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Angesichts steigender Inzidenz in Frankfurt ist es noch nicht an der Zeit, die Masken fallen zu lassen.
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Angesichts der Inzidenz in Frankfurt ist es noch nicht an der Zeit, die Masken fallen zu lassen.

Spitzenwert

Corona-Inzidenz in Frankfurt gibt Rätsel auf

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
    schließen

Die vergleichsweise hohe Corona-Inzidenz in Frankfurt bereitet vielen Sorgen. Zeigen die Frankfurter:innen nun mehr Vorsicht? Ein Blick in die Mainmetropole.

Frankfurt – Teils besorgt, teils mit Gelassenheit reagieren die Frankfurterinnen und Frankfurter am Donnerstagvormittag (08.07.2021) auf den bundesweiten Spitzenwert bei den Corona-Inzidenzzahlen. Ingeborg Scholz, die gerade auf der Idsteiner Straße im Gallus auf den Bus wartet, hat es am Morgen im Radio gehört. Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 20 hat Frankfurt im deutschlandweiten Vergleich zuletzt sogar Offenbach überholt. Bundesweit steht eine Fünf vor dem Komma. „Schlimm“, findet sie die aktuelle Entwicklung.

„Man darf nicht leichtsinnig werden, sonst ist das Geschrei und Gejammer dann wieder riesengroß“, sagt die 83-Jährige mit OP-Maske ums Handgelenk. Sie habe zwar „keine Angst“ und werde „nicht in Panik verfallen“. Gleichzeitig fordert sie Disziplin ein: „Maske tragen ist das Geringste“, sagt die Rentnerin. Nach anderthalb Jahren Unterbrechung habe sie sich „endlich wieder mit einer Freundin“ verabredet. Dann setzt sie ihre Maske auf und steigt in den Bus.

In einem Drogeriemarkt im Europaviertel sind die Verkäuferinnen unterschiedlicher Meinung. Eine Mitarbeiterin, die gerade Regale einräumt, sagt: „Ja klar“, Sorgen bereiteten ihr die vergleichsweise hohen Infektionszahlen. Gehört habe sie vorher noch nichts davon, sei aber auch im „Stress“ und müsse weiter Ware einsortieren. Ihre Kollegin an der Kasse sagt: „Ich bin noch relativ entspannt“ und ergänzt: „Die Zahlen sind generell relativ niedrig.“ Anders ist es für John Vogelgesang und seinen fast einjährigen Sohn Louis, der im Kinderwagen liegt.

Corona in Frankfurt: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es wieder schlimmer wird.“

Die beiden kommen gerade von der „Eingewöhnung“ in Louis’ künftiger Kindertagesstätte. Ein Grund, warum der Vater beunruhigt ist. „In heller Aufregung sind wir nicht, aber vorsichtig, weil unser Kind bald jeden Tag in die Kita gehen soll“, sagt er und ergänzt: „Das ist eine zusätzliche Kontaktfläche.“ Der 40-Jährige befürchtet: „Wenn das Virus mit seinen Mutanten weiter grassiert, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es wieder schlimmer wird.“ Daher hat Vogelgesang seine Zweitimpfung gegen Covid-19 vorgezogen.

DatumInzidenz in Franfurt
1. Juli 202117,7
2. Juli 202114,8
3. Juli 202121,2
4. Juli 202120,4
5. Juli 202118,6
6. Juli 202120,4
7. Juli 202120,7
8. Juli 202120,0
9. Juli 202120,6
10. Juli 202119,3
11. Juli 202119,4
12. Juli 202122,1

Hamida Hotaki, die erst vor drei Wochen ihr Café am Europagarten eröffnet hat, um in das noch junge Viertel „ein bisschen Leben reinzubringen“, sagt: „Natürlich ist man schon besorgt“. Bei sommerlichen Temperaturen sitzen Gäste zahlreich im Außenbereich und ihre Mitarbeiter:innen haben gut zu tun. Die Leute genössen es, einfach mal wieder eine Tasse Kaffee trinken zu gehen, sagt Hotaki. „Mit viel Lust und Laune“ habe sich die 43-Jährige „ganz frisch selbstständig“ gemacht. Nun seien ihr „die Hände gebunden“, was Infektionszahlen angehe. „Gesetze einhalten“ werde sie selbstverständlich. „Ärgerlich“ sei es dennoch, wenn sich die Lage wieder weiter zuspitze.

Im gut besuchten Friseurladen nebenan macht sich Besitzer Daniel Choi seine Gedanken und blickt auf die zähen Monate des Lockdowns zurück. Seit März hat er wieder geöffnet und seitdem seine Belegschaft von fünf auf acht erhöhen können. Um die mache er sich die größten Sorgen, berichtet der 50-Jährige auf Englisch. „Man kann nichts machen, nur abwarten“, sagt Choi.

Frankfurt mit Spitzenposition bei Neuinfektionen mit Corona: „Schockt mich ein bisschen“

„Das schockt mich gerade ein bisschen“, sagt Nina, auf die Frankfurts Spitzenposition bei den Infektionszahlen angesprochen. Von ihrem Freund, der ebenso wie sie nicht mit Nachnamen genannt werden möchte, hat sie sich Kaffee zum Mitnehmen bringen lassen. „Irgendwie kriegt man doch Angst“, sagt die 23-Jährige. „Ich habe gedacht, dass es eine vierte Welle eh nicht geben wird wegen der Impfungen“, ergänzt Nina. „Keine Lust auf Lockdown“, habe sie.

Ihr Freund Nico gibt sich abgeklärt: „Ich bin ehrlich gesagt nicht mehr zu schocken“, sagt der 27-Jährige. Er sei durchgeimpft, berichtet er, und an seine Partnerin gewandt: „Du bist bald doppelt geimpft“. Und weiter: „Ich bleibe optimistisch.“ Woher die relativ hohe Inzidenz in Frankfurt kommt, das können die beiden – wie auch Expert:innen derzeit – nur vermuten. „Durch das internationale Publikum“, sagt sie. Er denkt an den Flughafen. „Viele, die hier abreisen, lassen sich noch mal testen“. (Clemens Dörrenberg)

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