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Mieter haben seit Wochen kein warmes Wasser mehr: Vermieter dreht Gas ab

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Von: Christoph Manus

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Seit Wochen gibt es in einem Frankfurter Mietshaus kein warmes Wasser. Der Eigentümer will es auch nach einer einstweiligen Verfügung nicht wieder anstellen.

Frankfurt - Warm duschen können sie nur noch bei Freunden oder beim Sport. Geschirr spülen sie mit kaltem Wasser. Seit Anfang Juli haben die zwei Frauen in ihrer Wohnung im Frankfurter Stadtteil Bockenheim kein heißes Wasser mehr. Und daran dürfte sich so schnell nichts ändern. Selbst in der Heizperiode könnte es kalt bleiben.

Der Eigentümer des Mietshauses hat den Bewohnerinnen und Bewohnern im Juni mit der Nebenkostenabrechnung mitgeteilt, dass er die Heizungsanlage von Anfang Juli an nicht mehr betreiben werde. Den beiden Mieterinnen, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, hat er nach ihren Angaben geraten, sich Elektroheizöfen zu beschaffen und Wasser in der Küche zu erhitzen.

Frankfurt: Vermieter stellt im Haus das warme Wasser ab, weil die Gaspreise so stark steigen

Auch Wochen später sind die beiden Frauen noch fassungslos über das Vorgehen ihres Vermieters - und zunehmend zermürbt. Sie haben nach rechtlicher Beratung durch den Mieterschutzbund die Miete um 15 Prozent gemindert und sind juristisch gegen das Abdrehen des warmen Wassers vorgegangen. Das treffe andere im Haus noch schlimmer. Eine Mieterin sei etwa bettlägerig. Auch die Stadt sei für sie tätig geworden, berichten die Frauen. Gegen eine von ihnen vor Gericht erwirkte einstweilige Verfügung hat der Vermieter Widerspruch eingelegt.

Der Eigentümer des Mietshauses sieht sich, wie er auf Anfrage der Frankfurter Rundschau betont, vollkommen, ja „1000-prozentig“ im Recht. Dabei begründet er sein Vorgehen mit der Gaskrise. Er müsse nun 500 Prozent mehr für Gas zahlen. Die Mieterinnen und Mieter seien, wie er der FR sagt, nicht in der Lage, die entsprechend höheren Abschläge zu zahlen. Deshalb gehe er davon aus, dass er auf den Kosten sitzen bleibe. Dann sei seine finanzielle Existenz bedroht.

Frankfurt: Mieterinnen werfen Eigentümer vor, sie loswerden zu wollen

Der Vermieter führt zudem an, dass er juristisch verpflichtet sei, die Mieterinnen und Mieter vor den extrem steigenden Kosten zu schützen. „Sie müssten mir eigentlich dankbar sein.“ Die Mehrheit der Mietparteien im Haus sei mit dem Vorgehen ohnehin einverstanden, sagt er. Auch in der Heizperiode will er die Heizung nur anstellen, wenn die Hausgemeinschaft ihm zusichere, die steigenden Nebenkosten tragen zu können, oder wenn die Vermieterinnen und Vermieter öffentliche Unterstützung bei Ausfall von Zahlungen in der Energiekrise erhielten.

Die Mieterinnen haben ihren Vermieter, wie sie im Gespräch mit der FR deutlich machen, bisher nicht als Mann kennengelernt, der aus Empathie mit den Mietparteien handelt. Das Haus sei ihm egal, er kümmere sich um nichts, sagen sie. „Er hätte wohl am liebsten, dass wir alle ausziehen.“

Ein Frankfurter Vermieter dreht seinem Mietshaus das warme Wasser ab. Er sieht sich im Recht, weil der Gaspreis so stark gestiegen sei, dass er seine Mieterinnen und Mieter vor höheren Abschlägen schützen müsse.
Ein Frankfurter Vermieter dreht seinem Mietshaus das warme Wasser ab. Er sieht sich im Recht, weil der Gaspreis so stark gestiegen sei, dass er seine Mieterinnen und Mieter vor höheren Abschlägen schützen müsse. © dpa

Mieterschutzverein Frankfurt: Warmes Wasser abstellen ist nicht zulässig

Der Geschäftsführer des DMB-Mieterschutzvereins Frankfurt, Rolf Janßen, hat jüngst im FR-Interview deutlich gemacht, dass er selbst Pläne von Wohnungsgesellschaften, das warme Wasser nachts abzustellen, für nicht zulässig hält. „Schon weil es eine große Anzahl von Mieterhaushalten gibt, die zwingend auf warmes Wasser rund um die Uhr angewiesen ist. Zum Beispiel Haushalte mit Pflegebedürftigen, Säuglingen und Kleinkindern oder Menschen, die im Schichtdienst arbeiten“, hieß es.

Auch für die Absenkung der Lufttemperatur nannte Janßen klare Grenzen. Es müsse gewährleistet sein, dass die Wohnung tagsüber mindestens auf 20 Grad, nachts mindestens auf 18 Grad beheizt werden könne, sagte er. (Christoph Manus)

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