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Aus und vorbei. Die IAA verlässt Frankfurt. 

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Frankfurt verliert die IAA

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Die Bewerbung fällt beim Ausrichter VDA durch. Die CDU macht Oberbürgermeister Peter Feldmann schwere Vorwürfe.

Schockstarre im Römer: Frankfurt wird die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) nicht mehr ausrichten. Bei der Vorauswahl, die der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Mittwoch getroffen hat, fiel die Bewerbung von Stadt und Messe durch. Im Rennen sind noch Berlin, Hamburg und München.

„Damit endet eine sehr lange Tradition“, sagte der völlig fassungslos wirkende Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) vor Journalisten im Römer. Die IAA wurde seit 1951 alle zwei Jahre in Frankfurt ausgerichtet. Ursprünglich hatte Frank am Mittwochabend mit Vertretern der vor einigen Wochen gestarteten Initiative „Jaa zur IAA“ feiern wollen, dass Frankfurt zumindest in die engere Auswahl der Bewerberstädte gekommen ist. Doch die Getränke, die er in seinem Amtszimmer hatte auftischen lassen, blieben ebenso wie das Gebäck nahezu unangetastet.

Auch die Ideen und Konzepte der Stadt Frankfurt seien sehr eindrucksvoll gewesen, teilte der VDA mit. Doch nach Auswertung aller relevanten Kriterien werde die IAA 2021 nicht mehr in Frankfurt stattfinden. „An unserem Konzept hat es auf jeden Fall nicht gelegen“, sagte Frank. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), Messe-Geschäftsführer Uwe Behm und dem hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) hatte Frank in der vergangenen Woche die Frankfurter Bewerbung beim VDA vorgestellt.

Wie vom Verband gewünscht, hatten Stadt und Messe Pläne vorgelegt, wie aus der reinen Autoschau eine Mobilitätsmesse werden könnte. So sollte die IAA in der gesamten Stadt Präsenz zeigen, auf allen öffentlichen Plätzen in der Innenstadt sollte es Vorführungen und Mitmachangebote geben. Frank schloss nicht aus, dass Teile dieser Pläne mit einem anderen Partner in den kommenden Jahren umgesetzt werden.

Auch der Chef der städtischen Wirtschaftsförderung, Oliver Schwebel, zeigte sich schockiert. Offenbar wolle der VDA seinen geplanten Neuanfang mit einem neuen Standort für die Messe verbinden. Der wirtschaftliche Schaden für Frankfurt sei immens, sagte Schwebel. Die IAA sei für viele Wirtschaftszweige von sehr großer Bedeutung – etwa für das Taxi- und Hotelgewerbe oder die Gastronomie. Im vergangenen Jahr hatten rund 560 000 Menschen die Messe besucht. Bei den Auflagen zuvor hatte die IAA bis zu einer Million Besucherinnen und Besucher gezählt.

Auf die Frage, ob Peter Feldmanns scharfe Kritik an der Autoindustrie vor der IAA 2019 der Frankfurter Bewerbung geschadet habe, antwortete Frank schmallippig: „Wir arbeiten mit vielen Menschen zusammen, und diese Kontakte muss man auch gut pflegen.“ Sehr viel deutlicher wurde Nils Kößler, Fraktionsvorsitzender der CDU im Römer: „Der Oberbürgermeister hat bei der IAA einen Scherbenhaufen hinterlassen.“ Feldmann habe die Demonstrationen gegen die Messe „mit offener politischer Freude“ begleitet. Für das Scheitern der Bewerbung trage in erster Linie der OB die politische Verantwortung. Über das Ende der IAA in Frankfurt werden die Stadtverordneten auch am heutigen Donnerstag in ihrer Plenarsitzung diskutieren.

Feldmann bedankte sich per Twitter ausdrücklich bei Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und Wirtschaftsdezernent Markus Frank: „Wir haben Hand in Hand mit Verve für einen Verbleib geworben.“

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