Soll ein Ausgangsverbot nur für Risikogruppen gelten?
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Die Stadt weitet die Maskenpflicht aus.

Corona

Frankfurt verschärft Vorschriften

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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  • Jutta Rippegather
    Jutta Rippegather
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Die Stadt Frankfurt beschließt auf einer Sondersitzung, Kontakte auf fünf Personen zu beschränken, weitet die Maskenpflicht aus und sagt den Weihnachtsmarkt ab.

Weil in Frankfurt die Corona-Infektionszahlen sprunghaft angestiegen sind, nimmt die Stadt weitere Einschnitte ins öffentliche Leben vor. Das hat der Verwaltungsstab der Stadt bei einer kurzfristig angesetzten Sondersitzung am Samstagnachmittag beschlossen. Danach wird das Gebiet ausgeweitet, in dem eine generelle Maskenpflicht gilt, es gibt weitere Kontaktbeschränkungen, und der Weihnachtsmarkt wird abgesagt. „Unser Ziel ist und bleibt es, einen neuen Lockdown zu verhindern. Deshalb sind alle Frankfurterinnen und Frankfurter aufgerufen mitzuhelfen“, appellierten Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), Bürgermeister Uwe Becker (CDU) und Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) an die Bevölkerung.

Damit reagierte Frankfurt auf die hohen Inzidenzwerte. Am Sonntag lag die Zahl der Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche bei fast 205. In ganz Hessen hat sich die Zahl der bestätigten Corona-Fälle am Sonntag im Vergleich zum Vortag um 1099 erhöht. Zu den verschärften Sicherheitsmaßnahmen in Frankfurt gehört: Im öffentlichen Raum dürfen sich höchstens fünf Personen treffen. Sind es mehr, dürfen sie maximal zwei Haushalten angehören. Bei allen öffentlichen Veranstaltungen und in öffentlichen Einrichtungen gibt es eine Maskenpflicht. Innerhalb des Alleenrings und nördlich der Bahnlinie in Sachsenhausen muss ebenfalls Maske getragen werden. Das betrifft etwa Stadtteile wie Ostend, Nordend, Westend, Bockenheim, Gallus, Bahnhofsviertel und Sachsenhausen. Für den Rest der Stadt wird das Tragen der Maske empfohlen. „Wenn das nicht reicht, werden wir die Maskenpflicht auf das gesamte Stadtgebiet ausweiten“, sagte Feldmann.

Das Alkoholkonsumverbot auf definierten Plätzen, Orten und Anlagen bleibt weitgehend unverändert. Nur: Innerhalb der Sperrstunde von 23 bis 6 Uhr gilt das Verbot im öffentlichen Raum im gesamten Stadtgebiet. Auch gibt es eine Maskenpflicht in Fahrzeugen, wenn Mitglieder von mehr als zwei Hausständen mitfahren. Der Gesundheitsdezernent bat die Bürgerinnern und Bürger, „weiterhin und noch intensiver gemeinsam mit uns gegenzusteuern, um noch weitergehende Einschränkungen abzuwenden und einen dramatischen Anstieg von schweren Fällen und steigende Todeszahlen zu verhindern“.

Gesundheitsamt fehlen Kapazitäten 

Bereits am Freitag hatte das Gesundheitsamt mitgeteilt, dass ihm die Kapazitäten fehlten, um alle Corona-Infektionsketten in der Stadt nachvollziehen. „Jedem Fall genau nachzugehen, das gelingt nicht mehr“, sagte der Leiter des Gesundheitsamts, René Gottschalk, im ZDF-Morgenmagazin. Das Gesundheitsamt wird von der Bundeswehr unterstützt. 60 Soldaten helfen bei der Nachverfolgung. Dafür sei man dankbar, sagte Gottschalk, es reiche aber nicht aus. Die Mitarbeiter müssten inzwischen die Fälle priorisieren. „Man muss sich jetzt gezielt die Fälle raussuchen, wo es besondere Dinge gibt, die es zu beachten gilt, wo es sich lohnt, genau nachzufragen.“ Das könne etwa ein Infizierter sein, der enge Kontakte mit Risikogruppen habe – anders als ein Ausbruch in einer jungen Familie.

Für den Weihnachtsmarkt, der jährlich normalerweise drei Millionen Besucherinnen und Besucher anzieht, kam am Samstag das endgültige Aus. Über Wochen habe man ein detailliertes Hygienekonzept ausgearbeitet, sagte Thomas Feda, Geschäftsführer der städtischen Tourismus und Congress GmbH. Mit einer Verkleinerung und Entzerrung auf größere Flächen hatte man den traditionsreichen Markt retten wollen. „Die dynamische Entwicklung der letzten Zeit zeigt aber, dass dies in diesem Jahr einfach nicht möglich sein wird“, sagte Feda. Ab jetzt müssten eigentlich erste logistische Vorbereitungen getroffen werden, die bereits größere Kosten verursachten. „Dieses wachsende Risiko erschwert die Planungen aller Beteiligten. Darum war es wichtig, jetzt eine Entscheidung zu treffen.“

Die verschärften Sicherheitsmaßnahmen gelten zunächst bis 31. Oktober. Eine Verlängerung sei angesichts der Infektionslage allerdings zu erwarten, hieß es.

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