,7 Kilometer mit vier Stationen, davon eine unterirdisch. "Als Stadt der kurzen Wege stellen wir uns neu auf", sagt Feldmann. 1,4 Kilometer der Neubaustrecke verlaufen unterirdisch.

So soll die Stadtbahnstrecke einmal aussehen. Fertig sein wird sie voraussichtlich im Jahr 2024. 

Frankfurt: Super-Bohrer schafft 5 bis 7 Meter am Tag 

Fünf bis sieben Meter pro Tag wird sich die Maschine bis zu 22 Meter tief durch den Frankfurter Boden bohren. Deren Name Eva ist aus einem Wettbewerb hervorgegangen. Eva steht für "Europaviertel anbinden". Acht Mineure und zwölf Logistiker sind pro Schicht eingeteilt. Per Lastwagen wurde der Koloss in Einzelteilen nach Frankfurt gebracht. Sein letzter Einsatz war beim Metrobau in Doha, Hauptstadt von Katar. Der Hersteller aus Baden-Württemberg kaufte sie zurück und baute sie für die Frankfurter Bedürfnisse um.

Die Beschaffenheit des Bodens dürfte kein Problem sein, meint Schichtleiter Lutz. "Frankfurter Ton", vielleicht ein paar Kalksteineinlagerungen, selbst für härtere Schichten seien die Experten der Arbeitsgemeinschaft (Arge) U5 Europaviertel gerüstet, zu der sich zwei Firmen für jene Arbeiten zusammengeschlossen haben, die unterirdisch erfolgen müssen.

Bohrer unter Frankfurter Europaviertel: "Ein großer Tag"

Viele von den Experten der Arbeitsgemeinschaft sind bei diesem Festakt dabei. "Das ist ein großer Tag", sagt Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Das Rhein-Main-Gebiet wachse. "Die Metropolregion braucht einen leistungsfähigen Nahverkehr." Jeder neue Meter Schienen sei wichtig, eine Investition für viele nachfolgende Generationen, so Verkehrsminister Al-Wazir.

Lottofee Franziska Reichenbacher und ein Tunnelarbeiter auf Stippvisite bei der Schutzpatronin des Tunnels, der Heiligen Barbara.  

Für die Gleise der neuen U-Bahn-Strecke werden 534 Tonnen Stahl verbaut. Insgesamt 573 Meter lang sind die neu entstehenden Gleise. 11 000 Quadratmeter Grünfläche entstehen zwischen und neben den Bahntrassen. Rund 24 000 Fahrgäste werden Prognosen zufolge täglich an der Station Güterplatz ein- und aussteigen.

Die Tunnelvortriebsmaschine ist 80 Meter lang und hat einen Durchmesser von 7,10 Metern. Vor einem rund 9,20 Meter langen Stahlzylinder rotiert das vorne sitzende Schneidrad mit 100 Schälmessern und Schneidrollen.

Die zwei südlichen Röhren von jeweils 850 Metern durchqueren die künftige Station Güterplatz, nähern sich zwischen Hohenstaufenstraße und Mainzer Landstraße bis auf drei Meter bestehenden Gebäude und enden unter den Platz der Republik.

Dort wird die Maschine teils abgebaut, durch den neuen Tunnel zurückgezogen, wieder aufgebaut, um dann die zweite Röhre zu bohren. Rund ein Jahr dauern die Arbeiten im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr. 

jur

Anderorts in Frankfurt regt sich Widerstand. Wegen der Mainkaisperrung hat sich nun eine Gegeninitiative gegründet. Radfahrer hingegen sollen mehr Sicherheit erhalten. Der Sprecher der Radentscheid Initiative fordert eine neue Infrastruktur. 

Die Koalition im Römer einigt sich mit dem Radentscheid Frankfurt auf eine umfassende Förderung des Radverkehrs, auch zulasten der Autofahrer.

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